Studenten im Lesesaal der Bibliothek der Päpstlichen Universität Gregoriana
Studenten im Lesesaal der Bibliothek der Päpstlichen Universität Gregoriana
Symbolbild Bücher, Bibliothek
Symbolbild Bücher, Bibliothek

16.11.2019

Wie Bibliotheken mit der Digitalisierung umgehen Weltweiter Zugriff - doch Papier bleibt haltbarer

Die Welt wird immer digitaler. Auch Bibliotheken bringen ihre Schätze zunehmend ins Netz. Die Bedeutung der Bibliothek als physischer Ort nimmt ab - doch die Vorteile des gedruckten Buches bleiben.

Eine Ansammlung von Punkten übersät den weiß gestrichenen Einband des dicken Wälzers. Urs Fischer zieht ihn aus dem Compactus-Gestell. "Holzwürmer", sagt der Chefbibliothekar der Spezialsammlungen und klopft mit dem Fingerknöchel darauf. Nüchtern ist die Atmosphäre im sechsten Untergeschoss der Zentralbibliothek in der Zürcher Altstadt. Weiße Wände, industriegrüner Betonboden und Neonlicht, bewegliche Archivgestelle mit Hebelrädern. Es riecht nach altem Papier. "Wir sind hier unter dem Grundwasserspiegel", so Fischer. Die Klimatisierung sowie eine Gebäudeschale verhindere zwar das Eindringen von Feuchtigkeit; doch dass dies so bleibe, sei eine Herausforderung.

Tief im Untergrund lagert ein wertvoller Schatz: die Bibliothek des ehemaligen Klosters Rheinau. Von außen wirken sie uniform: brauner Ledereinband, schlichte Beschriftung. Doch vielfältig sind die Inhalte: Messbücher, ein "Breviarium Benedictinum congregationis Bursfeldensis" von 1493, den "Malleus haereticorum" von 1580, ein Werk über die Ketzerverfolgung; Völkerkunde des 17. Jahrhunderts, Schweizer Naturgeschichte, Biologie, Physik, Mathematik und Astronomie, aber auch eine protestantische Kampfschrift gegen den Katholizismus, "Synodus Sanctorum Helveticorum" (1656).

Digitalisierung des Bestandes

Der Bestand der Bibliothek Rheinau kam 1863 nach Zürich, nachdem das Kloster im Zuge der Säkularisierung aufgehoben worden war. Zehn vierspännige Pferdewagen sollen für den Transport der rund 13.000 Bücher nötig gewesen sein. Ein wichtiger Bestand, der nach und nach digitalisiert und auf der Plattform "e-rara" zugänglich gemacht wird. Das gemeinsame Projekt Schweizer Bibliotheken startete 2008. Damals entschied man, dass jede der am Projekt beteiligten Bibliotheken selbst, also im eigenen Haus digitalisiert.

Im Digitalisierungszentrum der Zentralbibliothek Zürich (ZB) steht ein ganzer Gerätepark an Scannern bereit: etwa für großformatige, lose Blätter, die während des Scannens per Luftzug an die Unterlage gesaugt werden. Die "Cobra" für das Einlesen gebundener Bücher ist so konstruiert, dass Bücher nur bis zu 110 Grad aufgeschlagen werden müssen; ideal für sehr alte Werke, die man nicht mehr vollständig öffnen kann, ohne sie zu strapazieren oder gar zu schädigen. 

Vorteile der digitalen Version

Trotz des schwierigen Materials hat die Abteilung in den vergangenen fünf Jahren 5,5 Millionen Seiten gescannt. Sofern konservatorisch kein Schaden droht, lohne sich das Scannen allemal, so Chefbibliothekar Fischer: Denn jeder Forscher, der künftig das Buch digital erforscht, schone das reale Exemplar. In seinem Büro klickt sich Fischer durch den Online-Bibliothekskatalog. Via e-rara.ch lassen sich die im Untergrund gelagerten Bücher weltweit online als PDF betrachten. Rund 15.000 Titel sind schon im Netz greifbar, darunter knapp die Hälfte der Rheinauer Sammlung.

Laut Fischer bieten die Scans sogar noch mehr Information als das physische Buch vor Ort. Mit der Zoomfunktion könne man die Dateien vergrößern und Details zum Vorschein bringen. Mit dem Digitalisieren werden viele Schätze, darunter wertvolle Bücher aus der sogenannten Wiegezeit des Buchdrucks, erstmals einem breiten Publikum zugänglich. Denn einfach so ausleihen kann man die wertvollen Werke nicht.

Die Jesuitenbibliothek

Nur wenige hundert Meter von der ZB entfernt liegt am Rand des mittelalterlichen Stadtkerns das Provinzialat der Jesuiten. Seit März 2018 gibt es hier eine neue öffentliche Bibliothek. Vor einigen Jahren stellte sich auch für die Jesuiten - wie einst bei der Rheinauer Bibliothek nach der Klosteraufhebung - die Frage, ob ihr Bestand künftig in die ZB integriert werden soll.

Eine neue Lösung wurde nötig, da die Sammlung sprunghaft Zuwachs erhielt: Nach dem Ende der Jesuitenzeitschrift "Orientierung" 2009 ging die umfangreiche Buchsammlung der Redaktion an die Jesuitenbibliothek - was das Platzangebot im Provinzialat sprengte. "Wir haben erwogen, die Bücher an die ZB abzugeben, und uns dann bewusst dagegen entschieden", sagt Jesuiten-Provinzial Christian Rutishauser. Denn man habe weiter bei Neuanschaffungen mitreden wollen, um der Sammlung ein eigenständiges Profil zu erhalten: neben Jesuitika etwa Religion und Gesellschaft, Philosophie und interreligiöses Gespräch, Kunst, Kultur und Zivilgesellschaft.

Lesen und Lernen in der Bibliothek

In der Bibliothek gibt es acht ruhige Arbeitsplätze zum Lesen und Lernen und mit Zugriff auf die nicht ausleihbaren Werke wie etwa Lexika. Laut Rutishauser sind bislang knapp 80 Prozent der rund 100.000 Bände der Bibliothek online erfasst. "80 bis 90 Prozent der Besucher wissen schon, welche Bücher sie wollen, wenn sie das Haus betreten."

Der große Vorteil der digitalen Medien: ihre rasche Zugänglichkeit über das Internet. Doch wie sieht es mit der Langzeitspeicherung von Texten aus, die dauerhaft bestehen bleiben sollen? Auf den zweiten Blick sind die Probleme größer, als die leichte Handhabung elektronischer Daten suggeriert. Spätestens wenn Dateiformate im Lauf der Jahrzehnte abgelöst und schließlich nicht mehr unterstützt werden, wird ein Umkopierprozess nötig.

Gut möglich, dass in ein paar Jahren die derzeit gängigen Dateiformate TIFF, PDF und Archiv-jpg nicht mehr aktuell sind. "Es braucht Warnsysteme, die rechtzeitig melden, wenn Speicherformate an Gültigkeit verlieren", sagt Chefbibliothekar Fischer. Demgegenüber ist Papier langlebig - selbst wenn Holzwürmer buchstäblich punktuell der Substanz zusetzen: Mit einer Lebensdauer von in der Regel mehr als 1.000 Jahren gehört es zu den haltbarsten Speichermedien überhaupt.

Ueli Abt
(KNA)

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