Szenen aus der Oper "Carmen" im Staatenhaus
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Szenen aus der Oper "Carmen" im Staatenhaus

12.11.2019

"Carmen" als gesellschaftskritisches Musiktheater mit viel Herz Opernprojekt mit Beteiligung der Dommusik

Sie gehört zu den meistaufgeführten Opern weltweit. Nun hat die amerikanische Erfolgsregisseurin Lydia Steier die Geschichte der Zigeunerin Carmen im Kölner Staatenhaus neu inszeniert. Mit dabei sind 25 Mädchen und Jungen der Domchöre.

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Constanze hat Mut. Und sie zeigt Nerven. Immerhin meistert die Zwölfjährige bravourös vor großem Premierenpublikum im Staatenhaus ihren Solopart. Dabei ist es für sie die erste Mitwirkung bei einer Oper überhaupt. Mit zarter, aber fester Stimme singt sie unbeirrt im zweiten Akt eine feine und musikalisch nicht ganz einfache Melodie auf Französisch und ist in diesem Moment ganz auf sich gestellt. Denn nachdem die Hauptfigur, die Zigeunerin Carmen, dem Mädchen einen großen Stierkopf vom Kopf heruntergenommen hat, schweigt ausnahmsweise an dieser Stelle auch das Orchester, und alle lauschen der jungen Solistin. Es ist die Szene eines Traums, in der sich Carmen vorstellt, dass sie von dem vielerorts umschwärmten Stierkämpfer Escamillo, für den sie nach einer leidenschaftlichen Affäre mit dem Soldaten Don José ebenfalls ihr Herz entdeckt hat, umgebracht wird; eine der Schlüsselszene, für die die anderen 24 mitwirkenden Kinder der Kölner Dommusik die Hintergrundfolie auf der in diesem Moment ansonsten kargen Bühne liefern und sich unter einem schwachen Lichtkegel im Halbkreis um die beiden aufstellen.

Später ernten die Mädchen und Knaben der Kölner Domchöre für ihren gesamten Auftritt, der gleich zu Beginn des ersten Aktes mit einer ausgedehnten und quirligen Straßenszene für die Kinder beginnt und bei der viel Mimik gefragt ist, von Opernintendantin Dr. Birgit Meyer großes Lob. "Das war ganz, ganz toll", stellt sie fest, "nicht nur wie Ihr gesungen habt, auch Euer Spiel war großartig. Ihr habt Euch wunderbar eingefügt und wart Teil des großen Ganzen", würdigt sie die Leistung der jungen Sängerinnen und Sänger bei der Premierenfeier im Anschluss. Aber auch von den Kindern selbst fällt ganz viel Spannung ab, als sie später in der Garderobe aus ihren Kostümen schlüpfen, die wie Schuluniformen aussehen. Denn bis jeder musikalische Einsatz sitzt, auf den die Chorleiter Eberhard Metternich und Oliver Sperling mit der Gruppe wochenlang hingearbeitet haben, und auch jeder einzelne Chorsänger beherzigt, dass bei der schauspielerischen Darstellung selbst die Umsetzung noch so kleinster Regie-Hinweise den überzeugenden Gesamteindruck ausmachen, ist es ein langer Weg.

"Alles soll auf der Bühne echt aussehen"

Schließlich laufen für die Dommusik-Kinder die zusätzlichen Proben in den nach Hürth ausgelagerten Studios der Oper parallel zu dem normalen Programm in der Domliturgie oder den Vorbereitungen auf Advents- und Weihnachtskonzerte. "Aber es macht eben auch einfach viel Spaß, obendrein noch in der Oper mitzumachen", sagt Constanze. "Ein bisschen Lampenfieber" räumt die Sängerin des Mädchenchores am Kölner Dom bei diesem kleinen, aber verantwortungsvollen Part, für den sie von Chorleiter Sperling gezielt ausgewählt wurde, ein. "Aber eigentlich", so fügt sie keck hinzu, "Bühne ist Bühne – ob auf dem Chorpodest im Dom, wo es doch auch immer auf jeden Ton ankommt, oder im Konzertsaal." Nur müsse man in der Oper bei allem, was man mache, auch noch gut aussehen. "Bei der Jubelszene am Ende zum Beispiel sollten wir nicht nur herumstehen, sondern wie echte Zuschauer wirken; es soll schließlich nicht gestellt rüberkommen", findet sie.

Wie Constanze kennt auch Laura "Carmen" nun "fast in- und auswendig". Sie habe sich die Oper mittlerweile ganz oft zuhause angehört, berichtet sie begeistert. Die 13-Jährige ist zum siebten Mal bei einem Opernprojekt mit dabei – in diesem Jahr ist es allein schon das vierte und aufgrund ihres Alters vermutlich auch das letzte, was sie sehr bedauert. "Ich mag einfach diese Art von Musik und speziell ‚Carmen’. Sie ist ein besonderer Frauentyp: so emotional und damit sehr lebendig – ganz anders als die Protagonistinnen anderer Opern", schwärmt sie.  Die Regisseurin habe bei den vielen szenischen Proben schon sehr genau vermittelt, welche Ideen sie zu jeder einzelnen Figur im Kopf habe. "Und sie hat uns immer positiv ermutigt, mal etwas auszuprobieren und sich zu trauen."  

Die Regie spielt mit Tabubrüchen

Was Experimentierfreudigkeit bis hin zu einer unleugbaren künstlerischen Waghalsigkeit anbelangt, taugt die international tätige und innerhalb ihres Metiers auch längst von vielen Opernmetropolen angefragte US-Amerikanerin Lydia Steier ohnehin als großes Vorbild. Sie liebe das Staatenhaus, sagt sie. Und das glaubt man gerne. Denn die ausgediente schmucklose Messehalle beflügelt die Künstlerin geradezu, den unsagbar weiten Raum als Chance zu begreifen, ihn in seiner ganzen Breite und Tiefe für dramaturgische Zwecke voll auszuschöpfen und opulente Bilder mit möglichst vielen Mitwirkenden, einer schier unerschöpflichen Liebe zum Detail und großzügigen Requisiten – im dritten Akt lässt sie vier alte Wohnwagen und im vierten eine Tribüne mit gleich mehreren Rängen auf die Bühne fahren – zu inszenieren.

Erst ist es die Markthalle mit ihren üppigen Fleischauslagen hinter hohen Fabriktoren, dann ein spartanisches Gefängnis, später eine Kirche, ein Straßenstrich, eine Stierkampfarena und schließlich ein Schlachthof, die die Regisseurin als Kulisse für ihre Version der tragischen und letztlich tödlich endenden Dreiecksgeschichte zwischen Carmen, Don José und Escamillo belebt. Und es ist von Anfang an auch ein Spiel mit heiter-komischen Elementen, aber auch Tabubrüchen: Carmen wird zu Artemis, der Göttin der Jagd, die gleichzeitig auch als Hüterin der Frauen gilt. Andererseits trägt sie aber auch, wenn sie den Alltagsoverall  à la Che-Guevara ablegt – in Anlehnung an spanische Folklore und landestypische Traditionen – ein festliches Kleid mit einer großflächigen Mariendarstellung auf dem Seidenrock. In einer anderen Momentaufnahme wird sie zur Gottesmutter selbst. Einmal mehr dient – paradoxerweise – der Altartisch dazu, das Unheilige, Verruchte, Verbotene und auch Übermütig-Ausgelassene zuzulassen. Und aus strahlend lila Klerikerroben steigen halbseidene Frauenzimmer, die sich im Zentrum des vermeintlich Sakralen über Tisch und Bänke räkeln und dabei eine Orgie entfachen, die zweifellos anstößig und blasphemisch ist, aber gleichzeitig auch als faszinierendes Synonym den allgegenwärtigen Männertraum von einer idealen Partnerin als Heilige und Hure enttarnt.

In Zeiten von #MeToo liefert Inszenierung Denkanstöße

Wer sich darauf einlassen kann, dass großes Musiktheater auch von einer Vielzahl an Symbolen, im wahrsten Sinne des Wortes frag-würdigen Anspielungen, Umdeutungen und immer wieder auch Widersprüchen lebt – von Überzeichnetem allemal – der trifft bei der aktuellen Neuinszenierung der Oper "Carmen" gleich auf ein ganzes Füllhorn von Denkanstößen, die – nicht zuletzt in Zeiten von #MeToo – weitergedacht werden dürfen. Nach "Turandot" ist Lydia Steier jedenfalls auch mit "Carmen" wieder ein ganz großer Wurf gelungen. Da wird nichts ausgelassen, was das ursprünglich als "Opéra comique" in vier Akten von Georges Bizet angelegte und 1875 uraufgeführte Werk für eine Deutung aktueller gesellschaftlicher (Fehl)Entwicklungen nutzbar macht. "Eine Frau in der modernen Gesellschaft muss sich damit arrangieren, dass ihr Körper eine Währung darstellt, die den Kategorien von ‚Verbilligung’ oder ‚Verheiligung’ unterliegt. Bei Männern wird die Sexualität als selbstverständlicher Teil ihres ‚Mann-Seins’ quasi vorausgesetzt, das ‚Heilige’ und das Sexuelle sind sozusagen gut integriert", erklärt die Regisseurin selbst zu ihrer Interpretation dieser Geschichte nach einer Novelle von Prosper Mérimée. Frauen jedoch hätten sich zu entscheiden, wo sie stehen. Denn eine Mischung von beidem werde als gefährlich eingestuft.

Carmen kämpft gegen die Doppelgesichtigkeit von Weiblichkeit

Deutlich macht die Regie diesen Gegensatz, den allein schon die beiden Protagonistinnen Carmen und Micaela charakterlich verkörpern, dann in der aktuellen Produktion auch in dem Symbol von essbarem, konsumierbarem Fleisch auf der einen und der Jungfrau Maria, dem "unberührbaren und heiligen Fleisch", wie Steier es definiert, auf der anderen Seite. So sei Carmen einerseits "Objekt der Verheiligung", dann wieder als Prostituierte "konsumierbares Fleisch" und schließlich an der Seite des gefeierten Toreros Escamillo noch einmal unerreichbar verehrungs- und anbetungswürdig. "Carmen kämpft, wie wir Frauen es alle tun, gegen die allgegenwärtige unkorrekte und auf erschreckende Art doppelgesichtige Darstellung von Weiblichkeit", so Steier, die dem Ganzen neben der sinnenfrohen und in jedem Fall zu Herzen gehenden auch eine feministische Grundnote verpasst.

Entscheidung gegen die üblichen Rollenklischees

Vor allem aber, so steht es im Originallibretto – und das macht das eigentliche Leitmotiv dieses Stücks aus –, kämpft Carmen für ihre Unabhängigkeit und Freiheit, die sie auch für die Liebe nicht opfert. Sie allein bestimmt über sich selbst – nur sie! Und sie liebt, wen und wie lange sie will. "Die Liebe ist nicht zu zähmen, sie hält sich an kein Gesetz" – so lautet ihr Credo. Und wer ihre Warnungen in den Wind schlägt, weil er seine eigenen konventionellen Vorstellungen von Verbindlichkeit und Treue auf sie überträgt, hat selber Schuld. "Nimm dich in Acht!" Damit ist es Carmen ernst. Bis in den Tod. "Frei geboren, wird sie auch frei sterben", kommentiert sie vorausschauend das eigene Ende.

Bei ihrer bewussten Entscheidung gegen die üblichen Rollenklischees und Zuschauererwartungen, nämlich keine betont verführerische Ausgabe ihrer Protagonistin in rotem Volantkleid "mit Kastagnetten und einer langstieligen Rose zwischen den Zähnen" auf die Bühne zu bringen, hofft Steier auf die Akzeptanz ihrer – nicht zuletzt auch provozierenden – Deutung beim Publikum. "Wir wollten eine dreidimsionale, denkende, fühlende, lebendige Carmen – eben eine, die uns auch heute anspricht", argumentiert sie. "Ich hoffe, dass es uns auf dieser ekstatischen, verstörenden und bewegenden dunklen Reise folgen wird."

Beatrice Tomasetti
(DR)

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