Papst Benedikt XVI. bei seiner Ankunft zum Weltjugendtag in Köln am 18. August 2005
Papst Benedikt XVI. bei seiner Ankunft zum Weltjugendtag in Köln am 18. August 2005

31.10.2019

Scharfe Kritik an Film über Papst Benedikt "Eigenwillige und fehlerhafte Interpretation"

Der 90-minütige Dokumentar-Film über Benedikt XVl. des britisch-deutschen Regisseurs Christoph Röhl hat scharfe Kritik ausgelöst. Der Film zeichne insgesamt ein stark verzerrtes Bild von Ratzinger, meinen die deutschen Bischöfe.

Der deutsche Kinostart des neuen Films "Verteidiger des Glaubens" über Papst Benedikt XVI. und die Missbrauchskrise der katholischen Kirche hat scharfe Kritik hervorgerufen.

Die Deutsche Bischofskonferenz begrüße zwar "jeglichen konstruktiven Beitrag zur Aufdeckung von sexualisierter Gewalt, ihrer Ursachen und des Umfeldes", allerdings sei in "Verteidiger des Glaubens" kein konstruktiver Beitrag zu sehen.

"Stark verzerrtes Bild"

Der Film zeichne "insgesamt ein stark verzerrtes Bild von Kardinal Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.", dem es "immer nur um die Reinheit der Kirche und des Priestertums, nie um die Opfer" ginge. "Das ist eine eigenwillige und fehlerhafte Interpretation."

Vor allem sei es Benedikt XVI. gewesen, der sich als erster Papst überhaupt auf mehreren Reisen mit Opfern sexuellen Missbrauchs traf, insbesondere im September 2011 in Erfurt. Dieser Umstand werde verschwiegen, was den Film unseriös mache. Es sei bedauerlich, dass die Chance zu einem historisch-kritischen Porträt über Papst Benedikt XVI., das ihm differenziert hätte gerecht werden können, verpasst worden ist.

In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung "Die Tagespost" bezeichnete der Münchner Publizist und Ratzinger-Kenner Peter Seewald die Regiearbeit von Christoph Röhl als "Sammlung von Polemiken, Halb- und Unwahrheiten". Sie sei "als Diskussionsbeitrag nicht ernst zu nehmen".

"Tendenziös und manipulativ"

Der Theologe Christian Schaller, stellvertretender Direktor des Instituts Papst Benedikt XVI. in Regensburg, sagte am Donnerstag, der Film sei "tendenziös und manipulativ", das widerspreche dem Anspruch einer Dokumentation. Die Person Joseph Ratzinger werde in einer Weise dargestellt, die nicht mit der Realität übereinstimme. Das liege daran, dass der Regisseur mit dem Vorsatz an sein Thema herangegangen sei, "Papst Benedikt XVI. als Komplizen der Missbrauchstäter zu enthüllen".

Härteres kirchenrechtliches Vorgehen

Schaller wies darauf hin, dass Ratzinger bereits in den 1980er Jahren die Schwächen des bis dahin praktizierten Umgangs mit Missbrauch in der Kirche gesehen habe. Er habe die Grundlagen für ein härteres kirchenrechtliches Vorgehen gegen die Täter geschaffen. Diese und andere wesentliche Fakten habe der Film ausgelassen.

Seewald sagte, verschwiegen werde etwa, dass Benedikt XVI. rund 400 Geistliche suspendiert habe, darunter auch Bischöfe und Kardinäle.

"Brutale Geschichtsfälschung"

Eine "brutale Geschichtsfälschung" sei auch, Ratzinger dafür verantwortlich zu machen, dass "die scheußlichen Taten des Gründers der Legionäre Christi nicht aufgedeckt werden konnten". Ratzinger habe Marcial Maciel zwar spät, aber "quasi im Alleingang" zu Fall gebracht.

Der Publizist erklärte, dass nicht alle Maßnahmen des deutschen Papstes getroffen hätten. Gerade im Vergleich zu seinem Nachfolger sei sein Krisenmanagement aber "nicht so schlecht" gewesen.

(KNA, DR)

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