Zeichnungen aus Theresienstadt
Zeichnungen aus Theresienstadt

18.10.2019

Vor 75 Jahren wurde der Komponist Viktor Ullmann im KZ ermordet "Meine Musik wurde in Theresienstadt gefördert"

Es gehört zu den unbegreiflichsten Seiten des Holocaust: Die Komponisten, die im Ghetto Theresienstadt interniert waren, schufen große Musik. Anschließend wurden sie im KZ ermordet. Auch deren Bester, Viktor Ullmann.

"Ich habe in Theresienstadt ziemlich viel neue Musik geschrieben, meist um den Bedürfnissen der Freizeitgestaltung des Ghettos zu genügen", notiert der Komponist Viktor Ullmann im Herbst 1944. "Zu betonen ist nur, dass ich in meiner musikalischen Arbeit durch Theresienstadt gefördert und nicht etwa gehemmt worden bin ... und unser Kulturwille unserem Lebenswillen adäquat war."

Kurz darauf wird Ullmann im sogenannten Künstler-Transport ins NS-Vernichtungslanger Auschwitz deportiert und dort am 18. Oktober 1944 in der Gaskammer ermordet.

Die Farce einer intakten Musikerkolonie, die die Nazis in Theresienstadt inszenierten, gehört zu den abstoßendsten Seiten des Holocaust. Eine Bibliothek, ein Kaffeehaus, Konzertaufführungen - so wurde das Ghetto nahe Prag in dem NS-Propagandafilm "Der Führer schenkt den Juden eine Stadt" dargestellt.

Auch wenn fast alle Künstler dann in Auschwitz umgebracht wurden - ihre Kraft und ihr Überlebenswille ist in ihrem Schaffen dokumentiert; so unter anderem in der Kinderoper "Brundibar" von Hans Krasa sowie in den Werken Ullmanns, die sich seit ihrer Wiederentdeckung in den Konzertsälen der Welt etablieren konnten. Der Universität Hamburg kommt dabei unter anderem mit dem "Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit" ein großes Verdienst zu.

Jurastudent, Musiker und Buchhändler

Viktor Ullmann, der beste der Theresienstädter Komponisten, wird am 1. Januar 1898 in Teschen (Österreich-Ungarn, heute Cesky Tesin) geboren. Beide Eltern sind jüdischer Herkunft, doch schon vor Viktors Geburt zum katholischen Glauben übergetreten. Vater Maximilian wird im Ersten Weltkrieg zum Oberst befördert und in den Adelsstand erhoben.

Schon auf dem Gymnasium in Wien zeigt sich Viktor Ullmanns musikalische Begabung; er erhält Zugang zu Arnold Schönberg und seinem Schülerkreis und sogar Aufnahme in dessen Kompositionsseminar.

Sein Wiener Jurastudium bricht er ab, heiratet im Mai 1919 seine Kommilitonin Martha Koref, um sich in Prag ganz der Musik zu widmen.

Ullmann macht sich als Komponist und Kapellmeister am Prager Neuen deutschen Theater einen Namen; seine Werke erleben erfolgreiche Uraufführungen. Zwischenzeitlich ist er für jeweils zwei Jahre als Dirigent in Zürich und - aufgrund seines Interesses an Rudolf Steiners Lehre - als anthroposophischer Buchhändler in Stuttgart tätig. Nach seiner Scheidung 1931 heiratet er Annie Winternitz, mit der er vier Kinder bekommt.

Berufsverbot und Inhaftierung

Seinem Leben als erfolgreicher Komponist und Musikkritiker wird 1939 mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Prag ein Ende gesetzt.

Ullmann wird wegen seiner jüdischen Herkunft mit einem Berufsverbot belegt; Einnahmen hat er nur noch durch seine Tätigkeit in der Prager Jüdischen Kultusgemeinde. Die "Nürnberger Gesetze" werden nun auch in Prag scharf gehandhabt. Zwei Kinder Ullmanns kommen im Sommer 1939 mit einem Kindertransport nach England; seine zweite Ehe geht 1941 auseinander.

Am 8. September 1942 wird er mit seiner dritten Ehefrau Elisabeth Frank-Meissl nach Theresienstadt deportiert. Bis dahin erreicht seine Werkliste die Opuszahl 41 und enthält unter anderen Klavierkompositionen, Liederzyklen nach verschiedenen Dichtern und Opern. Deren größter Teil ging wohl während der Besatzungszeit verloren.

24 Werke enstanden im Ghetto

Im "Vorzeigelager" Theresienstadt übernimmt Ullmann bald eine führende Rolle. Er wirkt als Klavierbegleiter, organisiert Konzerte, schreibt Kritiken und komponiert. In den zwei Jahren im Ghetto entstehen 24 Werke, die fast komplett erhalten sind; darunter Schlüsselkompositionen wie das Melodram nach Rilkes "Cornet"-Dichtung und die Kammeroper "Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung". Mit dieser Parabel um den Tyrannenmord hat Ullmann ein Modell davon entworfen, wie durch positive Kräfte die Unmenschlichkeit jedes Regimes überwunden werden kann.

Ullmann wird am 16. Oktober 1944 mit seiner Frau nach Auschwitz deportiert und dort zwei Tage später umgebracht. Auch seine ersten Ehefrauen sowie zwei seiner Kinder sterben durch die Nazis. "Der Kaiser von Atlantis" wurde 1987 von George Tabori erstmals in Deutschland aufgeführt.

Sabine Kleyboldt
(KNA)

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