Hinweis auf Feuerlöscher in einer Kirche
Hinweis auf Feuerlöscher in einer Kirche

09.10.2019

Wie steht es um den Brandschutz in Kirchen? "Echte Kerzen nicht verbannen"

Das Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame hat auch die Menschen in Deutschland einmal mehr für Brandschutz in Kirchen sensibilisiert. Ein Experte klärt am Internationalen Brandschutztag über Gefahren auf und gibt Sicherheitshinweise.

DOMRADIO.DE: Was ist denn die häufigste Brandquelle in Kirchen. Sind das die Kerzen?

Ulrich Oberste-Padtberg (Experte für Brandschutz in Kirchen): Grundsätzlich muss man sagen, dass in Deutschland nach wie vor die häufigste Brandursache fehlerhafte elektrische Anlagen und Geräte sind. Das betrifft sowohl Kleingeräte - also alles, was einen Stecker hat - als auch Festinstallationen, Hauptverteilungen, alte Leitungen und so weiter. In Kirchen besteht natürlich zusätzlich noch die Gefahr durch offenes Feuer, sprich Kerzen. Das hat auch schon - wie damals bei Hamburg zu erheblichen Unfällen geführt (Anm. d. Redaktion: Im Jahr 2011 kam es in einer Kirche in Bad Segeberg zu einem Unfall. Bei einem Krippenspiel entzündete sich das Kostüm einer Siebenjährigen an einer Kerze. Das Mädchen erlitt schwerste Verletzungen). Dem muss man sich eben stellen.

DOMRADIO.DE: In manchen Gemeinden muss man allerdings Feuerlöscher oder Rettungsdecken tatsächlich erstmal suchen.

Oberste-Padtberg: Natürlich müssen auch kirchliche Einrichtungen - kirchliche Gebäude und die Kirche selber - mit Feuerlöschern ausgestattet sein und die müssen auch jederzeit gut zugänglich sein. Jedoch ist es so, dass in Kirchen aus liturgischen und sakralen Gründen auf die Beschilderung verzichtet werden kann. Diese leuchtenden Schilder, die sie sonst von ihren Arbeitsstätten kennen, müssen in Kirchen nicht aufgehängt werden. Wichtig ist, dass die dort Verantwortlichen wissen, wo die Feuerlöscher sind. Oftmals sind sie auf der Orgelbühne, in der Sakristei, versteckt hinter einer Säule, unter dem Altar oder sonst an gut zugänglichen Orten.

DOMRADIO.DE: Wie sieht es mit Rauchmeldern aus?

Oberste-Padtberg: Rauchmelder sind dazu da, dass niemand von einem Feuer überrascht wird. Der Kirchenraum selber ist durch die Menschen, die dort sind, in Beobachtung. Das heißt, man würde in einem Kirchengebäude Rauchmelder dort anbringen, wo Räume nicht beobachtet sind - zum Beispiel auf dem Kirchenschiffboden - da wo Elektroinstallationen sind, in Kellerräumen, in der Krypta. Aber es ist nicht zwingend erforderlich, diese anzubringen.

DOMRADIO.DE: Wie sieht es mit Fluchtwegen aus? Müssen die markiert werden?

Oberste-Padtberg: Die Haupteingangstür einer Kirche ist natürlich immer der erste Fluchtweg. Aber nach Arbeitsstättenverordnung - und Kirchen werden als Arbeitsstätten betrachtet - muss jedes Gebäude einen zweiten Fluchtweg haben. Das ist meistens die Seitentür oder der Gang durch die Sakristei. Es gibt aber auch Ausnahmen: Kleine Kapellen zum Beispiel haben nur eine Tür. Da muss man dann durch andere Maßnahmen dafür sorgen, dass dem Brandschutz Genüge getan wird.

DOMRADIO.DE: Wenn es alte Kirchen gibt, mit viel Holz, werden die besonders gut geschützt?

Oberste-Padtberg: Dann ist natürlich die Brandgefahr extrem hoch und man muss entsprechende Schutzmaßnahmen treffen. Brandschutz ist einfach. Denn, damit es brennt, brauchen Sie drei Sachen: Sauerstoff, brennbares Material und eine Zündquelle. In Kirchen haben wir sehr viel brennbares Material. Im Brandschutz nennt man das auch Brandlast. Sauerstoff ist natürlich überall da. Also muss man alles daran setzen, Zündquellen zu vermeiden.

DOMRADIO.DE: Wer genau ist verantwortlich für die Sicherheit der Kirchenbesucher?

Oberste-Padtberg: Für die Sicherheit der Kirchenbesucher ist bei Gottesdiensten der Veranstalter verantwortlich - also der Kirchengemeinde-Verband oder die Kirchengemeinde, sprich: der Kirchenvorstand oder die Verbandsvertretung. Wir haben aber auch Vermietungen in Kirchen. Wenn die Kirche hingegen vermietet wird, etwa, weil dort ein Konzert stattfindet, ist es eigentlich immer so geregelt, dass durch einen Überlassungsvertrag die Verantwortung der Organisation des Brandschutzes und der Ersten Hilfe an die verantwortlichen Veranstalter übergeht. 

DOMRADIO.DE: Wie groß ist denn die Sensibilität für Brandschutz innerhalb der Gemeinden? Inwiefern sorgen sich die Kirchen um Brandschutz?

Oberste-Padtberg: Nach meiner Beobachtung ist das Bewusstsein, sich diesen Aufgaben zu stellen, schon sehr hoch. Wir haben überall sehr viele Verantwortliche in den Kirchengemeinden, die sich der Problematik bewusst sind. Das liegt zum einen daran, dass natürlich diese Ereignisse wie damals bei Hamburg mit dem Krippenspiel, aber auch der Brand in Notre-Dame weite Wellen geschlagen haben. Zum anderen werden Kirchenvorstände und Verbandsvertreter auch über den Brandschutz informiert.

DOMRADIO.DE: Wie hoch ist denn die Brandgefahr in überfüllten Kirchen, zum Beispiel an großen Feiertagen?

Oberste-Padtberg: Brandgefahr kann man schlecht in einer Maßzahl messen. Aber natürlich gibt es diese Gefahr. Wobei die überfüllte Kirche in erster Linie nicht die Brandgefahr steigert, sondern die Möglichkeiten schmälert, im Brandfall reagieren zu können. Das liegt daran, dass die Flucht schwieriger wird, weil etwa Gottesdienstbesucher auf der Treppe zur Empore oder in Seitengängen stehen oder Kinder eventuell im Altarraum sitzen. Die Flucht wird schwieriger, die Brandgefahr selber ist unvermindert.

DOMRADIO.DE: …obwohl wahrscheinlich mehr Kerzen brennen?

Oberste-Padtberg: An solchen Festtagen sicherlich. Aber da gibt es auch Empfehlungen und Regelungen zu, wie man mit solchen Kerzen umzugehen hat, wie man sie zu befestigen hat, wie man die Sicherheitsabstände wahrt.

DOMRADIO.DE: Sie sagen: Brandschutz kann jeder. Das heißt: Ich selbst kann auch beim Gottesdienstbesuch für meine Sicherheit sorgen?

Oberste-Padtberg: Brandschutz kann jeder und Brandschutz muss auch jeder können. Natürlich ist es in einer Messe eine Frage: Wie halte ich eine Kerze? Wie gehe ich mit einer Kerze um? Was für Kleidung trage ich? Ist das irgendwas leicht Entflammbares oder schwer Entflammbares. Aber das Entscheidende im Brandschutz ist der gesunde Menschenverstand. Es geht darum, aufmerksam zu sein und eventuelle Gefahrenquellen zu erkennen und im Zweifel zurückzumelden. Es kann ja jeder sehen, wenn etwa der Fluchtweg oder der Feuerlöscher zugestellt sind. Und eine Gemeinde ist eine Gemeinschaft. Da soll sich ja auch jeder gerne einbringen. 

DOMRADIO.DE: Was kann man konkret tun, etwa wenn man in der Gemeinde aktiv ist? So etwas, wie einen Eimer Wasser am Altar hinstellen?

Oberste-Padtberg: Die Kirchen sind alle vernünftig mit Feuerlöschern ausgestattet. Aber teilweise helfen einfache Sachen, wie etwa, dass man, wenn es brennt, eine Jacke auszieht, damit die Flamme erstickt - insbesondere, wenn es Menschen betrifft. Die löscht man nicht mit dem Feuerlöscher. Möglich ist auch, dass man in der Nähe eines Adventskranzes einen Eimer Wasser deponiert. Das sind alles so kleine Sachen. Man muss sich das einfach mal anschauen und durchgehen. Mit dem gesunden Menschenverstand lässt sich das meiste lösen.

DOMRADIO.DE: Halten Sie es für sinnvoll, echte Kerzen gegen künstliche zu tauschen? Das wird auch immer mal wieder diskutiert?

Oberste-Padtberg: Wenn ich das rein als Brandschutz-Ingenieur oder Brandschutz-Beauftragter sagen würde, würde ich sagen: Alles, was Zündquellen vermindert, wäre gut. Aber ich bin trotzdem nicht dafür. Die Kirchen und die Gottesdienste haben ja einen gewissen Charakter. Sie strahlen etwas aus. Da würde ich ungerne dran gehen. Wenn man ein paar Regeln befolgt, sind diese Traditionen mit echten Kerzen gut beherrschbar.

DOMRADIO.DE: Wie ist das mit Opfer-Kerzen, die auch teilweise allein in der Kirche stehen?

Oberste-Padtberg: Auch dazu gibt es Empfehlungen. Aber da muss man immer schauen: Wenn Sie zum Beispiel eine Wallfahrt-Kapelle haben, wo auf einmal zwei Busse mit Pilgern ankommen und in kürzester Zeit 50 oder 60 Kerzen angezündet werden, ist das eine andere Situation, als wenn Sie in einer Dorfkirche pro Tag ein, zwei Opferlichter haben. Ja, die stehen alleine. Das ist richtig. Aber auch da gibt es mögliche Schutzmaßnahmen. Zum Beispiel gibt es Halter für Opfer-Kerzen, die einen gewissen Mindestabstand garantieren. Eine gegenseitige Entzündung oder Wärmestrahlung ist damit nicht möglich. Man kann Opfer-Lichter auch mit Glas-Halterung oder Alu-Halterung nehmen. Man muss die nicht mit Plastik nehmen. Plastik dünstet aus und verbreitet Gase. Das stellt eine zusätzliche Brandlast dar. Auch das lässt sich eigentlich ganz gut beherrschen.

DOMRADIO.DE: Wo bekommen Kirchengemeinden Infos über mögliche Brandschutzmaßnahmen im Kirchenraum her?

Oberste-Padtberg: Zunächst einmal ist es so, dass die Kirchenverwaltung Fachleute hat, die immer auch für die Beratung zur Verfügung stehen. Es empfiehlt sich aber auch, vor Ort mit der Feuerwehr die Kirche und das Pfarrheim zu begehen. Im Brandfall müssen diese ja anrücken und müssen sich dann auch auskennen. Da die Kirchen als Arbeitsstätten gelten, sind die Mitarbeiter auch über Berufsgenossenschaften versichert und die bieten eigene Seminare an. Da kann man sehr konkret etwas lernen und sich Anregungen holen.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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