zu Fulda beim Musical "Bonifatius"
zu Fulda beim Musical "Bonifatius"
Probe für das Musical "Bonifatius" vor dem Fuldaer Dom
Probe für das Musical "Bonifatius" vor dem Fuldaer Dom

25.08.2019

Musical "Bonifatius" am Fuldaer Dom "Der Star ist tatsächlich der Dom"

Das Musical: "Bonifatius". Einer der Hauptdarsteller: Der Dom zu Fulda selbst. Die Neuinszenierung des Stücks von Regisseur Stefan Huber hat am Donnerstag viele Menschen begeistert. Es erzählt die Geschichte des Heiligen - mit einigen pikanten Szenen.

DOMRADIO.DE: Es soll die größte Musical-Produktion des Jahres in Deutschland gewesen sein. Stimmt das?

Marcus Leitschuh (Theologe und Musical-Experte): Das ist wirklich so - zumindest im Open-Air-Bereich. Da sind 4.500 Menschen, die auf dem Domplatz sitzen und auf den Dom schauen. Ein so großes Orchester, ein so großer Chor und ein so großes Ensemble gab es tatsächlich in diesem Jahr nirgendwo in Deutschland zu sehen.

DOMRAIDO.DE: Erzählen Sie uns mal etwas über das Musical. Welche Geschichte wird da erzählt?

Leitschuh: Sie müssen sich vorstellen, dass der heilige Bonifatius in seinem Sarg im Dom liegt. Vor dem lässt man sein Leben Revue passieren. Es geht um diese berühmte Bibel, sein Buch, das er schützend vor sich hält, als er umgebracht wird. Eine Theatergruppe spielt dieses Stück und hat dieses Buch aus dem Dom geklaut.

Und plötzlich wandelt sich diese Gegenwarts-Theatergruppe in die Historie des heiligen Bonifatius. Sie erzählt sein Leben, vonn der Gründung des Klosters Fulda, vom Machtkampf innerhalb von Staat und Kirche und schließlich von seinem dramatischen Tod, der aber nicht das Ende der Geschichte ist.

Dann kommt nämlich die Bitte: "Bring mich bitte nach Fulda zurück. Dahin, wo mein Kloster gegründet wurde." Und damit begann ja dann auch die Geschichte des Christentums in Deutschland ganz richtig und ganz neu.

DOMRAIDO.DE: Das Musical ist eine Neuinszenierungen von Regisseur Stefan Huber. Es soll auch durchaus pikante Szenen geben. Was ist damit gemeint?

Leitschuh: Es gibt den Machtkampf zwischen Staat und Kirche, zwischen den Machthabern der Kirche und dem Adel. Die haben sich beide nichts genommen im Sinne von Reichtum und verschwenderischem Lebensstil. Da gibt es auch die ein oder andere erotische Szene.

Die katholischen Fürsten haben damals nicht so ganz nach den Idealen, die man zum Beispiel einem Bonifatius zuschrieben hat, gelebt. Das ist sehr drastisch geschildert - aber immer noch familienfreundlich.

DOMRAIDO.DE: Das Ganze spielt ja direkt vor dem Dom. Wie kommt das an?

Leitschuh: Die Uraufführung war vor 15 Jahren. Das war die erste Theateraufführung im Schlosstheater in Fulda zum damaligen Jubiläum. Das war sehr klein und sehr spartanisch. Es gab drei rollbare Wände, die beleuchtet wurden.

Jetzt rollt man nicht, sondern hat Videoprojektionen vor dieser Fläche. Die Bühne ist 50 Meter breit und 18 Meter hoch. Es gibt 50 Musiker, 130 Chorsänger, 30 im Ensemble und es gibt permanent riesige Lichteffekte. Die Bühne ist nochmal mit einer runden Platte versehen. Die wird dann hochgezogen und wirkt wie ein Heiligenschein.

Der Star ist tatsächlich der Dom. Der wird angestrahlt mit Wald-Szenen und Mustern. Sehr beeindruckend ist es auch, als der Dom einmal brennt - mithilfe einer Flammenprojektion. Es gibt eine Projektion, da sieht der Dom komplett wie das Richterfenster im Kölner Dom aus.

DOMRAIDO.DE: Es waren auch der Fuldaer Bischof Michael Gerber und sein Vorgänger Heinz Josef Algermissen bei der Premiere. Wie haben die beiden auf das Musical reagiert?

Leitschuh: Ich habe vorher mit dem neuen Bischof von Fulda reden dürfen. Er hat am Tag vorher die Preview bereits gesehen. Das Kolpingwerk Fulda hat dort Jubiläum gefeiert und die Karten bekommen. Er hat gesagt, dass so ein Thema des Heiligen Bonifatius immer auch in die Gegenwart transportiert werden muss. Er hat schon erkannt, dass es ein Unterhaltungsstück ist. Es ist keine Bibelstunde mit anderen Mitteln.

Es wird auch eine Liebesgeschichte von Sturmius, dem von Bonifatius beauftragten Schüler, hineingeschrieben in das Stück. Das muss auch schließlich sein, wenn man jeden Abend 4.500 Plätze füllen will - und das eine ganze Woche lang. Da gab es Verständnis.

Aber ich glaube, er war auch beeindruckt davon, dass man den Kern der Botschaft des Heiligen Bonifatius vor dem Dom auf die Bühne gebracht hat: Glaub an Gott, glaube an dich, glaube an deine Kraft und du kannst als einzelner Mensch viel bewirken.

DOMRAIDO.DE: Wenn Sie das Ganze jetzt zusammenfassen: Sind Sie zufrieden? Was ist Ihr Fazit zum Musical?

Leitschuh: Ganz ehrlich: Ich habe heute noch Gänsehaut. Es gibt leider keine Karten mehr, vielleicht noch einzelne Karten an der Abendkasse. Der Produzent hat mir am Abend gesagt: Das war ein einmaliges Erlebnis. Das möchte man eigentlich gar nicht so richtig glauben.

Eigentlich könnte man sich das öfter vor dem Fuldaer Dom vorstellen. Das war hohe Musical-Kunst. Es war hochprofessionell und es waren weltweit die besten Künstler, die es im Bereich von Lichtdesign und Regie gibt, versammelt. Das möchte man wirklich öfter dort haben und sehen.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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