Symbolbild: Die Sonne bricht durch Baumwipfel
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Herabkunft des Heiligen Geistes
Herabkunft des Heiligen Geistes

09.06.2019

Kaum ein Theologe auf der phil.cologne Gott bleibt Statist

Woran kann man heute noch glauben? Auf der phil.cologne ist Gott nur noch Zuschauer auf den hinteren Bänken. Die Skandale um den sexualisierten Missbrauch und die Entfremdung der kirchlichen Lebenswelt machen ein Reden über Gott schwierig.

Gott ist entlassen, suspendiert, die Würde des Menschen wird nicht mehr in Gott verankert, sondern anderswo. Wo? Das herauszufinden, sei die große Herausforderung der Philosophie, sagt die Philosophin Dr. Svenja Flaßpöhler. Im Team der phil.cologne hat sie am Programm mitgearbeitet.

Ich treffe sie am Rande des Festivals und frage nach Gott. Denn mir ist aufgefallen, dass der im phil.cologne Programm nur noch Statist ist und sich von den hinteren Zuschauerbänken anschauen muss, wie die Philosophen nach Antworten auf die drängenden Fragen der Zukunft suchen. Klimawandel, Gerechtigkeit, innerer Frieden, das wird alles ohne Gott verhandelt. Und dann, tief einatmen und achtsam ausatmen – in der ein-Bein-Hocke oder dem schlafenden Diamantsitz, mit Yoga nach Entspannung und Trost suchen.

Wo ist Gott?

Willkommen, lieber Gott im 'Cafe der Existentialisten', die dann aber doch nach einem irgendwie spirituellen Rhythmus für die Seele suchen. Gott hat dabei allerdings nichts mehr verloren. Er hat kaum noch Bedeutung – und rückt immer weiter nach hinten.

Die Philosophie hingegen, so zeigt sie sich hier, lässt alle Denkräume offen und begreift Gott als alten Herrn, vertreten durch einen zaghaften Bischof, der das Denken zu deckeln versucht. Oder wie Svenja Flaßpöhler es wörtlich ausdrückt, die Philosophie denke da weiter, wo die Theologie aufhöre und dann sagt sie: "Ich glaube nicht an Gott".

Gott schämt sich für sein Personal

Aber warum hat sie dann über das Bett ihrer Tochter einen Schutzengel gehängt, wie sie erzählt. Sie gönne sich eine Portion Aberglauben, weil das doch menschlich sei. Aber Gott? Schnell ist sie bei der Theodizee-Frage, die für sie entscheidend sei. Wie kann Gott das Leid in der Welt zulassen? Sie meint damit einen personalisierten Gott, der unsere Gebete eben nicht erhört und unser Bitten.

Gott seufzt, an die alte Theodizeefrage hat er sich gewöhnt, nicht umsonst hat er Hiob in die Welt geschickt, um diese harte Nuss zu knacken. Sein rasanter Bedeutungsverlust ist ein neues Kaliber, verstärkt durch eine tiefe Schuld des hauseigenen Personals. Dagegen wagt Gott auf seinen hinteren Zuschauerbänken keinen Einwand. Er hat sich Schweigen verordnet, denn er schämt sich für einige in seiner Kirche, die ihn soweit besudelt haben, dass kaum noch einer über ihn reden mag.

Gott als Mittäter?

In Gesprächen am Rande der phil.cologne wird deutlich, dass die Besucher vor dem Begriff Gott zurückscheuen, eben weil er in der Deutungshoheit der Kirche von Priestern und Bischöfen zu einem Mittäter für Kindesmissbrauch instrumentalisiert worden ist. Das ist allerdings eine Personalisierung, die auch mich dazu zwingt, ihn vorerst zu suspendieren

Insofern gebe ich Svenja Flaßpöhler recht. Wenn die Kirche von Gott redet, dann möchte man nicht dabei sein, dann soll er sich erst einmal ganz hinten anstellen, bis das Personal seiner Institution sich besonnen und neu sortiert hat.

Gott sitzt auf den hinteren Zuschauerbänken

Und woran kann die Philosophin Flaßpöhler heute noch glauben – außer an den Schutzengel über dem Bett ihrer Tochter? An die Liebe, an den Augenblick, in dem sich der Mensch mit der Welt eins fühlt und natürlich sei der metaphysisch aufgeladen. So ein seltener Augenblick mache demütig, weil er unverfügbar sei, aber eher dem unbeherrschbaren Zufall als Gott geschuldet. Ja, sage ich, Gott sei unverfügbar, das schließe aber nicht aus, dass er doch existieren könnte?

Und dann sprechen wir über Zufall und Schicksal und ob Gott nicht das sei, wie christliche Mystiker behaupten, was eben kein Gesicht habe, kein Bildnis, was fehle.

So eine Diskussion habe ich mir auf der phil.cologne gewünscht – mit Theologen und Philosophen, und zwischen ihnen hätte Gott Platz nehmen dürfen. Jetzt muss er noch auf den hinteren Zuschauerbänken sitzen, bis sich die Menschen wieder trauen über ihn zu sprechen, ohne missverstanden zu werden.

Johannes Schröer
(DR)

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