Denkmal von Theodor Fontane im Berliner Neuruppin
Brandenburg, Neuruppin: Als rastender Wanderer mit Stock und Hut wird der Dichter Theodor Fontane als Denkmal im Stadtzentrum dargestellt.

12.01.2019

Vor (fast) 200 Jahren wurde der Dichter Theodor Fontane geboren Wenn ein Gedenktag schon ein Jahr im Voraus für Aufsehen sorgt

Verschiedene Menschen, ihren Alltag und ihren Versuch, das Leben zu meistern: Dies beschrieb Theodor Fontane meisterhaft. Ende des kommenden Jahres jährt sich sein Geburtstag zum 200. Mal. Einige Projekte sind bereits geplant. 

Theodor Fontane war ein Vielschreiber. Zeitlebens verfasste er Briefe und Gedichte, später Reiseberichte, journalistische Artikel und Theaterkritiken. Seine erste Novelle veröffentlichte er mit 20 Jahren. Die Werke, die ihn berühmt machen sollten, entstanden eher in seiner zweiten Lebenshälfte. Ende des kommenden Jahres wäre Fontane 200 Jahre alt geworden - und der runde Geburtstag wird ausgiebig gefeiert.

Geboren am 30. Dezember 1819 in Neuruppin als Sohn eines Apothekers, war Fontane auch selbst in diesem Beruf tätig. Allerdings nur für zwei Jahre: Ab 1849 entschloss er sich, als freier Schriftsteller zu leben. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten schuf er Romane und Erzählungen, die bis heute hoch geschätzt werden: "Vor dem Sturm", "Grethe Minde", "Schach von Wuthenow", später "Effi Briest". Einer seiner bekanntesten Romane, "Der Stechlin", wurde erst in seinem Todesjahr 1898 fertiggestellt.

Kaffeekuchenpyramide: Ausstellung zu Fontanes Neologismen

Detaillierte Beschreibungen von Personen und Landschaften zeichnen Fontanes Werk aus, ein feiner Sinn für Ironie und nicht zuletzt unvergleichliche Wortschöpfungen. Der "Betsaalkronleuchter", die "Franzosenfreundlichkeit", die "Kaffeekuchenpyramide": Mit solchen Substantiven beschäftigt sich die zentrale Fontane-Ausstellung des Landes Brandenburg, die ab dem kommenden März in seiner Geburtsstadt Neuruppin stattfinden wird.

Auch einen speziellen Stadtrundgang soll es im Fontane-Jahr 2019 geben, Jugendprojekte und einen erstmals verliehenen Literaturpreis. Rund 150 Veranstaltungen sind ab März in ganz Brandenburg geplant; die Vielzahl der beteiligten Orte spiegelt die Verbundenheit des Dichters mit der Heimatregion, die nicht nur in den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" anklingt.

"Ein Birnbaum in seinem Garten stand..."

Ebenfalls mit Fontane verbunden ist das havelländische Ribbeck. Ein kleines Dorf, kaum der Rede wert - wäre da nicht das Gutshaus des "Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland". Fontane machte Ribbeck weltbekannt mit seiner Ballade über den freigiebigen Gutsherrn, der seine Birnen an vorbeikommende Kinder verschenkt - laut Umfragen das beliebteste Gedicht der Deutschen.

Tatsächlich wuchs aus der Familiengruft derer von Ribbeck jahrzehntelang ein Birnbaum, erst 1911 wurde er von einem Sturm umgeweht. Findige Touristiker sorgten dafür, dass es in Ribbeck heute wieder einen Birnbaum gibt - und im kommenden Jahr dann "Fontane-Festspiele", bei denen auch eine dramatisierte Fassung von "Effi Briest" zur Aufführung kommt.

Verbindung zwischen damals und heute

Andere Brandenburger Orte, die das Glück hatten, dem Dichter gefallen zu haben, widmen sich im kommenden Jahr ebenfalls Fontane - vom Fischerstädtchen Plau bis zum Stadtmuseum in Lübben, das sich unter dem Titel "Durch die wendische Walachei" mit Berichten aus dem Spreewald zur Zeit Fontanes beschäftigt.

In vielen Projekten geht es nicht allein um Rückschau und Würdigung, sondern auch um die zu Gedenktagen allfällige Frage, was ein Künstler den heutigen Menschen noch zu sagen habe. Die Verbindung von Natur und Kultur, Fontanes protestantisch geprägter, für das damalige Preußen ungewöhnlich offener Blick auf den Katholizismus, seine offenkundige Faszination für neue Medien wie Fotografie und Film - mit diesen Themen haben sich Literaturwissenschaftler in den vergangenen Jahren befasst.

Frauen in Fontanes Texten

Naheliegender erscheint manchem womöglich eine Beschäftigung mit Fontanes Frauenfiguren: Wie mehrere seiner Zeitgenossen - etwa Flaubert in Frankreich, Tolstoi in Russland - befasste er sich intensiv mit weiblichen Schicksalen. Seine Gesellschaftskritik kommt dabei eher leise und indirekt daher.

Viele seiner Figuren drohen zu zerbrechen an den Erwartungen des Gesellschafts-"Götzen" (so heißt es in "Effi Briest"), viele sind Außenseiter. Fontanes Romane sind keine Sittenbilder, die Strafen und Sanktionen vorführen wollen.

Vielmehr scheint es dem Schriftsteller darum zu gehen, die Möglichkeiten darzustellen, wie Menschen leben und entweder in der Lage sind, mit ihrem Leben umzugehen, oder an dieser Herausforderung scheitern. Anschreiben gegen Stereotypen - manchmal kommt ein Gedenkjahr gerade zur rechten Zeit.

Paula Konersmann und Benjamin Lassiwe
(KNA)

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