Chor- und Orchestermusik
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01.01.2019

Jacques-Offenbach-Jahr will den Komponisten bekannter machen Wanderer zwischen den Welten

Einst ein gefeierter Komponist, sind Jacques Offenbachs Melodien heute vor allem als Klingeltöne bekannt. Ernst genommen wird die Musik des gebürtigen Kölner vor allem in Fachkreisen. Zu Offenbachs 200. Geburtstag soll sich das ändern.

Bewundert und geliebt, angefeindet, ignoriert, vergessen und später wiederentdeckt - das Schicksal des deutsch-französischen Komponisten Jacques Offenbach spiegelt die Beziehungen beider Länder im 19. Jahrhundert wider. Hinter bekannten Melodien wie dem "Cancan" und der "Barcarole" steht eine bewegende Geschichte von Aufstieg und verlorenem Ruhm.

Am 20. Juni 1819 wurde der Komponist als Jakob Offenbach in Köln geboren. Sein Vater war Kantor in der Kölner Synagoge und brachte ihm Geige- und Cellospielen bei. Mit 14 Jahren wanderte der Musiker nach Frankreich aus. Er wollte am bekannten Konservatorium in Paris studieren - ein Privileg, das damals eigentlich Franzosen vorbehalten war. Kurz zuvor war Klaviervirtuose Franz Liszt noch abgelehnt worden. Doch Offenbach hatte Erfolg.

In Köln geboren

Zwar verließ er das Konservatorium nach kurzer Zeit wieder, doch Paris blieb Dreh- und Angelpunkt seines musikalischen Wirkens. Aus Jakob wurde Jacques, der sich als Cellist und Komponist einen Namen machte. 1855 gründete Offenbach ein eigenes Theater und entwickelte die Gattung Operette. Der "Kölsche Jung" gilt heute als Erfinder des modernen Unterhaltungstheaters - Fluch und Segen zugleich.

Beim Publikum kam die Mischung aus Kunst und Unterhaltung zwar gut an - Offenbachs Melodien sind leicht und eingängig. Andererseits brachte ihm das auch den Ruf ein, letztlich nur unbedeutende Unterhaltungsmusik zu komponieren. Dabei strotzen viele Werke vor Satire und Kritik an den Verhältnissen und der Obrigkeit und bieten Anknüpfungspunkte zum aktuellen Zeitgeschehen. Unterhaltung, die zugleich der Gesellschaft auf den Zahn fühlt.

Die Operette "Pariser Leben" etwa bringt Liebe und Lust in für damalige Zeiten ungewohnt freizügiger Weise auf die Bühne. Anlässlich der Uraufführung befürchtete der Theaterdirektor einen Skandal. Doch das Publikum war begeistert. In "Hoffmanns Erzählungen", einer nicht vollendeten Oper, die Geschichten von E.T.A. Hoffmann aufgreift, stehen Technik, Liebe und Kunst im Zentrum.

Leichtigkeit statt Schwere

Offenbachs Stärken zeigen sich vor allem im Vergleich mit Zeitgenossen - von denen einige weitaus bekannter sind als er: Richard Wagner, Giuseppe Verdi, Johannes Brahms oder Hector Berlioz. Im Gegensatz zu Wagner etwa besticht Offenbachs Werk durch die Abwesenheit von Ideologie und Nationaldenken. Leichtigkeit statt Schwere, Witz und Satire statt Weltenbrand und Kunstreligion.

Erstaunlich modern wirken zuweilen auch die Frauenrollen: Die "Großherzogin von Gerolstein" etwa schwärmt für einen unbedeutenden Soldaten. Und in "Barkouf" ist es ein Blumenmädchen, das zwischen dem Herrscher - einem Hund - und den Menschen übersetzt. In Gestalt des Hunde-Herrschers führt die Oper zudem die Sinnlosigkeit des Absolutismus vor Augen. Kritiker warfen Offenbach hingegen Geschmack- und Sittenlosigkeit vor.

Der deutsch-französische Krieg 1870/71 wirkte sich nachhaltig auf das Leben des Komponisten aus: In Frankreich wurde der Künstler fortan als "Deutsch-Jude" angefeindet, in Deutschland als Vaterlandsverräter und "französisch-dekadent" abgelehnt. Sein Weltbürgertum schlug in Heimatlosigkeit um.

Er wurde seiner Frau zuliebe katholisch

Offenbach starb am 7. Oktober 1880 in Paris. Viele seiner Werke wurden vergessen, der Komponist auf wenige Stücke reduziert. Neben der Außenseiterrolle könnte seine jüdische Herkunft dazu beigetragen haben. Zwar wurde Offenbach seiner Frau zuliebe katholisch. Trotzdem verboten die Nazis seine Werke als "jüdisch". Experten finden immer mal wieder unbekannte Kompositionen und versuchen, deren Inhalt in die heutige Zeit zu übertragen.

Zum Jubiläum würdigt Offenbachs Geburtsstadt Köln den Komponisten mit einem bunten Programm. Zahlreiche Veranstaltungen über ihn, die Rezeptionsgeschichte, aber auch Diskussionen etwa zu Humor oder Antisemitismus sollen Offenbach und die Vielfalt seines Werks bekannter machen. In seiner Wahlheimat Paris ist ein Straßenfest zu seinen Ehren geplant. Auch andere Städte beteiligen sich: Dresden etwa führt die Operette "Häuptling Abendwind" auf, Berlin "Hoffmanns Erzählungen" und in Mannheim steht "Orpheus in der Unterwelt" auf dem Programm.

Anna Fries
(KNA)

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