Jim Morrison
Jim Morrison

08.12.2018

Rockmusiker Jim Morrison wäre jetzt 75 Jahre alt geworden Schöner dunkler Engel

Vor 47 Jahren starb "Doors"-Frontmann Jim Morrison. Fans fasziniert er bis heute. Inzwischen wird Morrison, der jetzt 75 Jahre alt geworden wäre, auch als Dichter ernst genommen.

Der Raum ist dunkel, nur ein Scheinwerfer erleuchtet die Bühne. Ein junger Mann liegt auf dem Boden. Er atmet schwer, ansonsten ertönt kein Geräusch. Dann lacht er den Zuschauern herausfordernd ins Gesicht, wälzt sich auf der Bühne, schreit auf. "The future's uncertain and the end is always near", singt er: "Die Zukunft ist ungewiss, und das Ende ist immer nah."

Der Text von "Roadhouse Blues" wird sich bewahrheiten. Mit nur 27 Jahren stirbt Jim Morrison, Sänger der amerikanischen Rockband "The Doors", in Paris. Mit ihren Auftritten prägte die Band den Begriff des Rocktheaters, bewegte sich zwischen psychedelischer Rockmusik und etwas Neuem, Unbekanntem.

Woher kommt der Bandname "The Doors"?

Geboren vor 75 Jahren, am 8. Dezember 1943 in Florida, schrieb der spätere Weltstar sein erstes Gedicht bereits mit neun Jahren. In seiner Studienzeit in Los Angeles gründete er die "Doors". Der Name geht auf ein Zitat des englischen Dichters William Blake zurück:

"Wenn die Pforten der Wahrnehmung gereinigt würden, würde alles dem Menschen erscheinen, wie es ist: unendlich." Einen Übergang schaffen zwischen Diesseits und Jenseits, die menschliche Wahrnehmung erweitern – dieses künstlerische Ziel verband die Musiker der 1960er Jahre mit Künstlern vom Schlage eines Charles Baudelaire, Ernest Hemingway oder Arthur Rimbaud.

Ein Doppelleben?

Doch der Erfolg hatte zerstörerische Folgen. Drogen und Alkohol forderten wie bei den Vorbildern ihren Tribut. Und die Rolle des Rockstars schien Morrison stets als zweischneidig zu empfinden. Im Dokumentarfilm "When You're Strange" von 2009 gibt es eine Szene, in der die "Doors" an einem Flughafen ankommen.

Jeder Musiker nennt seinen Namen und sein Instrument. Der Sänger ist als letzter an der Reihe, wird nach seinem Namen gefragt. "Oh", sagt er, "Jim." Auf die Frage nach seiner Beschäftigung reagiert er nur mit einem jungenhaften Lachen. Es ist ein zauberhafter Moment – und im Rückblick auch ein trauriger. Die Musik nahm Morrison bei allen Eskapaden ernst. Die Bühnenshow betrachtete er als Schaffung einer neuen, einer Art Zwischenwelt.

 Sexsymbol und Teenie-Idol

Einerseits erklärte er auf dem Höhepunkt des Erfolgs, nur auf der Bühne öffne er sich wirklich. Andererseits fühlte er sich zunehmend unwohl, hochstilisiert zum Sexsymbol und Teenie-Idol. Er siedelte nach Paris über und schrieb Gedichte. Kurz vor seiner Ausreise hatte ein US-Gericht Haftbefehl gegen den Sänger erlassen, weil er während eines Konzerts obszön gestikuliert haben sollte. Erst 2010 wurde er posthum freigesprochen.

Paris, wo er sich den Idolen der Vergangenheit nah fühlte und zugleich eine bessere Zukunft zu erkennen glaubte, war für Morrison ein Schwebezustand und zugleich eine Zerreißprobe. Er starb, bevor er einen Kompromiss finden konnte. Die Todesursache bleibt ungeklärt. Die geläufige Version: Er starb an Herzversagen und wurde tot in seiner Badewanne gefunden. An dieser Theorie gibt es freilich immer wieder neu genährte Zweifel.

Menschen pilgern zu seinem Grab

Den berühmten Künstlerfriedhof Pere Lachaise im Osten von Paris hatte Morrison einige Wochen vor seinem Tod besucht – und war von dessen Ruhe und Schönheit fasziniert. Er wurde zu seiner eigenen letzten Ruhestätte. Fast 50 Jahre nach seinem Tod pilgern noch immer Hunderte von Fans Tag für Tag zu seinem eingezäunten Grab.

Nicht nur ein Zaun trennt sie von ihrem Idol. Die unscheinbare Grabstätte wird zudem videoüberwacht, das Anbringen von Graffiti mit Geldstrafen bis zu 15.000 Euro geahndet. Touristen können unterdessen auch "Memorial Trips" buchen und auf Morrisons Spuren durch die französische Hauptstadt wandeln.

"When the Music's Over" 

Die Inschrift auf Morrisons Grabstein spielt auf die griechische Mythologie und die Selbstinszenierung des Rockstars als wiedergekehrter Dionysos an. "Kata Ton Daimona Eaytoy" steht dort, "gemäß seinem eigenen Geist". Ob auch der Zaun in Morrisons Sinn wäre, darf allerdings bezweifelt werden. Die Ballade "When the Music's Over" beklagt den schlimmen Zustand der Erde, der die Menschen mit ihren Zäunen die Freiheit genommen hätten.

Diese und andere Gedichte Morrisons werden heute an Universitäten gelesen – die Erfüllung eines zu Lebzeiten gehegten Traums, als Poet ernst genommen zu werden.

Paula Konersmann
(KNA)

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