Martin Meyer versteht sich gut auf die Arbeit mit Kindern - hier bei einer Probe
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Vokalensemble Kölner Dom
Mit dem Vokalensemble Kölner Dom führt Martin Meyer die "Musikalischen Exequien" von Heinrich Schütz auf
Vokalensemble Kölner Dom
Zunächst hatte Martin Meyer selbst im Vokalensemble Kölner Dom mitgesungen
Unvergessen bleibt Martin Meyer seine Mitwirkung bei der feierlichen Einführung von Erzbischof Woelki
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Das Ensemble "Vokalexkursion" mit solistischer Besetzung hat Martin Meyer aus der Taufe gehoben
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Martin Meyer, lanjähriger Assistent des Domkapellmeisters
Martin Meyer wechselt für höhere Aufgaben vom Rhein an die Spree

16.11.2018

Dommusik-Assistent Martin Meyer gibt Abschiedskonzert "Gotteslob im Dom kann so erfüllend sein"

Der erste Auftritt von Kirchenmusiker Martin Meyer im Kölner Dom liegt zehn Jahre zurück. Nun ist er in Berlin Chorleiter beim Staats- und Domchor geworden. Am Freitag verabschiedet er sich mit Schütz und Bach von seiner ersten Wirkungsstätte.

DOMRADIO.DE: Herr Meyer, von 2008 an haben Sie eng mit Domkapellmeister Eberhard Metternich zusammengearbeitet – zunächst als Assistent des Kölner Domchores, später dann in Mitverantwortung für das Vokalensemble Kölner Dom. Nun übernehmen Sie einen renommierten Posten am Berliner Dom. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Karrieresprung! Welche Hürde mussten Sie für diese prominente Aufgabe nehmen?

Martin Meyer (Kölner Kirchenmusiker und langjähriger Assistent der Kölner Dommusik): Man muss sich bei einer solchen Bewerbung schon als ausdrucksstarke Musikerpersönlichkeit präsentieren – mit einem eigenen kreativen Willen. Außerdem muss man zweifelsohne sein Handwerk beherrschen und ein guter Chorleiter sein. Den Großteil meiner Kompetenzen, mit denen ich mich in Berlin vorgestellt habe, verdanke ich der Kölner Dommusik, weil ich hier über einen langen Zeitraum arbeiten und dabei vieles lernen durfte. Ich hatte nicht nur die "Schattenaufgabe", mit den Sängern Töne zu pauken, sondern darüber hinaus die Möglichkeit, ganz autonom selbst gestalten zu dürfen. Ein solches Vorschussvertrauen ist nicht unerheblich für die eigene Persönlichkeitsentfaltung als Musiker.

DOMRADIO.DE: Was ist das denn für eine Aufgabe, für die Sie nun Köln verlassen?

Meyer: Ich tue in Berlin, was ich hier am Kölner Dom vier Jahre lang als Assistent von Herrn Metternich gelernt habe: Ich arbeite mit einem Knabenchor, der sich allerdings – anders als der Kölner Domchor – in konfessionell freier Trägerschaft befindet. Das heißt, es handelt sich nicht um einen kirchlichen Chor, sondern eine eigenständige Institution, die über die Universität der Künste vom Staat getragen wird. Insofern bin ich auch bei der Uni angestellt. Identisch ist dennoch sowohl das aus geistlicher Musik aller Epochen bestehende Programm als auch die Besetzung: also Jungen bis zum Stimmwechsel mit hohen Sopran- und Altstimmen und die sogenannten Herrenstimmen im Tenor und Bass. "Berliner Jungs singen" – diesen Slogan meines neuen Chores halte ich in einer schnelllebigen Individualistenstadt für einen guten Denkanstoß und ein echtes Angebot in Sachen Jugendarbeit und -bildung.

DOMRADIO.DE: Welche Qualifikation war denn da gefragt?

Meyer: Explizit gewünscht war Erfahrung mit einem Knabenchor. In Köln bin ich mit dieser außergewöhnlichen Chorgattung in Berührung gekommen, wobei das Besondere für mich immer war, dass man mit einem Ensemble wie dem Kölner Domchor viel machen kann. Er steht für ein breites Spektrum, wenn man sich anschaut, was die Sänger im Verlauf eines Jahres alles an sehr unterschiedlichen Einsätzen leisten. Sie machen ja nicht allein liturgische Musik in den Hoch- und Pontifikalämtern. Insofern standen mir mit den Chorleitern Metternich und auch Sperling sehr erfahrene und beeindruckende Musikerpersönlichkeiten vor Augen, deren Arbeitsweise ich unterstützen und denen ich in hoher Schlagzahl über die Schulter schauen durfte.

Dabei konnte ich mir musikalisch und musikpädagogisch vieles abschauen. Auch auf dem liturgisch-pastoralen Spielfeld habe ich viel erlebt. Ich kann behaupten, dass mein in der Dommusik erworbenes Rüstzeug aus einer besondere Mischung besteht und ich vor allem immer einem durchweg sehr hohen künstlerischen Anspruch begegnet bin. Gleichzeitig hatte der Arbeitsalltag eine große terminliche Dynamik, gegen die es ständig dieses wichtige künstlerische Ziel zu verteidigen galt. Nicht nur zufällig sind daher die meisten von uns ehemaligen Assistenten nun an Orten tätig, wo sie mit einer ebensolchen Herausforderung konfrontiert werden – auch mit der, trotz zeitlichen Drucks immer die Nerven zu behalten.

DOMRADIO.DE: Können Sie ein Beispiel nennen?

Meyer: Die Verhältnisse am Dom bringen sehr komprimierte Handlungsabläufe mit sich. Wenn sich ein Gemeindechor zum Beispiel fast ein halbes oder ganzes Jahr auf die Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Bach vorbereitet, besteht hier hingegen der Anspruch, das innerhalb von vier Wochen zu schaffen und dann trotzdem ein Top-Ergebnis abzuliefern.

DOMRADIO.DE: Was zählen Sie zu den Highlights Ihrer Jahre bei der Kölner Dommusik?

Meyer: Es gab viele bewegende Gottesdienste von unterschiedlicher Bedeutung: beispielsweise die Einführung von Erzbischof Woelki, bei der ich mitgestalten durfte, was einfach eine tolle Erfahrung war. Oder den Trauergottesdienst der Germanwings-Opfer. Dann die Opernprojekte mit den Kindern der Domchöre, die Kooperationen mit dem WDR anlässlich des traditionellen NRW-Adventskonzertes mit Live-Übertragung und auch die hohe Reisetätigkeit mit Fernzielen in anderen Kontinenten. Dabei trat der Domchor immer als Botschafter der Kölner Kathedrale, aber auch der Stadt Köln auf. In der Summe ist es die Vielschichtigkeit, die so spannend war. Denn der Chor ist in einem solchen Kontext ein Musikinstrument, aber eben auch Kulturträger.

Im Übrigen lernt man auch zu repräsentieren. Und nicht zuletzt erinnere ich mich gerne an den 200. Geburtstag von Mendelssohn 2009, als ich erstmals die Programmauswahl für den Domchor bestimmen und ein großes Konzertprojekt im Kölner Dom realisieren durfte. Überhaupt ist der Dom für mich eine ganz außerordentliche Wirkungsstätte. Und auch die Geschichte der Dommusik, die seit Jahrhunderten eine ganz eigene Institution ist, hat mich immer fasziniert. Wenn man dann ein Teil davon sein darf, ist das schon sehr erhebend und ein großes Glück.

DOMRADIO.DE: Apropos: Wie haben Sie Ihre Zeit als Assistent der Dommusik erlebt?

Meyer: Manchmal – gerade auch am Anfang – war es der berühmte Sprung ins kalte Wasser. Da muss man dann durch. Aber immer war da ein Zutrauen im Sinne von fordern, herausfordern und fördern zu spüren. Und das auf Augenhöhe. Beide Chorleiter der Dommusik haben mich als Partner betrachtet – und nicht als Auftragsempfänger. Sie haben meine musikalische Entwicklung und künstlerische Reife gefördert. Denn als Assistent wird man mit seinen eigenen Begabungen gesehen. Und man darf gestalten – mit der je eigenen Leidenschaft, Neigung und Vorliebe. Das hat mich nachhaltig positiv geprägt, und dafür bin ich sehr dankbar.

DOMRADIO.DE: Nun haben Sie vor einiger Zeit auch ein eigenes Sänger-Ensemble aus der Taufe gehoben…

Meyer: Wenn man viel vor einem Chor steht, kommt man oft gar nicht mehr dazu, selbst zu singen. Also habe ich einfach mal herumgefragt, wer auch noch Lust darauf hätte, ab und zu in einem kleinen Ensemble mit nur acht solistischen Stimmen mitzumachen. Entstanden ist aus dieser Idee "Vokalexkursion", eine Gruppe, die sich der vokalen Kammermusik verschrieben hat. Dass wir damit so viel Erfolg haben würden, hätten wir nicht gedacht. Aber mittlerweile sind wir schon in fast allen deutschen Kathedralkirchen aufgetreten und haben ja auch beim Landeschorwettbewerb mit dem ersten Platz und beim Bundeschorwettbewerb mit dem vierten Platz punkten können.

Ein derart kleines Ensemble hat den Vorteil, dass die Musik viel intimer dargeboten werden kann. Der einzelne Musizierende ist mehr gefordert. Auch inhaltlich, wenn es um Themen wie Liebe und Tod geht, wird der Klang sehr viel persönlicher. Man kann in die Feinarbeit gehen und am Detail feilen. Aber natürlich hört man auch jede Ungenauigkeit sofort. Da ist dann eine solche Aufstellung wiederum auch sehr unbarmherzig.

DOMRADIO.DE: Zu Ihrem Abschiedskonzert an diesem Freitag: Dem Totenmonat November entsprechend wird Trauermusik zu hören sein…

Meyer: Trotzdem machen wir keineswegs nur traurige Musik, ganz im Gegenteil. Zwei Meisterwerke des Barock, die "Musikalischen Exequien" von Heinrich Schütz und die Bach-Kantate "Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit" – auch bekannt als "actus tragicus" – rahmen die zwei zeitgenössischen a cappella-Motetten "O domine" von Thomas Jennefelt und "Tenebrae" von Marcus Ludwig nach einem Gedicht von Paul Celan ein. In der Summe sind das großartige Kompositionen: thematisch aus einem Guss, wenn auch musikalisch sehr kontrastreich. Hier wird eine jeweils sehr unterschiedliche Sicht auf Sterben und Vergehen eingenommen: Bei Bach ist es die Hoffnung auf Auferstehung, für Jennefelt ist der Tod eher Übergang in etwas Abstraktes. Und bei Schütz wiederum kommt ein sehr reales Todesbewusstsein zum Ausdruck, das nahelegt, die Zeit des irdischen Lebens zu nutzen.

Die Sängerinnen und Sänger des Vokalensembles schaffen es, diese Stücke eindrucksvoll zum Klingen zu bringen, und in der Kombination mit den alten Instrumenten gelingt uns hoffentlich ein – selbst für die Dommusik – nicht ganz alltägliches Musikerlebnis.

DOMRADIO.DE: Am Sonntag haben Sie zum letzten Mal musikalisch ein Dom-Hochamt geleitet. An diesem Freitag verabschieden sich mit einem Konzert. Wie schwer fällt Ihnen der Abschied von Köln und der Kölner Dommusik?

Meyer: In Berlin wartet eine tolle Aufgabe auf mich, die gewissermaßen die logische Konsequenz dessen ist, was ich alles hier in Köln durch mein Studium und am Kölner Dom gelernt habe. Beide Städte ziehen einen ganz in ihren Bann; man kann ihnen gegenüber nicht gleichgültig sein. Von daher bin ich sehr gespannt, was mich an der Spree erwartet. Aber es ist natürlich auch klar: Am Kölner Dom das musikalische Gotteslob mitzuverantworten, kann so erfüllend sein. Von daher bleibt ein Teil meiner musikalischen Seele eben auch im Herzstück dieser Stadt zurück.

Das Interview führte Beatrice Tomasetti.

Beatrice Tomasetti
(DR)

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