Kirchenorgel
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14.09.2018

Urkunde für Orgelbau und Orgelmusik als Unesco-Kulturerbe Ein kosmopolitisches Instrument

Besondere Ehre für Orgelbau und -musik: Sie stehen auf der internationalen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. An diesem Freitag wurde in Berlin nun auch offiziell die Urkunde überreicht.

50.000 Orgeln stehen in deutschen Kirchen, 400 Orgelbau-Betriebe beschäftigen in der Bundesrepublik über 2.500 Menschen, Tausende arbeiten als Kirchenmusiker. Sie alle sind nun Träger des internationalen immateriellen Kulturerbes der Unesco.

Orgelbau und Orgelmusik waren im vergangenen Dezember in die Liste der Weltkulturorganisation aufgenommen worden. An diesem Freitag wurde in Berlin die Urkunde überreicht.

Kosmopolitisches Instrument

Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission (DUK), Maria Böhmer, würdigte eine große, "über Generationen gepflegte und weltweit beachtete Tradition". In der ganzen Welt bauten deutsche Betriebe in Kirchen und Konzerthäusern wunderbare Orgeln. "Aber die Orgel ist ein kosmopolitisches Instrument."

Orgelmusik und Orgelbau sind - nach der Falknerei und der Genossenschaftsidee - eines der ersten deutschen Kulturgüter auf der weltweiten Liste. Das sei kein Wunder, sagt der Orgelsachverständige Michael Kaufmann: Orgelmusik sei keineswegs ein Luxusgut, sondern Teil der deutschen Identität.

Auf die deutsche Liste des immateriellen Erbes wurden Orgelbau und -musik bereits vor vier Jahren eingetragen. Diese Liste umfasst bislang 72 lebendige Kulturformen wie Brotbacken, das Sternsingen oder das Hebammenwesen.

Musikwissenschaftler Kaufmann leitet die Aus- und Fortbildungskurse der Vereinigung der Orgelsachverständigen Deutschlands (VOD) und war an deren Aufnahmeantrag federführend beteiligt. In ihrer Vielfalt und historischen Entwicklung sei die Orgel gerade in Deutschland "zu einem überaus bedeutenden Kulturfaktor" geworden, erklärt er.

Auch der Präsident des Dachverbands der katholischen Kirchenmusiker in Deutschland, des Allgemeinen Cäcilien-Verbands (ACV), Wolfgang Bretschneider, betont, das Instrument weise eine "lebendige und aktuelle Kultur auf".

Alltagskulturen und -traditionen erhalten

Beim immateriellen Kulturerbe geht es darum, Alltagskulturen und -traditionen zu erhalten. Auf der internationalen Repräsentativen Liste der Unesco stehen nunmehr rund 400 Kulturformen aus aller Welt.

Die Idee, neben berühmten Welterbestätten wie dem Kölner Dom, der Wartburg oder dem Kloster Corvey auch immaterielle kulturelle Traditionen zu würdigen, kommt ursprünglich aus dem asiatischen Raum.

"Das gebaute Erbe hat dort einen geringeren Stellenwert als bei uns", erklärt der zuständige DUK-Referent Benjamin Hanke. "Wenn ein asiatischer Tempel abgerissen und neu aufgebaut wird, ändert das nichts an seinem spirituellen Wert." Zudem könnten auch Bauwerke nicht ohne handwerkliche Kenntnisse entstehen. "Und die spirituelle Dimension des Kölner Doms ist ja mindestens genauso wichtig wie die bauliche."

Aus diesen Überlegungen entstand bereits um die Jahrtausendwende die Idee, nicht-dingliche Ausdrucksformen der Kultur zu würdigen und ihren Erhalt zu fördern. 2003 verabschiedete die Unesco das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes; inzwischen sind der Konvention mehr als 170 Staaten beigetreten. Deutschland ist seit 2013 dabei. Hier werde, so die DUK, noch debattiert, was lebendige Kultur ausmache - und diese Debatte könne durchaus noch breiter geführt werden.

Unbekannteres einem breiten Publikum zugänglich machen

Denn nicht nur Althergebrachtes kann immaterielles Kulturerbe der Menschheit werden. Ein Beispiel für moderne Kulturgüter ist das Poetenduell "Tsiattista" aus Zypern, vergleichbar mit den hiesigen Poetry Slams. Bekanntere Traditionen, die auf der weltweiten Unesco-Liste stehen, sind die Basler Fastnacht oder die Kunst des neapolitanischen Pizzabäckers. Auch religiöse Traditionen wie die Heilig-Blut-Prozession im belgischen Brügge sind dort festgehalten.

Ziel sei es aber auch, Unbekannteres einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Für die Orgel gilt laut Kaufmann ebenfalls: "Wir sind noch lange nicht am Ende." Er leitet derzeit ein Forschungsprojekt zur Ideengeschichte der "Königin der Instrumente", gefördert von der VolkswagenStiftung. Bislang sei die Orgel zumeist aus musikalisch-technischer Perspektive betrachtet worden, erklärt der Wissenschaftler. Im Umgang mit Orgelbau und -musik spiegelten sich jedoch "Geist und Geschichte des Kontinents bis in die Gegenwart".

Paula Konersmann
(KNA)

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