Im Oktober 1963 werden im niedersächsischen Lengede 129 Kumpel verschüttet.
Im Oktober 1963 werden im niedersächsischen Lengede 129 Kumpel verschüttet.

10.07.2018

Rettungsaktion in Thailand erinnert an Wunder von Lengede "Gott hat mitgeholfen"

Die Welt bangt um die eingeschlossenen Jungen in Thailand. Auch Deutschland kennt eine solche spektakuläre Rettungsaktion. 1963 wurden in Lengede elf Kumpel gerettet, die zwei Wochen unter Tage lebendig begraben waren.

Die Todesanzeigen waren schon bestellt. Die Fahne auf dem Förderturm des Schachtes "Mathilde" wehte auf Halbmast. Am 4. November 1963 sollte in der Mehrzweckhalle von Lengede die Trauerfeier für die unter Tage vermissten Kumpel abgehalten werden. Bischöfe und Minister sollten Gedenkreden halten. Doch dann passierte "das Wunder von Lengede".

Während derzeit die ganze Welt um die in einer Höhle in Nord-Thailand eingeschlossene Fußballmannschaft und ihren Betreuer bangt und Spezialtaucher einen Jungen nach dem anderen ans Tageslicht holen, werden Erinnerungen an ein ähnliches Ereignis in Deutschland wach.

129 Kumpel waren in Schacht Mathilde eingeschlossen

Es ist Donnerstagabend, der 24. Oktober 1963, als 500 Millionen Liter Schlamm und Wasser aus einem Klärteich in die Eisenerzgrube Lengede-Broistedt einbrechen. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich noch 129 Kumpel im Schacht Mathilde. 79 können sich sofort in Sicherheit bringen. 50 Bergleute gelten als vermisst, ihre Überlebenschancen werden als gering bewertet. Am Freitag werden bei einer Suchbohrung sieben Kumpel gerettet; am Sonntag orten die Helfer weitere drei Überlebende in einer Luftblase, sie können am 1. November gerettet werden. Für die übrigen, so scheint es bald, hat der Grubenunfall in der niedersächsischen 3.700-Einwohner-Gemeinde in einer Katastrophe geendet.

Doch die Hilfskräfte arbeiten weiter. Stundenlang wird gebohrt, Mikrofone werden in Hohlräume herabgelassen. Fast 1.000 Menschen sind im Einsatz - vom Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk, der Bundeswehr und dem Grenzschutz. Noch nie wurden so viele Rettungsgeräte eingesetzt: Verschiedene Bohrer, Hochleistungskompressoren. Die Retter arbeiten pausenlos. Doch nach acht Tagen sieht die Grubenleitung keine Chance mehr und zieht die Rettungskräfte ab.

Männer harren 14 Tage in Dunkelheit aus

Währenddessen haben sich unter Tage 21 Männer vor dem steigenden Wasser in einem Hohlraum gerettet, einen sogenannten Alten Mann. Er ist sechs mal zwei mal drei Meter groß. Der Sauerstoff wird knapp, Steine stürzen herab. Hier harren die Männer die nächsten 14 Tage aus - in absoluter Dunkelheit, nicht wissend, ob überhaupt noch nach ihnen gesucht wird.

Oben bedrängen Überlebende, die den Tod ihrer Kameraden nicht wahrhaben wollen, die Verantwortlichen, weiterzubohren. Es gebe da noch Hohlräume, in die sich die Männer zurückgezogen haben könnten. Obwohl er keine Chance sieht, lässt sich der Hüttendirektor zu einer weiteren Suchbohrung überreden.

Es ist reiner Zufall: Am 3. November wird 200 Meter vom gefluteten Hauptschacht entfernt genau der richtige Punkt getroffen. An diesem Sonntagmorgen, kurz vor sieben Uhr, machen sich die elf noch lebenden Eingeschlossenen mittels Klopfgeräuschen an dem hinabgelassenen Bohrer bemerkbar. Ein Wunder. Als erstes erhalten sie durch den schmalen Versorgungsschacht eine Taschenlampe, dann Tee, Möhrensaft.

400 Journalisten aus aller Welt in Lengede

Über eine Gegensprechanlage können die Eingeschlossenen bald mit ihren Angehörigen sprechen. Das Fernsehen berichtet live und in Sondersendungen. 400 Journalisten aus aller Welt kommen nach Lengede. Bundeskanzler Ludwig Erhard fliegt per Hubschrauber ein. "Meine lieben deutschen Landsleute. Ich glaube, alle deutschen Herzen sind im Augenblick bei Ihnen", ruft er den Kumpels über Mikrofon zu.

Am 7. November ist es so weit: Einer nach dem anderen wird über die Dahlbuschbombe, eine torpedoförmige Rettungskapsel, aus 60 Metern Tiefe nach oben gehievt. Die Männer werden mit Sonnenbrillen und Decken versorgt und gefeiert wie Helden.

Lengede wird zum nationalen Mythos, obwohl 29 der Bergleute ums Leben kamen. Ein deutsches Wunder, 18 Jahre nach dem verlorenen Krieg und 9 Jahre nach dem "Wunder von Bern". Die "Bild"-Zeitung titelt: "Gott hat mitgeholfen". (Eigentlich sollte die Zeile heißen: "Gott hat mitgebohrt"). Noch 2003 rührt der Sat-1-Zweiteiler "Das Wunder von Lengede" mit den Hauptdarstellern Jan Josef Liefers und Heino Ferch das deutsche Fernsehpublikum.

Christoph Arens
(KNA)

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