Naumburger Dom
Naumburger Dom
Holger Kunde, Direktor und Stiftskustos der Vereinigten Domstifter, steht im Langhaus des Naumburger Doms.
Holger Kunde, Direktor und Stiftskustos der Vereinigten Domstifter, steht im Langhaus des Naumburger Doms.

04.07.2018

Wie der Naumburger Dom zum Weltkulturerbe wurde "Der Jubel brach aus uns heraus"

Im dritten Anlauf hat es der Naumburger Dom nun geschafft, als Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Davor standen 20 lange Jahre harte Arbeit und Herzklopfen. Die Erleichterung war deshalb bei allen Beteiligten nach der Verkündung enorm groß.

DOMRADIO.DE: Nach ein paar Anläufen ist es nun geschafft, dass der Naumburger Dom zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Warum hat er es aus Ihrer Sicht verdient?

Dr. Holger Kunde (Stiftsdirektor des Naumburger Doms): Weil er einzigartig ist natürlich. Es ist in der Tat so, dass wir als einziger Dom der Übergangsperiode vom romanischen zum gotischen Stil eine wirklich singuläre Situation haben. Wir haben diese liturgische Erlebbarkeit im Dom - wie sie damals geschaffen worden ist - bis heute bewahren können: also zwei Lettner-Anlagen (Wand mit Empore vor dem Hauptaltar, Anm. d. Red.) im Ost- und im Westchor. Dann wurde dieser Westchor durch den sogenannten Naumburger Meister neu hinzugefügt, also eine Bauhütte unter einem Bildhauer-Architekten aus Frankreich hat anachronistisch aus Skulptur-Architektur und Glasmalerei ein Gesamtkunstwerk geschaffen.

Das besitzt eine solche Aussagekraft und eine solche Qualität, die einfach einzigartig ist.

DOMRADIO.DE: Das sind sozusagen die technischen und architektonischen Voraussetzungen. Was lieben Sie so sehr an ihrem Dom?

Kunde: Natürlich auch das Äußere erst einmal. Der Dom ist auch aus vielen Blickrichtungen, egal woher man kommt, eigentlich ganz wunderbar im Stadtbild erhaben.

Ich liebe die Figuren, diese unglaubliche Belebtheit. Das sind Emotionen in Stein. Das sind Mimik und Gestik. Das kann man nicht übertreffen. Man ist gefesselt von diesen Bildwerken und der Erzählstruktur, von den vermeintlichen Geschichten, die auch nicht nur am West-Lettner ablaufen, sondern natürlich auch zwischen den Stifter-Figuren.

Und natürlich ist es Uta (die Figur der Uta von Naumburg, Anm. d. Red.). Die zieht einen in den Bann. Je nachdem, wo man steht, ist ihr Blick immer anders. Mal ist sie die Kühle, dann ist sie die Aristokratische, aber immer eine Frau mit einem Geheimnis. Und das fasziniert ja doch ganz besonders.

DOMRADIO.DE: Sie sind gerade erst aus Bahrain zurückgekommen. Da wurde der Titel verliehen. Wie war das?

Kunde: Es war eine Befreiung. Wenn man sich vorstellt, dass wir an diesem Antrag insgesamt fast 20 Jahre gearbeitet haben. Das hat Höhen und Tiefen und Veränderungen im Konzept mit sich gebracht. Mal sollte es eine Kulturlandschaft sein, mal sollte sie es nicht sein und am Ende sollte es nur noch der Dom sein. Wir haben diesen Weg beschritten.

Das Tolle ist ja, wenn man so eine lange Wanderung durchläuft, dass es am Ende wirklich ein erfolgreiches Ziel gibt. Es hätte auch schiefgehen können und dann wäre die Enttäuschung in der Stadt und der ganzen Region doch sehr stark gewesen. Aber so haben alle gesehen, dass es sich gelohnt hat. Wir haben das zusammen durchgestanden und jetzt ist die Anerkennung da.

DOMRADIO.DE: Wie war denn die Verleihung in Bahrain selber?

Kunde: Spannend. Es ist ja gerade Fußball-WM. Unsere Diskussion über diesen Antrag dauerte auch circa 90 Minuten. Manchmal ist einem das Herz stehen geblieben, weil es so spannend war.

Wir hatten ja nicht nur Freunde, wie das immer so im Leben ist. Es gibt auch Kritiker. Und das ist auch gut so, dass es Kritiker gibt.

Aber letztlich waren wir dann doch überwältigt, dass die große, große Mehrheit dieses Welterbekomitees, egal woher sie kamen, eindeutige Statements für unseren Dom abgegeben haben. Dann brach dieses Gefühl, der Jubel aus uns heraus. Das werde ich wohl nie vergessen.

DOMRADIO.DE: Wie sah denn die Zeremonie aus? Wie wurde der Titel als Weltkulturerbe verliehen?

Kunde: Die Zeremonie ist nur ein Hammerschlag von der Präsidentin des Welterbekomitees. Die sagt dann: "Adopted as amended". Das heißt also: "Akzeptiert, so wie der Änderungsantrag es vorsieht". Die eigentliche Zeremonie findet erst später statt.

Jetzt wird eine Urkunde erstellt, die nach einer gewissen Zeit zu uns gelangen wird. Wenn sie dann da ist, organisieren wir eine große Feier für alle, die am Antrag Anteil genommen haben. Wir laden auch die 21 Botschafter des Welterbekomitees dazu ein. Das wird ein riesiger Festakt. Dann wird es auch richtig feierlich. So war das jetzt einfach ein Verwaltungsakt, aber ein so hoch wichtiger, dass dieses Hammerklopfen, auf das wir so gewartet haben, die Erlösung war.

(DR)

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