Dieter Wellershoff
Dieter Wellershoff

15.06.2018

Der Kölner Schriftsteller Dieter Wellershoff ist tot "Sicher ist nur, dass wir alle sterben"

Er schrieb mehr als 40 Romane, Novellen, Theaterstücke und Essays. Nun ist der Kölner Autor Dieter Wellershoff gestorben. Geprägt hatten ihn seine Kriegserfahrungen. An Gott glaubte er nicht. Ein Nachruf.

"Das Leben ist das große Geschenk, das wir haben. Obwohl es total schief gehen kann. Man muss ja nur Zahnschmerzen haben, dann weiß man schon Bescheid". Mit Dieter Wellershoff über die großen Themen, über Leben und Tod zu reden, war ein Erlebnis – wenn auch nicht immer einfach. Als wir ihn fragten, ob er nicht für eine Anthologie über die Eucharistie einen Text schreiben wolle, gab er gleich zu bedenken, dass er zu dem Thema kaum etwas beitragen könne, denn er glaube nicht an Gott. "Ich glaube, wir sind mit unseren Vorstellungen in der materiellen Welt allein", sagte er, "da ist nichts. Und sicher ist nur, dass wir alle sterben".

Der Sinn des Lebens sei das Leben. Das war seine Überzeugung. Und das Leben sei ein großes Geschenk. Wellershoff war als Soldat im Krieg. "Der Ernstfall. Innenansichten des Krieges", heißt sein autobiografisch geprägtes Buch über sein Leben als junger Soldat. Er hat hautnah erlebt, wie schnell das Leben zu Ende sein kann. "Nur durch Zufall habe ich den Krieg überlebt", sagt er, "aber diese Erfahrung hat mir den Wert des Lebens bewußt gemacht". Diesen Satz wiederholt er dann noch einmal: "Ich lebe nur durch Zufall, aber ich lebe – und das möchte ich nicht vertun". Und der Tod? Ein sinnloses Ende? "Nein", antwortet er, "erst der Tod ermöglicht dem Leben und der Welt, sich zu verändern. Auch indem er uns persönlich nötigt, unserem Leben einen Sinn zu geben".

Religion und Glaube waren seine Themen

Immer wieder hat sich der Schriftsteller in seinen Büchern mit dem Glauben, der Religion und den Kirchen beschäftigt. "Es geht um die Suche nach Glück, nach dem Sinn, nach der Wahrheit. Es geht um Selbstfindung. Es geht um die geballte Ladung christlicher Selbstinfragestellung", das lässt Dieter Wellershoff seinen Romanhelden, einen evangelischen Pfarrer, in dem Buch "Der Himmel ist kein Ort" sagen. In einem der Interviews im DOMRADIO bedauerte er die Unverbindlichkeit der Religion heute. "Die Religionsfreiheit und die Religionssicherheit hat die Religion zu einem Haustier der Zivilgesellschaft gemacht", sagt er, "und das ist keine Situation für Inbrunst. Sie gerät dadurch in Gefahr, ein Konsumgut zu werden, ein geschütztes Konsumgut". Religion sei heute nicht mehr zwingend, darum werde auch nicht mehr mit Leidenschaft geglaubt. "Wenn man die Kirche verlässt, ist es auch egal. Das ist heute alles völlig freigestellt". Der Glaube sei eine unverbindliche Option, die die Religion heute zu einem Konsumgut gemacht habe.

Zuletzt durften wir ihn kurz vor seinem 90. Geburtstag zuhause interviewen. Mit seiner Frau lebte er in der Kölner Südstadt, in einer Altbauwohnung. "Kommen sie doch einfach vorbei", hatte er am Telefon gesagt. Seine Wohnung war die eines Schriftstellers, die Wände tapeziert mit Bücherregalen, auf dem Couchtisch Bücher und neben ihm ein Haufen auseinandergewühlter Zeitungen. Draußen verloren die Bäume ihre Blätter, gut zu sehen von seinem Fenster. Und schnell kamen wir wieder auf die großen Fragen zu sprechen. Vor den Schmerzen habe er Angst, sagte er, wenn alles wehtut. Aber er war nicht traurig oder verzagt. Auch im Alter sei es noch schön, die Welt mit ihren Phänomenen, die uns von Anfang an mitgeprägt haben, zu sehen – sie wiederzuerkennen. Er spricht von den vier Elementen, vom Wasser, vom Feuer, von der Erde und der Luft. Und dann sagt er: "Ich freue mich auf den Winter. Ich schaue aus dem Fenster. Oh! Es schneit! Was für ein Wunder, auch in diesem Jahr schneit es wieder".

Johannes Schröer
(DR)

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