Karl Marx-Denkmal
Karl Marx-Denkmal

05.05.2018

Vor 200 Jahren wurde der Philosoph Karl Marx geboren Umstrittener Analyst

Von den einen verehrt als bedeutender Ökonom und Analyst des Kapitalismus, von den anderen verachtet als geistiger Vaters des Kommunismus mit all seinen Opfern: Vor 200 Jahren wurde Karl Marx geboren.

Unterschiedlicher können die Urteile über einen Menschen und sein Vermächtnis kaum ausfallen. "Ein großer Visionär - das war Karl Marx zweifelsohne", sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Für die Historikerin und Marx-Forscherin Beatrix Bouvier ist "die Bedeutung des aus Trier stammenden Philosophen, Politökonomen, Journalisten, Politikers und Revolutionärs - global gesehen - unbestritten". Der Theologe Oswald von Nell-Breuning sagte mit Blick auf die katholische Soziallehre, die auch von der Analyse der kapitalistischen Gesellschaft profitiert habe: "Wir stehen alle auf den Schultern von Marx."

Zahlreiche Menschen pilgern zum Geburtshaus

Für Hubertus Knabe hingegen, Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen im ehemaligen Stasi-Gefängnis, ist Marx ein Denker, der den Menschen auf die Zugehörigkeit zu einer Klasse reduziert habe, von denen die eine - das Bürgertum - gewaltsam beseitigt werden müsse. "Die Diktatoren, die für Unterdrückung und Massenmord verantwortlich waren, haben nur das ausgeführt, was er vorgedacht hat", sagt Knabe. Und: "Man kann die kommunistischen Massenverbrechen nicht von dem loslösen, was Marx geschrieben hat."

Die Zitate belegen: Auch zu seinem 200. Geburtstag ist Karl Marx keineswegs eine vergessene Figur der Geschichte, sondern ein nach wie vor hochaktueller und umstrittener Denker. Am 5. Mai 1818 wurde der Philosoph und Ökonom in Trier geboren. Jedes Jahr pilgern Tausende Touristen aus dem offiziell noch immer kommunistisch regierten China zu seinem Geburtshaus. Das Reich der Mitte hat der Moselstadt zum Jubiläum eine rund fünfeinhalb Meter hohe und nicht minder umstrittene Bronzestatue von Marx geschenkt.

Jede Religion auf ihre Weise kritisiert

Der junge Marx beginnt nach dem Abitur 1835 Jura in Bonn zu studieren. Schon 1836 wechselt er ins pulsierende Berlin, wo er auch Philosophie studiert und immer mehr mit religionskritischen Denkern des Linkshegelianismus in Kontakt kommt. Für sie gilt Gott als Erfindung des Menschen, in der dieser sich selbst entfremde. "Marx durchläuft im Schnelldurchgang die metaphysische Evolution vom Judaismus über das Christentum zur Gottlosigkeit als final wünschenswertem Zustand", analysiert sein Biograf Jürgen Neffe.

Der Philosoph, der am 19. Juni 1843 seine Verlobte Jenny von Westphalen zivil und kirchlich heiratete, sei kein expliziter Gegner des Christentums gewesen. Er habe vielmehr jede Religion auf ihre Weise kritisiert. Viel zitiert ist sein Urteil über Religion als "Opium des Volks".

"Manifest der Kommunistischen Partei"

1842 wird Marx Redakteur der Rheinischen Zeitung in Köln, die jedoch bereits ein Jahr später verboten wird. Er zieht nach Paris und kommt dort in Kontakt zu seinem Freund und Mitstreiter Friedrich Engels. 1845 wird der zunehmend bekannte kommunistische Kritiker auch aus Paris ausgewiesen. Marx übersiedelt nach Brüssel, wo das im Februar 1848 veröffentlichte "Manifest der Kommunistischen Partei" entsteht.

Die Revolution von 1848 begleitet Marx als kritischer Journalist, er wird Chefredakteur der "Neuen Rheinischen Zeitung" in Köln. Nach dem Scheitern der Revolution wird er 1849 aus Preußen ausgewiesen. "So war er gezwungen, die verbleibenden 35 Jahre bis zu seinem Tod 1883 im Londoner Exil zu verbringen", sagt die Forscherin Bouvier.

Dort verdingt sich Marx weiter als politischer Journalist, etwa für die "New York Daily Tribune". Er bringt sich auch in der internationalen Arbeiterbewegung ein, um die ersehnte proletarische Revolution zu beflügeln. Vor allem aber treibt er seine ökonomischen, historischen und philosophischen Studien weiter. "Weder Krankheit, Armut, Ehekrisen noch Familientragödien halten ihn davon ab, beharrlich an seinem Werk zu arbeiten", so Neffe.

Einflussreiches Buch der Neuzeit

Vor 150 Jahren, im September 1867, erscheint der erste Band von Marx' bedeutendstem Werk "Das Kapital". Es wird zu einem der einflussreichsten Bücher der Neuzeit - und beschreibt schonungslos die miserable Lage der Arbeiter: "Zu Tod arbeiten ist die Tagesordnung", heißt es in einer Situationsbeschreibung der Produktionsbedingungen des späten 19. Jahrhunderts.

Nach seiner Beobachtung existiert ein Gegensatz zwischen Kapitalisten und Proletariern. Das Privateigentum an Produktionsmitteln liegt demnach in den Händen von Kapitalisten; die Arbeiter besitzen nur ihre Arbeitskraft, die sie an den Kapitalisten verkaufen.

Weil ihr Arbeitslohn viel geringer als der Wert der Güter ist, die sie herstellen, erzielen die Fabrikanten einen Profit, den sogenannten Mehrwert. Nach der Theorie kommt es zu einer ständigen Konzentration des Kapitals bei den Wenigen, die Arbeiter verelenden hingegen.

Globalisierte Welt der Gegenwart vorausgesagt

Mit seiner Analyse eines entfesselten Wirtschaftssystems habe Marx die globalisierte Welt der Gegenwart bis hin zur Finanzkrise vorausgesagt, urteilt Neffe: "Karl Marx hat unsere Welt besser verstanden als viele andere - er trifft den Nerv unserer Zeit."

Zwei Jahre nach seiner Frau Jenny stirbt Karl am 14. März 1883 und wird auf dem Londoner Friedhof Highgate begraben. Was bleibt 135 Jahre nach seinem Tod vom Erbe des Philosophen, dessen Grabmal die berühmte Inschrift "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!" ziert? "Letzte Wahrheiten", mahnt der Bundespräsident, dürfe man von Marx im Jahr 2018 nicht erwarten. "Allerdings gibt es Sätze von Marx, die sich zeitlos als Denkanstöße eignen", so Steinmeier. Er zitiert: "Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern."

Von Michael Merten

(epd)

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