Kollegah (r) und Farid Bang singen bei der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo
Kollegah (r) und Farid Bang singen bei der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo
Wincent Weiss (l) erhält den Echo als Newcomer National von Campino bei der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo
Wincent Weiss (l) erhält den Echo als Newcomer National von Campino bei der 27. Verleihung des Deutschen Musikpreises Echo

13.04.2018 - 00:00

Zentralrats-Präsident lobt Campinos Worte bei "Echo"-Verleihung Eklat wegen Rapper Kollegah und Farid Bang

Nach der Verleihung des Musikpreises "Echo" in Berlin reißen die Antisemitismus-Vorwürfe gegen die Rapper Kollegah und Farid Bang nicht ab. Zugleich gab es lobende Worte für den Auftritt des Sängers der Toten Hosen, Campino.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, würdigte Campino für "Mut und Verantwortungsbewusstsein". Er habe mit seinen Worten zu den umstrittenen Rappern dafür gesorgt, "dass nicht der Ruf der gesamten Branche ruiniert ist", sagte Schuster in Würzburg.

"Er hat mit seiner Frage, wo die moralische Schmerzgrenze liegt, genau den wunden Punkt getroffen." Ansonsten sei die Bedeutung des Preises "höchst zweifelhaft geworden". Die jüdische Gemeinschaft wisse den Einsatz von Campino "definitiv zu schätzen".

Campino hatte bei der "Echo"-Verleihung am Donnerstagabend in Berlin die Rapper Kollegah und Farid Bang kritisiert. In einem Liedtext der beiden Musiker heißt es: "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen." Man müsse unterscheiden, ob Provokation ein Stilmittel sei oder dazu diene, andere auszugrenzen, sagte Campino.

"Für mich persönlich ist die Grenze überschritten, wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme, antisemitische Beleidigung geht und die Diskriminierung jeder anderen Religionsform."

Antisemitismusbauftragter verurteilt "Echo"-Ehrung an Rapper

Der neue Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, verurteilte die "Echo"-Ehrung an die Rapper in der "Bild"-Zeitung scharf. Die antisemitischen Songzeilen seien "inakzeptabel" und "einer renommierten Veranstaltung wie der Echo-Verleihung nicht würdig". Solche Zeilen verletzten nicht nur Holocaustüberlebende, sondern auch ihre Familien.

Kritik kam auch von der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch. Sie sprach von einem "verheerenden Zeichen". Mitten in die Debatte um Antisemitismus an Schulen falle nun die Auszeichnung von Musik, die jene Phänomene zu befördern vermöge, so die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

"Wenn am Jom HaSchoa, dem jüdischen Holocaustgedenktag, Rapper ausgezeichnet werden, die sich vorwerfen lassen müssen, bewusst auch mit antisemitischen Ressentiments zu spielen, darf sich niemand wundern, dass 'Jude' in Klassenzimmern wieder Schimpfwort ist."

In den Liedern werden Gewalt und Intoleranz gepriesen

Die Deutsch-Rapper Kollegah und Farid Bang gewannen in der Kategorie Hip-Hop/Urban National den "Echo". Bereits vorab hatte die Nominierung der beiden Musiker zu heftiger Kritik geführt.

Zentralratspräsident Schuster hatte vergangene Woche gesagt: "Während wir von Zuwanderern fordern, dass sie unsere Werte akzeptieren, werden in solchen Liedern Gewalt und Intoleranz gepriesen." Der Bundesverband Musikindustrie hielt jedoch an der Nominierung fest. Er verwies darauf, dass sich ein Ethik-Beirat mehrheitlich gegen einen Ausschluss der Künstler entschieden hatte.

(KNA)

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