14.02.2018

Gedenkstätte für Retter von Juden an neuem Berliner Standort Späte Ehrung für "Stille Helden"

Überlebenshilfe für verfolgte Juden blieb lange nach dem Krieg ohne öffentlichen Dank. In Berlin erinnert eine nun überarbeitete und erweiterte Gedenkstätte an die "Stillen Helden".

Oskar Schindler ist der bekannteste. Unter den Augen der Nationalsozialisten rettete er in seiner Fabrik im polnischen Krakau mindestens 1.100 Juden vor dem Holocaust. Hollywood setzte ihm ein filmisches Denkmal, nachdem seine Verdienste viele Jahre kaum gewürdigt worden waren. So geht es den meisten "Judenrettern" bis heute. An sie erinnert die "Gedenkstätte Stille Helden" in Berlin-Tiergarten. Nun wurde sie nach Neugestaltung und Erweiterung an einem neuen Standort wiedereröffnet.

Seit 2008 war die Gedenkstätte unweit des Alexanderplatzes in der Rosenthaler Straße 39 an historisch bedeutsamer Stelle. Nebenan hatte Otto Weidt in seiner Blindenwerkstatt, heute ein Museum, mehrere Juden über die Nazizeit gerettet. Doch die beengten Raumverhältnisse machten einen Umzug der Gedenkstätte sinnvoll. Nun ist sie in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand untergebracht, im Bendlerblock, von dem aus der Hitler-Attentäter Klaus von Stauffenberg den vergeblichen Umsturzversuch leitete.

Unterschiedliche Motivationen

In zehn Fallgeschichten ist dort nun knapp und doch prägnant dokumentiert, was "Stille Helden" zwischen 1933 und 1945 leisteten. Sie alle einte die Weigerung, den Rassismus der Nationalsozialisten zu akzeptieren. "Doch einen typischen Helfer gab es nicht", betont der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel.

Sie taten es aus religiösen Motiven wie Gertrud Luckner im Auftrag der katholischen Kirche oder aus ganz persönlichen wie Maria von Maltzan, die ihren Geliebten Hans Hirschel versteckte. Manche Helfer kamen unerkannt davon, einige bezahlten ihren Mut wie der Odenwälder Bauer Heinrich List im Konzentrationslager mit dem Leben.

Ein Stoffband mit Helferadressen

Besonders prägen sich die Exponate aus dem persönlichen Besitz von Helfern und Schützlingen ein. So ist ein unscheinbares Nähkästchen von Ilse Rewald mit einem aufnähbaren Judenstern zu sehen, den sie dort bis zu ihrem Tod 2005 aufbewahrte. Noch eindringlicher ist ein Stoffband mit Helferadressen, das sie in der Zeit des Untergrunds in ihren Rocksaum eingenäht hatte. Flaschen mit dem Radierwasser "Tintentod" und Aquarellfarben stammen vom Grafiker Samson "Cioma" Schönhaus, der Pässe fälschte und vor einer drohenden Verhaftung 1943 gerade noch in die Schweiz entkam. Nur noch eine Puppe erinnert indes an die Schwestern Ruth und Brigitte Süssmann, die entdeckt und 1944 in Auschwitz ermordet wurden.

In Deutschland tauchten nach Tuchels Schätzung bis zu 12.000 Juden unter, um ihren Verfolgern zu entkommen. Rund 5.000 gelang dies, davon etwa 1.900 in Berlin. Bekannt sind die Namen von über 3.000 Menschen, die sie dabei unterstützten, Schätzungen gehen von insgesamt bis zu 20.000 aus. Manchmal waren über zehn Helfer notwendig, um ein Leben zu retten. "Sie zeigen, was möglich gewesen wäre, als die meisten Deutschen nichts dagegen unternommen haben", betont Tuchel. "Auch deshalb wurden ihre Verdienste bis in die 60er Jahre kaum gewürdigt."

Blick auf europäische Nachbarn

In den kommenden Jahren soll die Gedenkstätte in Kooperation unter anderem mit der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem auch Retter in anderen europäischen Ländern in den Blick nehmen. Tuchel sieht überdies die Politik gefordert. So sind Judenretter, die etwa wegen gefälschter Lebensmittelkarten verurteilt wurden, noch immer nicht rehabilitiert, weil der Bundestag das nationalsozialistische Kriegswirtschaftsrecht nicht als verbrecherisch einstufte.

Gregor Krumpholz
(KNA)

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