"De Zwarte Madonna", ein Café in einem ehemaligen Kamillianerkirche im niederländischen Vaals
"De Zwarte Madonna", ein Café in einem ehemaligen Kamillianerkirche im niederländischen Vaals
Symbolbild Kirchenaustritt
Symbolbild: Leere Kirchen

11.01.2018

Erzdiözesanbaumeister über zweckentfremdete Kirchen Wenn Kirche zum Café wird

"Kirchengebäude und ihre Zukunft". So heißt eine ab diesem Donnerstag in der Kölner Kulturkirche beginnende Wanderausstellung, die zweckentfremdete Kirchen präsentiert. Ob Gartencenter, Wohnung oder Café – vieles ist möglich.

DOMRADIO.DE: Sie stellen in der Ausstellung die Ergebnisse eines Wettbewerbs der Wüstenrot-Stiftung zu ungenutzten Kirchengebäuden vor. Was ist in Ihren Augen das größte Problem, wenn einst sakrale Räume auf einmal sozusagen zweckentfremdet verwendet werden? 

Martin Struck (Kölner Erzdiözesanbaumeister): Ich denke das größte Problem ist, dass die Kirchen, wie wir sie kennen, von der äußeren Form sofort als Gebäude sprechen. Ich bin Kirche und man assoziiert damit sofort einen Ort des Gebets, einen Ort der Gemeindeversammlung. Und wenn das Gebäude plötzlich anders genutzt wird, spricht dieses Zeichen in der Öffentlichkeit falsch.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet das für die Menschen, die unterwegs sind?  

Struck: Sie bekommen einen Hinweis, sehen einen Kirchturm; kennen das von klein auf, dass ist – so wie es aussieht – eine Kirche und sie gehen hin und plötzlich ist es umgenutzt. Wir kennen das vor allen Dingen aus Holland. Die Kirche ist ein Gartencenter, eine eingerichtete Wohnung und so weiter. Das irritiert. Wenn sie sich später eine Stadt anschauen, sehen sie zwar überall Kirchen, aber sie wissen nicht mehr, ob das tatsächlich ein Ort der Transzendenz, des Gebets ist. 

DOMRADIO.DE: Was bedeutet es aus baulicher Sicht, wenn man aus einer Kirche irgendetwas anderes machen will? Ein Gartencenter, eine Buchhandlung oder eine Wohnung? 

Struck: Das ist sicherlich zunächst ein Problem der Denkmalpflege, weil viele unserer Kirchen Denkmäler sind. Kirchen sind oft die historischen Gebäude in einem Ort, die von Generationen bekannt sind. Das heißt, dort muss man sich der Denkmalpflege entsprechend verhalten; schauen, was an Änderungen möglich ist, um den Bau in seiner Originalsubstanz zu erhalten. Dann gibt es natürlich eine Menge technischer Probleme.

Kirchen sind keine Versammlungsstätten, von der Rechtsgrundlage her. Damit sind wir privilegiert. Es braucht keine Parkplätze, keine Lüftungsanlage und so weiter. Wenn man plötzlich etwas anderes darin unterbringt, muss man diese gesetzlichen Bestimmungen, die für Versammlungsstätten vorgeschrieben sind, erfüllen. Dann muss man Parkplätze und Toiletten einrichten, was immer mit großem baulichem Aufwand verbunden ist und mit der Denkmalpflege kollidiert.

DOMRADIO.DE: Gibt es denn Beispiele, bei denen die Umnutzung gut gelungen ist? 

Struck: Es gibt prämierte Arbeiten. In Dortmund ist aus einer evangelischen Kirche ein Zentrum gemacht worden, in dem soziale und diakonische Dienste angeboten werden. Da gibt es auch noch einen kleinen Gottesdienstraum. Diese Zeichenhaftigkeit halte ich bei dem ganzen Thema für immens wichtig: Dass man versuchen sollte, irgendwie noch die Möglichkeit zu belassen, dass man einen Raum für das Gebet hat – auch wenn es sich nur um eine kleine Kapelle handelt. 

DOMRADIO.DE: Unter Umständen ist es ja sehr schmerzlich für Gläubige, wenn die Kirche, in der sie etwa einst getraut wurden oder ihre Kinder taufen ließen, plötzlich ein Café beherbergt. Wie könnte dieser Schmerz aufgefangen werden?

Struck: Vielleicht wäre es eine Lösung, wenn irgendeine Art von Sakralraum verbliebe, selbst wenn 90 Prozent der Kirche umgenutzt werden: damit die Umnutzung nicht ins Leere spricht, sondern die Leute dort an die Sakramente denken können, die sie damals dort empfangen haben. Ich denke, das ist eine Möglichkeit diesen Schmerz zu lindern. 

Das Gespräch führte Heike Sicconi. 

(DR)

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