Der Kölner Dom
Die Spitzen des Kölner Doms im Abendlicht

04.09.2017

Architekt Zwirner verhalf zum Kölner Weiterbau "Werk echt deutscher Kunst"

Er lernte beim großen preußischen Architekten Schinkel. Der riet ihm zu Geduld, als es um den Weiterbau des Kölner Doms ging. Doch Ernst Friedrich Zwirner wollte nicht kleckern, sondern klotzen - und setzte sich durch.

Das große Stadtfest zum Weiterbau des mittelalterlichen Doms am 4. September 1842 war nicht nur ein Triumph für das katholische Köln. Es war auch ein Triumph für den schlesischen Protestanten Ernst Friedrich Zwirner.
Preußens König Friedrich Wilhelm IV. selbst legte den Grundstein, und Dombaumeister Zwirner hielt eine Rede, die in ihrem nationalen Pathos die Bedeutung des Kölner Doms als Symbol der unvollendeten deutschen Nation widerspiegelt: "Der Dom ist ein Werk echt deutscher Kunst, die leider so lange gering geachtet wurde, als der Geist der Deutschen in schnöder Entzweiung jene höhere Kraft zersplitterte, durch die allein nur Großes geschaffen werden kann."

Star der Architekturszene

1802 im oberschlesischen Jakobswalde geboren, verspürte Zwirner, der Sohn eines Hütteninspektors, schon früh eine Neigung zu Handwerk und Technik; es zog ihn zum Studium an die Berliner Bauakademie. Bald schon wurde einer seiner Professoren auf ihn aufmerksam: Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), Star der preußischen Architekturszene.

Doch trotz dessen nachdrücklicher Empfehlung wollte sich ein gut dotierter Posten zunächst nicht einstellen. Erst 1833 erreichte Zwirner die Nachricht der Beförderung zum "2.ten Landbau-Inspektor des Regierungs-Bezirks Coeln". Sein Job: die Leitung des dortigen Dom-Herstellungsbaues. Sie sollte seine Lebensaufgabe werden.

Lob der Ungeduld

Zwirner ging als preußischer Amtsträger am Rhein mit Eifer an die Arbeit. Allerdings drückte den Staatshaushalt immer noch die Beseitigung der Schäden der Befreiungskriege gegen Napoleon; der "Luxus" eines Fortbaus des Doms war keineswegs einfach durchzusetzen.

Auch sein mit dem Budget vertrauter Lehrer Schinkel mahnte den ungeduldigen Zwirner, sich vorerst mit einer Sanierung der mittelalterlichen Bauteile zu bescheiden. Dennoch entwarf auch er Pläne für eine Vollendung des Doms - im Rohbau. Alle Ornamentierung sollte besseren Zeiten überlassen werden.

Doch am Ende gelang es Zwirner, seinen Lehrer von einer Ausführung "en detail" zu überzeugen - und letztlich auch den König großzügig zu stimmen. Im Januar 1842 ordnete Friedrich Wilhelm IV. den Weiterbau nach Zwirners Plänen an. Die Arbeiten schritten zunächst gut voran. Zwirner hatte eine Dombauhütte nach mittelalterlichem Vorbild organisiert, an der zeitweilig mehr als 500 Mann beschäftigt waren.

Höchstes Bauwerk der Stadt

Die preußische Haushaltsmisere und die politische Revolution von 1848 brachten jedoch einen ernsten Rückschlag. Dennoch konnten bis 1855 das Westportal sowie Portal und Fassade des südlichen Querhauses eingeweiht werden - letzteres damals mit 70 Metern höchstes Bauwerk der Stadt. Es wird heute als europäischer Höhepunkt der Neugotik eingestuft.

Zwirner ist vor allem als Baumeister des gotischen Doms bekannt. Sein Kunstschaffen im Rheinland ging jedoch wesentlich weiter: Dutzende Pfarrkirchen wurden nach seinen Plänen gebaut oder renoviert. Als sein zweites Hauptwerk gilt die Klosterkirche auf dem Apollinarisberg in Remagen (1839-1857). Sein letztes größeres Werk war die orientalische Synagoge in der Kölner Glockengasse (1857-1861).

Vollendung einer Lebensaufgabe

Die Vollendung seiner Lebensaufgabe, des Kölner Doms, erlebte Zwirner nicht mehr. Am 15. Oktober 1860, dem Geburtstag des bereits schwer kranken Königs, setzte der Dombaumeister noch den goldenen Morgenstern auf die Spitze des Dachreiters auf der Vierung. Am Tag nach Neujahr 1861 starb Friedrich Wilhelm IV. Nur wenige Monate darauf folgte ihm Zwirner: Erst 59 Jahre alt, erlag er am 22. September 1861 den Folgen eines Herzinfarkts. "Sein" Dom wurde erst 1880 fertiggestellt.

Andreas Otto
(KNA)

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