Das von Gerhard Richter gestaltete Fenster im Kölner Dom
Das von Gerhard Richter gestaltete Fenster im Kölner Dom
Kölner Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner
Kölner Ex-Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner

25.08.2017

Kölner Ex-Dombaumeisterin zur Entstehung des Richter-Fensters "Spannende Zusammenarbeit"

Vor zehn Jahren wurde das aus über 11.200 Farbquadraten bestehende Richter-Fenster im Kölner Dom eingeweiht. Wie es dazu kam, verrät die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner gegenüber domradio.de.

domradio.de: "So eine gute Chefin hatte ich noch nie", sagte Gerhard Richter über Sie, die damalige Kölner Dombaumeisterin Schock-Werner. Das ist doch ein schönes Kompliment, oder?

Prof. Dr. Barbara Schock-Werner (ehemalige Kölner Dombaumeisterin): Das habe ich auch als Kompliment empfunden, ja. Es war die Folge von fünf Jahren intensiver, befriedigender Zusammenarbeit. Gerhard Richter war ein Mann, der gut zuhören konnte und wenn ich sagte "Jetzt ist es zu grün", dann nahm er das an. Es war eine spannende Zusammenarbeit.

domradio.de: War er denn von Anfang an begeistert als Sie ihm den "Floh" ins Ohr gesetzt haben, ein Fenster für den Kölner Dom zu machen?

Schock-Werner: Ich habe ihn auf der Geburtstagsfeier des heutigen Würzburger Bischofs Friedhelm Hofmann gefragt. Damals suchte ich nach einer Lösung für das neu zu verglasende Fenster. Als ich ihn bei der Feier sah, dachte ich: "Er müsste es eigentlich können." Ich habe ihn gefragt, ob er Lust hat, einen Entwurf für ein Glasfenster im Kölner Dom zu machen. Dann sagte er in seiner sehr zurückhaltenden Art: "Ich kann das ja mal probieren." Und fügte sofort hinzu: "Aber dafür nehme ich auf gar keinen Fall Geld."

Das war schon einmal ein guter Anfang. Er hat zunächst figürlich angefangen, uns dann aber erklärt, dass dies an dieser Stelle überhaupt nicht ginge. Das Endergebnis sehen wir heute.

domradio.de: Über die Farbquadrate war der verstorbene Erzbischof Kardinal Meisner überhaupt nicht begeistert, um es vorsichtig auszudrücken. Wie konnten Sie sich trotzdem durchsetzen?

Schock-Werner: Ich persönlich bekam ja keinen Widerstand. Als ich den ersten Fensterentwurf dem Domkapitel vorstellte, wurden noch zwei andere Experten herangezogen. Wir alle drei stimmten für Richter. Daraufhin stimmte das Domkapitel - wenn ich es richtig im Kopf habe - mit einer Enthaltung dafür, dass er weiterarbeiten durfte. Als der Entwurf stand, stimmten alle für die Umsetzung.

Der Widerstand kam seitens des Erzbischofs. Es ging trotzdem durch, weil es dreimal durchs Kapitel gegangen war und dreimal Zustimmung erfahren hat.

domradio.de: Bis heute gibt es kritische Stimmen zum Richter-Fenster, weil es so abstrakt ist. Können Sie diese Kritik verstehen?

Schock-Werner: Nein, Abstraktion ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts ein Phänomen und die Obergartenfenster, die nach dem Krieg eingeführt wurden, sind ja auch abstrakte Fenster. Der Vorgänger zum Richter-Fenster war auch abstrakt. Nun ist es nicht so demonstrativ abstrakt wie Gerhard Richter, aber wenn man sich davorsetzt, ist man doch fasziniert.

Ich erlebe eine positive Resonanz. 80 Prozent aller Besucher finden das Fenster sogar höchst faszinierend und sind begeistert. Mehr können Sie doch gar nicht erreichen. Etwas zu machen, dass jedem gefällt, kann einem im Leben nicht gelingen. Hätten wir ein bildnerisches Fenster gemacht, wäre die Kritik genau umgekehrt gewesen.

domradio.de: Was würden Sie rückblickend sagen - haben Sie alles richtig gemacht?

Schock-Werner: Ich habe es zumindest versucht. Wenn ich das Ergebnis heute sehe, dann finde ich schon, dass wir es richtig gemacht haben.

Das Gespräch führte Tobias Fricke.

(dr)

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