Domherrenfriedhof des Bistums Speyer: Helmut Kohls letzte Ruhestätte
Domherrenfriedhof des Bistums Speyer: Helmut Kohls letzte Ruhestätte

21.06.2017

Altkanzler wird neben dem Domherrenfriedhof in Speyer bestattet Symbolträchtige Grabstätte für Helmut Kohl

Altkanzler Helmut Kohl wird am 1. Juli in Speyer bestattet - am Rande des Domherrenfriedhof. Die Stätte entspricht dem Wunsch des Altkanzlers. Der Ort ist geschichtsträchtig und repräsentiert Kohls Nähe zur katholischen Kirche. 

Diese letzte Ruhestätte hat sich Kohl laut "Bild" selbst gewünscht, dies sei 2015 verabredet worden. Kohl wird damit nicht an der Seite seiner ersten Ehefrau Hannelore in Ludwigshafen beigesetzt, bestätigte das Bistum Speyer entsprechende Berichte.

Die Speyerer Grabstätte befindet sich am Rande des Domherrenfriedhofs neben der Friedenskirche Sankt Bernhard am Rande der Altstadt. Der Ort ist geschichtsträchtig und verbindet gleich mehrere Anliegen, die Kohl wichtig waren: Zum einen symbolisiert das Gotteshaus die deutsch-französische Aussöhnung, zum anderen repräsentiert die Grablege auch räumlich Kohls Nähe zur katholischen Kirche.

Ein Zeichen der Versöhnung 

Nach dem Zweiten Weltkrieg erbauten deutsche und französische Katholiken die Friedenskirche als Zeichen der Versöhnung. Zur Grundsteinlegung 1953 kamen mit Heinrich von Brentano und Robert Schuman nicht nur die Außenminister beider Länder - auch Konrad Adenauer war nach Speyer gereist. Der erste Kanzler, für Kohl ein Vorbild, sagte damals, jeder solle sich an seinem Platz für Frieden und Freiheit einsetzen. Es ging um das Symbol für ein neues, ein friedliches Europa.

Außergewöhnlich an der bewusst schlicht gehaltenen Kirche ist neben dem frei stehenden Glockenturm die Krypta, der eigentliche Mittelpunkt des Friedensgedenkens. In Wandnischen der Pax-Christi-Kapelle wurde Erde aus allen Kontinenten eingelassen - beispielsweise aus Nagasaki, aus Kursk, aus Auschwitz oder von französischen Kriegsfriedhöfen. Kohl, der in Ludwigshafen und damit im Grenzbistum Speyer aufwuchs, lag das Verhältnis zu Frankreich immer am Herzen.

Draht zu Bischöfen und Kardinälen

Im Schatten der Kirche finden seit Jahren Mitglieder des Domkapitels ihre letzte Ruhestätte. Das kleine Areal geht in den Adenauerpark über, eine von zwei innerstädtischen Verkehrsachsen begrenzte, rund eineinhalb Hektar große Grünanlage. 1958 wurde die Fläche, die früher ebenfalls ein Friedhof war, in einen Park umgestaltet, den neben Spielgeräten ein uralter Baumbestand und eine kleine gotische Kapelle prägen. Im Sommer wird hier ab und an Kammermusik aufgeführt. Und von dieser Seite aus wird auch Kohls Grabstätte besuchbar sein, auch wenn der Grund der Grabstätte zum Domherrenfriedhof und damit der katholischen Kirche gehört.

Seine Herkunft aus einer katholisch geprägten Familie verleugnete Kohl nie - und hielt auch als Kanzler den Draht zu Bischöfen und Kardinälen. Gegenstand vieler Spekulationen waren seine Waldspaziergänge mit dem Mainzer Bischof und späteren Kardinal Karl Lehmann. Das gegenseitige Interesse war so stark, dass Joseph Ratzinger, nachdem er Papst war und Deutschland besuchte, Kohl in Freiburg in Privataudienz treffen wollte und traf. Trotz aller persönlichen Überzeugung - Kohls Verhältnis zu den Kirchen war nicht nur selbstlos. Er wusste, welche Klientel ihn ins Kanzleramt gewählt hatte.

Glaubhaftes Engagement 

Im Regierungshandeln vermied Kohl es, "seine" Kirche zu bevorzugen. Innerkirchlich galt er als eher fortschrittlich. Der regelmäßige Kirchgänger war, auch durch seine Ehe mit der Protestantin Hannelore Kohl, ein überzeugter Verfechter der Ökumene. Wenn ihm etwas nicht passte, bezog er auch innerkatholisch Position. Kohls Engagement war glaubhaft: Er setzte sich, öffentlich unbeachtet, für die Berliner Guardini-Professur für Religionsphilosophie ein, trug dazu bei, dass die Sternsingeraktion ein großes Hilfswerk wurde, und engagierte sich für den Neubau der Heidelberger Hochschule für Jüdische Studien.

Kohls liebstes Ehrenamt war aber das des Chefs der "Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer". Das hatte sehr private Gründe: In den Kriegsjahren fand er dort Schutz vor Fliegerangriffen. Später, als Kanzler, führte der Pfälzer Jacques Chirac, Margaret Thatcher, Michail Gorbatschow, George Bush, Vaclav Havel, Boris Jelzin, John Major, König Juan Carlos und viele andere durch die Kirche. Hier findet auch das Requiem statt nach dem ersten Europäischen Trauerakt im EU-Parlament in Straßburg.

Michael Jacquemain
(KNA)

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