Bischof Hanke beim Klettern
Bischof Hanke beim Klettern
Extremkletterer Thomas Huber
Extremkletterer Thomas Huber

11.05.2017

Alpiner Fan-Talk in der Katholischen Akademie Ein Extremkletterer und ein Kirchenmann kommen sich näher

Felsakrobat trifft Bischof. Am Mittwochabend begegneten sich im Münchner Kardinal-Wendel-Haus zwei Welten mit einem gemeinsamen Thema: Berge und Berufung.

Der Eichstätter katholische Bischof Gregor Maria Hanke hat nicht nur ein Faible für gregorianische Gesänge, sondern auch für die Vertikale. Am Mittwochabend bot ihm die Katholische Akademie in Bayern die Gelegenheit, einen von ihm bewunderten Extremkletterer zu treffen: Thomas Huber, älterer Teil des berühmten Bergsteiger-Brüderpaars "Huber-Buam" aus dem Chiemgau. Es wurde ein kurzweiliger Abend, ein alpiner Fan-Talk mit besinnlicher Note - und einigen überraschenden Bekenntnissen.

"Du kletterst ganz lässig, Gregor", eröffnet Huber das Gespräch mit einem freundlichen Kompliment. "Du übertreibst, Kreisklasse trifft Champions League", gibt der nur in seiner knappen Freizeit bergsteigende Benediktiner-Bischof bescheiden zurück. Dieser vertrauliche Ton zieht sich durch den weiteren Abend, dabei haben sich die beiden gerade erst persönlich kennengelernt. Offen lassen sie das Publikum an ihrer Neugierde aufeinander teilhaben und machen so den Moderater schon bald überflüssig. Zeichen einer gelungenen Begegnung.

"Auf Schlangenlinien"

"Erzähl doch mal, Thomas, was hat Dich bewegt, mit Deinem Bruder einen neuen Geschwindigkeitsrekord in einer Route am El Capitan in Kalifornien aufzustellen?", fragt der Bischof. Und wie war das kurz vor Silvester in der Eiger-Nordwand? Huber lässt sich nicht lange vom Bischof bitten. Doch er hat genauso ein paar Fragen an den Kirchenmann: "Ich war auch mal fanatischer Ministrant, dieses Priesterding hätt' mich interessiert, aber die Mädels haben mich auch interessiert, wann bist Du Deinen geistlichen Weg gegangen, Gregor?" Und der Bischof berichtet, dass er nicht geradlinig, sondern eher "auf Schlangenlinien" bis zum Eintritt ins Kloster unterwegs war.

"Bewusste Abschiede zelebrieren"

Zwei Berufene tauschen sich da über eine gemeinsame Leidenschaft aus, die sie bei allen Unterschieden im Lebensweg verbindet: über die Magie der Berge, über Sehnsucht und Scheitern, Ängste und Abschiede. Wenn Thomas Huber in sein nächstes Abenteuer aufbricht, geht er mit seiner Familie in die Kirche und verspricht ihnen, heil zurück zu kommen. "Einen solchen bewussten Abschied sollten wir öfter zelebrieren im Alltag." Und er bekennt, dass er sich darüber freut, dass Ordensschwester Theodolinde Mehltretter dann für ihn betet. Die ehemalige Generaloberin der Barmherzigen Schwestern ist mit ihm seit längerem befreundet.

Sie schickt ihm auch Schutzengel, verrät die Ordensfrau an diesem Abend. Im vergangenen Sommer hatte der 50-Jährige davon eine ganze Schar nötig. Einen Absturz aus 16 Metern bis zum Boden überlebte er ohne bleibende Schäden. "Mehr als ein Wunder", sagt er. "Eigentlich hätte ich nicht mehr leben dürfen." Aber seither habe er keine Angst mehr vor dem Tod. Denn der komme sowieso - früher oder später. Statt sich darüber den Kopf zu zerbrechen, sollte man doch lieber das Leben feiern, findet der Rockmusiker mit abgebrochenem Lehramtsstudium.

Hilfe vom "privaten Kletterheiligen"

Die Geschichte entlockt dem Bischof das Geständnis, dass auch er am Fels auf einen "privaten Kletterheiligen" setzt. "Wenn die Nähmaschine kommt" - so nennen Kletterer das Zittern der Beine und Füße, wenn die Kraft ausgeht - "sage ich Hans, hilf mir, und das klappt". Hans ist ein verstorbener Lehrer Hankes. "Der hat sich damals nicht mehr eingekriegt vor Glück, dass ich zum Klettern gekommen bin."

Mit ihren Bergerfahrungen gehen beide auch missionarisch um. Huber kommt an diesem Abend von einem Motivationsvortrag für "young professionals", der Bischof nimmt zu seinen Firmpredigten gern ein Seil mit. "Firmung heißt: Gott nimmt Dich ans Seil. Du kannst Dich auf ihn verlassen. So kapieren die jungen Leute, worum es geht beim Heiligen Geist." Hat der große Huber-Bua da gerade still genickt?

Am Ende lädt der Chiemgauer Kraftkerl den Bischof auf eine gemeinsame Tour ein. "Sollen wir's mal miteinander anpacken?" Der 13 Jahre Ältere ziert sich: "Seit wann willst Du Seniorenbetreuung machen?" Aber viele Akademiegäste sagen nachher, so locker hätten sie Hanke noch nie erlebt.

Christoph Renzikowski
(KNA)

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