Der Künstler Markus Lüpertz zwischen Plastiken von Max Klinger und eigenen Arbeiten
Der Künstler Markus Lüpertz zwischen Plastiken von Max Klinger und eigenen Arbeiten
Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann
Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann

04.04.2017

Maler Lüpertz und Bischof Hofmann reden über Kunst und Kirche Wer malt, der glaubt

Die evangelische Kirche als kulturlose Instanz und Seitenhiebe auf Gerhard Richter - Künstler Markus Lüpertz sorgt zusammen mit Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann für einen kurzweiligen Abend im Museum.

"Ich habe mein Leben mit dem Bewusstsein gelebt, dass ich ein Genie bin." Markus Lüpertz sitzt im Ledersessel, den Gehstock mit Silberknauf neben sich auf dem Boden. Alle Künstler würden das glauben. Nur er sei so "geschwätzig", dies auch offen zu bekennen. Lüpertz, der Künstler, tritt selbstbewusst und provokant auf im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt. Zusammen mit dem Würzburger katholischen Bischof Friedhelm Hofmann beschert er so den Zuhörern einen kurzweiligen Montagabend.

Dabei sind sich Künstler und Kirchenmann, die die Katholische Akademie in Bayern aus Anlass ihres 60-jährigen Bestehens zusammengebracht hat, gar nicht so unähnlich. Der eine schon 75 Jahre alt, der andere wird es bald. Der eine vom Rheinland geprägt, der andere ein echter Rheinländer. Beide haben konfessionsverschiedene Elternhäuser erlebt: Hofmann eine katholische Mutter und einen evangelischen Vater. Bei Lüpertz ist es umgekehrt. Er ist zunächst evangelisch, um dann doch katholisch zu werden.

Kulturelle Verantwortung

Warum? Seine Erklärung ist die erste Spitze des Abends: Die katholische Kirche habe noch eine große kulturelle Verantwortung, die die evangelische Kirche nicht mehr wahrnehme und sich damit der Gottlosigkeit hingebe. Immer wieder schafft er Kunst für die Kirche, etwa die Kirchenfenster für Sankt Andreas in Köln oder nun für Sankt Elisabeth in Bamberg - auch wenn da noch nicht die Finanzierung der insgesamt acht Werke aus Spenden gesichert ist.

"Künstler sind die Augen Gottes in den Menschen", so definiert Lüpertz seine Zunft. Später dann hält er noch ein flammendes Plädoyer für die Kirche, die mit ihrer kulturellen Potenz überleben werde. Vor allem sei sie für die Menschen nötig, um sich gegen Sekten und andere aggressive Formen der Religion zu behaupten. Hofmann wiederum sieht die Kirche in der Pflicht, den Menschen die Augen für Kunst, auch moderne, zu öffnen.

Michelangelo, Goya oder Rembrandt

Spannend wird es, wenn Lüpertz provoziert, wenn er etwa die bildende Kunst für die einzig wahre erklärt, das Malen zur Königsdisziplin erhebt. Denn hier gelte es, mit Pinsel, Farbe und Leinwand fertig zu werden, sich an Michelangelo, Goya oder Rembrandt zu messen.

Dafür brauche es eben diesen Glauben, ein Genie zu sein, dieses immense Selbstbewusstsein des Künstlers, so Lüpertz. "Wenn er malt, glaubt er es." Der Bischof erinnert an diesem Punkt an seine Jugend, als in der Volksmission ein Pater danach fragte, wer sich für heilig halte. "In diesem Moment zeigte kein Mensch auf, aber innerlich dachte ich: schön wäre es." Es gehe darum, ein inneres Feuer zu haben, berufen zu sein, im Auftrag Gottes in diese Welt hinein zu reden, sagt Hofmann. Eine wichtige Aufgabe, wie Lüpertz erkennen lässt.

Und doch begegnen sich der Kirchenmann und der Künstler an diesem Gesprächsabend nicht nur harmonisch - vor allem, wenn es um andere Künstler geht. Lüpertz teilt kräftig aus, spottet. Über Georg

Kollegen und Konkurrenten

Baselitz: "Eigentlich ist es scheißegal, was er malt, Hauptsache es steht auf dem Kopf." Die Werke von Joseph Beuys? Sie hätten ihre Berechtigung in ihrer Zeit, der Avantgarde gehabt. Doch heute sei es nur "dummes Zeug", "Devotionalien einer ganz bestimmten Zeit".

Gerhard Richter wiederum verwische seine Bilder, entweder mit Spachtel oder Pinsel. Ein ausgeprägter Stil sei immer nur eine Form von Dilettantismus.

Hofmann muss da widersprechen, schließlich verbindet den kunstsinnigen Bischof eine Freundschaft mit Richter. Der Maler sei auf der Suche nach Wirklichkeit, nach Transzendenz und nach dem das den Menschen Übersteigende. Aber er wisse, dass er dies nicht erreichen werde. Schön sei das gesagt, erwidert Lüpertz. Um dann später noch dessen Glasfenster für den Kölner Dom ins Visier zu nehmen, für die Hofmann als Weihbischof von Köln kämpfte. "Gerhard Richter war der moderne, ich war der verkackte Alte." Womit Lüpertz einmal mehr sein Image an diesem Abend pflegt, gerne auch mal überheblich zu sein.

Christian Wölfel
(KNA)

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