Schlussapplaus nach dem Eröffnungskonzert in der Elbphilharmonie
Schlussapplaus nach dem Eröffnungskonzert in der Elbphilharmonie
Erzbischof Stefan Heße
Erzbischof Stefan Heße
Eröffnung der Elbphilharmonie
Eröffnung der Elbphilharmonie

12.01.2017

Erzbischof Heße zur Eröffnung der Elbphilharmonie Aha-Effekte

Wie ein glitzernder Kristall erhebt sich die Hamburger Elbphilharmonie über der Elbe. Mittwochabend wurde der neue Kulturpalast eröffnet. Unter den Gästen war auch Hamburgs Erzbischof Stefan Heße - schwer beeindruckt, wie er sagte.

domradio.de: Es hat ja mit der Premiere ein bisschen gedauert, weil Kanzlerin und Bundespräsident wetterbedingt Verspätung hatten. Aber wer zehn Jahre wartet, kann auch noch eine halbe Stunde länger warten. Oder wie hat man das am Abend gesehen?

Dr. Stefan Heße (Erzbischof von Hamburg): Das war kein großes Problem. Wir haben mitbekommen, dass offenbar in Berlin Schnee gefallen ist und die Polit-Spitzen deswegen nicht pünktlich weg kamen. Aber man hat in der Zeit viele Leute getroffen, kam ins Gespräch, konnte die Architektur bewundern oder nach draußen schauen. Von daher ist es überhaupt nicht langweilig geworden. Ich persönlich warte auch noch keine zehn Jahre, sondern bin erst seit anderthalb Jahren hier in Hamburg. Das war also alles insgesamt verkraftbar.

domradio.de: Generalintendant Christoph Lieben-Seutter hat gesagt, die Elbphilharmonie sei noch viel fantastischer geworden, als er sich das vor zehn Jahren vorstellen konnte. Wie war Ihr Eindruck?

Heße: Ich bin zum ersten Mal drin gewesen und kannte die Elbphilharmonie bisher nur von außen. Sie ist schon recht imposant, weil sie ein bisschen durch die wellige Architektur und die Zwischenräume, die dadurch eröffnet werden, wie ein funkelnder Stein wirkt. Jetzt bin ich das erste Mal reingekommen. Das war schon ein Aha-Effekt, den man hat, wenn man diesen Konzertsaal sieht, der überhaupt nicht langweilig ist. Man darf es sich nicht so vorstellen, dass es eine Bühne mit 1.100 Plätzen davor gibt. Die Plätze sind vielmehr im Raum rund um die Bühne auf verschiedenen Höhenniveaus verteilt, so dass immer kleine Besuchergruppen in verschiedenen Partien des Raumes zusammen sind. Damit wird der Raum schön untergliedert. Man hat das Gefühl, beieinander zu sein, aber nicht in einer riesigen Masse zu verschwinden. Ich finde es sehr gelungen. Es ist ein sehr wohlharmonierter Raum.

domradio.de: Der ehemalige Bürgermeister Ole van Beust hat große verbale Geschütze aufgefahren und gesagt, dass die Elbphilharmonie mal so sein wird wie der Eiffelturm oder der Tower in London oder die Oper in Sydney. Stimmt die Dimension?

Heße: Für Hamburger stimmt sie auf jeden Fall. Man kann jetzt schon sagen, dass in den ersten Wochen, seitdem die "Plaza", die Aussichtsplattform, von der man einen wunderbaren Blick hat, eröffnet ist, rund eine halbe Million Menschen dorthin "gepilgert" sind. Ich selbst habe versucht, mir ein paar Karten zu besorgen. Ich war überrascht, dass es nicht so exorbitant teuer ist. Es gibt natürlich auch teure Karten, aber ebenso günstige Karten. Aber man kommt nicht dran. Das Ganze ist schon weit über die Eröffnungsphase ausverkauft. Daran sieht man, dass die Elbphilharmonie ein Magnet ist. Die Leute kommen und das wird die Anziehungskraft von Hamburg noch einmal weiter stärken.

domradio.de: "Elphie" ist den Hamburgern lieb und teuer. Tatsächlich sollte das Gebäude den Steuerzahler 77 Millionen Euro kosten, am Ende wurde es das Zehnfache. Im Vergleich zum Berliner Flughafen ist das natürlich alles harmlos. Aber trotzdem: Kriegt man das an so einem Abend aus dem Kopf?

Heße: Der Bundespräsident hat es in seiner Rede mit launigen Worten eingefügt. Aber interessant war, dass die Menschen bei diesem Thema inzwischen eher ein Lächeln zeigen. Hier in Hamburg selbst kann ich beobachten, dass, seitdem die Vollendung des Bauwerks und die Inbetriebnahme feststehen, die Themen Kosten und Dauer total in den Hintergrund gerückt sind. Kaum jemand spricht noch darüber. Die Stimmung ist in grenzenlose Begeisterung umgeschlagen.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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