René Levy Maduro in der Mikvé Israel-Emanuel Synagoge in Willemstad, Curacao
René Levy Maduro in der Mikvé Israel-Emanuel Synagoge in Willemstad, Curacao

07.01.2017

Auf Curacao steht eine der ältesten Synagogen der Neuen Welt Jüdische Kultur in der Karibik

Seit mehr als 350 Jahren leben Juden auf Curacao, ihre Synagoge zählt zu den ältesten der Neuen Welt. Auch ein antisemitischer Gouverneur, Abspaltungen und ein skurriler Orgelbau konnten ihnen nichts anhaben.

Der Gouverneur der Antillen-Insel Curacao, damals eine niederländische Kolonie, mochte Juden nicht. In einem Brief an seinen Arbeitgeber, die West-Indien-Kompanie, bat Peter Stuyvesant darum, möglichst alle Juden aus den Kolonien zu entfernen. Ein halbes Jahr später erhielt Stuyvesant Antwort - heute ist die jüdische Gemeinde Curacaos eine der ältesten durchgängig praktizierenden in der westlichen Hemisphäre.

"Mein Verdacht ist, dass in dem Rat der 19 Männer, die damals die Kompanie leitete, mindestens ein Jude war", sagt Rene Levy Maduro. Anders könne er sich nicht erklären, dass dem mächtigen Stuyvesant seine Bitte ausgeschlagen wurde. Maduro ist 76 Jahre alt und ein wandelndes Geschichtsbuch, wenn es um die jüdische Geschichte auf Curacao geht. 25 Jahre lang saß er im Rat der Kongregation der Mikve Israel-Emanuel Synagogue in Willemstad.

Die jüdische Gemeinde existiert seit 1651. Im 17. Jahrhundert flohen viele Juden vor der Inquisition aus Spanien und Portugal und kamen über Amsterdam auch in die Karibik. Zunächst bewarben sich zwölf jüdische Familien bei der West-Indien-Kompanie - als Pflanzer, um das karge trockene Eiland urbar zu machen. "Aber wir sind eigentlich keine Pflanzer, wir sind Händler", sagt Maduro. Und so ließen sie nach einigen Jahren Hacke und Spaten fallen und zogen hinein nach Willemstad.

Schnelle Blüte jüdischen Lebens

Das jüdische Leben auf Curacao kam zu einer schnellen Blüte. Ende des 17. Jahrhunderts lebten hier rund 2.000 Juden - fast die Hälfte der weißen Bevölkerung. Eine wachsende Gemeinde braucht Platz, um ihren Glauben ausüben zu können. Zunächst reichten einige Wohnhäuser; irgendwann musste eine richtige Synagoge her.

Die Synagoge, die heute noch in der Straße Hanchi Snoa steht, stammt aus dem Jahr 1732. Sie ist, wie Maduro herausfand, die Erweiterung eines Bauwerks, das noch mal rund 30 Jahre älter sei. Ein gemauertes Fundament, das er bei Renovierungen hinter dem hölzernen Thoraschrein entdeckte, brachte ihn auf diese Spur.

Baulich fast unverändert

Das Gebäude blieb bis heute baulich unverändert. Architektonisches Vorbild war die Synagoge in Amsterdam. Die Mikve Israel-Emanuel Synagogue in Willemstad ist quasi eine Miniaturausgabe im Maßstab eins zu vier; rund 600 Menschen finden hier Platz.

Eine Besonderheit findet man aber nur in Curacao: Der Boden ist mit Sand bedeckt. "Das hat drei Gründe", sagt Maduro. Einen biblischen, wonach dies die Wüste Ägyptens symbolisieren soll, durch die die Juden laut Altem Testament 40 Jahre lang zogen. Die zweite Herleitung bezieht sich auf die Ankündigung Gottes an den hochbetagten Abraham, er werde einen Sohn bekommen und Nachkommen, so zahlreich wie der sprichwörtliche Sand am Meer.

Sand zur Geheimhaltung

Der dritte Grund fand durch Reiseführer die weiteste Verbreitung. Die sephardischen Juden, die nach Curacao kamen, mussten ihren Glauben in Spanien und Portugal im Geheimen ausüben. Also streuten sie auf die Dachböden der Häuser, in denen sie sich zum Beten trafen, Sand - um ihre Schritte zu dämpfen und den Inquisitoren zu entgehen.

Dass die sephardische jüdische Gemeinde von Curacao heute nur noch rund 175 Mitglieder zählt, hat auch mit einer Abspaltung Mitte des 19. Jahrhunderts zu tun. Anhänger des Reformjudentums, die es auch in Willemstad zunehmend gab, waren mit der orthodoxen Ausrichtung der Gemeinde unzufrieden. Rund 50 Familien gründeten einige Straßen weiter den Tempel Emanuel. Heute ist nur noch der Tempel selbst übrig - als Sitz der Staatsanwaltschaft von Curacao.

Dazu noch eine Orgel

Die Mitglieder der Mikve Israel-Emanuel Synagogue standen im 19. Jahrhundert vor einer weiteren Herausforderung: dem Bau einer Orgel. "Der damalige Rabbi wollte mehr Musik in den Gottesdiensten und schrieb einen Brief nach Amsterdam mit der Bitte um Erlaubnis", erzählt Maduro. Zum Entsetzen vieler Gemeindemitglieder wurde diese erteilt. Dadurch wurden Baumaßnahmen im Inneren der Synagoge nötig; zudem musste der Balkon erweitert werden.

Und die Orgel brachte weitere Probleme: "Kein Jude durfte sie während des Gottesdienstes spielen oder den Blasebalg betätigen. Beides wäre als Arbeit am Sabbat angesehen worden", erklärt Maduro. Die Folge: Das Instrument wurde nur selten genutzt, seit den 1950er Jahren verstaubte es vollends. Erst zum 350. Geburtstag der Kongregation erklang die Orgel wieder.

Musik zur Erhaltung

Heute ist sie auch ein Instrument, um Geld für die Erhaltung der Synagoge einzuspielen. 35.000 bis 40.000 US-Dollar werden dafür jährlich benötigt. Hinzu kommen die Kosten für acht Arbeitsplätze - nicht zu stemmen für die 175 Gemeindemitglieder. Selbst die Eintrittsgelder von Touristen und die Orgelkonzerte reichen kaum aus.
"Wir leben von der Substanz", so Maduro. Irgendwann werde man nicht mehr umhinkommen, das Tafelsilber in Form von Immobilien zu verkaufen, um den Unterhalt zu sichern.

Und Peter Stuyvesant? Er blieb zu Beginn seiner Karriere nur knapp zwei Jahre auf Curacao; danach verwaltete er den neugegründeten Handelsstützpunkt Neu-Amsterdam, das spätere New York. Die Juden auf Curacao blieben länger.

Andreas Nöthen
(KNA)

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