Erzbischof Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick

26.07.2016

Erzbischof Schick zu religionskritischem Parsifal in Bayreuth "Für einen Christen anstößig"

Mit einer sehr religionskritischen Inszenierung sind die Bayreuther Festspiele gestartet. Weniger Gott ist demnach die Lösung für viele Sorgen. Davon hält Erzbischof Schick nichts. Ein Interview nach der Parsifal-Premiere.

domradio.de: Angesichts der Gewalttaten der letzten Tage, warum haben Sie sich entschlossen, zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele zu gehen?

Ludwig Schick (Erzbischof von Bamberg): Der Erzbischof von Bamberg gehört zu den Gästen, die jedes Jahr dabei sind. Ich habe mich entschlossen, trotz der Ereignisse in Bayern hinzugehen. Die Aufführung ist eingeübt, ist geprobt und deshalb habe ich gedacht, es ist richtig, hinzugehen.

domradio.de: Der Komponist Richard Wagner hat seine Oper Parzifal ja ein Bühnenweih-Festspiel genannt. Jetzt hat aber Regisseur Uwe Eric Laufenberg diesen Parsifal sehr religionskritisch inszeniert. Was sagen Sie dazu?

Schick: Ja, das ist richtig, es war sehr religionskritisch inszeniert. Ich habe schon mehrere Parsifals gesehen, so religionskritisch habe ich noch keinen erlebt. Das ist, glaube ich, auch nicht ganz dem Text und seiner Intention mit dem Parsifal entsprechend, aber er hat es gemacht.

domradio.de: Was hat Sie besonders aufgeregt?

Schick: Ach, aufgeregt hat mich nichts. Wagner, das ist ja weithin bekannt, versucht, einen neuen Weg zu finden, eine neue Religion zu finden. Das hat Laufenberg eben so inszeniert und dabei die Ablehnung Wagners gegenüber den herkömmlichen Religionen, besonders dem Christentum und dem Islam, ganz stark herausgestellt.

domradio.de: Am Schluss landen der Koran, der jüdische siebenarmige Leuchter und ein Kruzifix in einem Sarg. Darf man das? Was sagen Sie dazu? Sie wirken sehr gelassen.

Schick: Ja, das ist für einen Christen schon anstößig. Es wurde alles in einen Sarg gelegt, das war dann die große Erlösung … Es ist so inszeniert worden. Ich denke, es wäre gut, die eigentliche Intention Wagners besser herauszustellen.

domradio.de: Es gab im Programmheft noch ein Zitat vom Dalai Lama. Sinngemäß lautet es, es wäre besser, es gäbe gar keine Religionen. Dann wäre die Welt eine bessere Welt. Was ist Ihre Antwort darauf?

Schick: Das ist ganz und gar falsch. Wir brauchen Religion, es gibt Religion, man muss sich auch mit Religion beschäftigen, kultivieren und sie in einen Dialog miteinander bringen. So wird mehr Frieden.

domradio.de:  Und mehr Menschlichkeit?

Schick: Natürlich, Religion hat eine große Ressource von Humankapital. Das sollte man nicht übersehen.

domradio.de: Das Publikum hat die Inszenierung größtenteils gefeiert. Tut es denn nicht weh, dass so ein großer Konsens im Publikum besteht, dass die Welt mehr Menschlichkeit braucht aber keine Religion?

Schick: Das würde ich so nicht interpretieren. Das Publikum dort schaut auf ganz Verschiedenes, zum Beispiel auf die Musik. Es wird für ganz Unterschiedliches applaudiert. Dass jetzt alle für die Religionskritik applaudiert hätten, das ist meines Erachtens ganz weit hergeholt und falsch.

Das Interview führte Birgitt Schippers.

(dr)

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