Leere Straßen in türkischen Touristenhochburgen
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Johannesbasilika in Ephesos
Johannesbasilika in Ephesos

21.07.2016

"Biblische Reisen" zum Tourismus in der Türkei Nachfrage sinkt

Ephesos oder Kappadokien - die Türkei verfügt über biblische Orte und Gegenden, die jährlich viele Besucher in den Bann ziehen. Nach den Unruhen sinkt die Nachfrage jetzt deutlich, wie der Reiseveranstalter "Biblische Reisen" berichtet.

domradio.de: Was sagen Sie zu den politischen Ereignissen in der Türkei?

Rüdiger Tramsen (Geschäftsführer von Biblische Reisen): Das ist für uns ein Worst Case-Szenario. Wir hatten schon sehr unter den Anschlägen zu leiden, auch im letzten Jahr. Zu allem kommt jetzt auch noch die politische Situation dazu. Das wirkt sich natürlich sehr auf unser Geschäft aus.

domradio.de: Haben denn schon viele Leute storniert oder gehen erst einmal viele Fragen bei Ihnen ein?

Tramsen: Wir haben derzeit keine Gruppe in der Türkei. Dieses Jahr war schon ein sehr starker Rückgang zu verzeichnen. Wir arbeiten vor allem ja mit Gruppen aus Kirchengemeinden und aus der Gesellschaft zusammen. Diese planen ihre Reisen häufig sehr langfristig. Es war schon abzusehen, dass es in diesem Jahr kein besonders gutes "Türkei-Jahr" wird. Jetzt kommen in der Tat kurzfristige Stornierungen dazu, so dass wir momentan davon ausgehen, dass wir in diesem Jahr nur noch ein bis zwei Gruppenreisen werden durchführen können.

domradio.de: Ist es denn besonders für Christen eine Gefahr, in die Türkei zu reisen und biblische Orte zu besuchen?

Tramsen: Nein, das sehe ich momentan überhaupt nicht. Unsere Reisen gehen an Orte, an denen eigentlich kein Gefährdungspotential herrscht. Es gibt auch keine Ressentiments. Das spüren unsere Gruppen auch auf den Reisen.

domradio.de: Trifft so ein Putschversuch und die daraus resultierende Entwicklung ein Touristenland wie die Türkei jetzt bis ins Mark?

Tramsen: Ja, das stimmt. Das betrübt uns auch sehr, da wir in der Türkei auch viele Freunde und geschäftliche Verbindungen haben. Wir wissen, dass von deren Seite aus alles getan wird, damit die Urlauber, die kommen, sich auch wohlfühlen. Es ist ja oft auf der Welt so, wenn man sich in dem Land befindet und sich dort aufhält, merkt man in der Regel viel weniger von irgendwelchen Unruhen und Problematiken, als wenn man es aus den Medien mitbekommt. In der Tat wird das für die Türkei eine sehr schwierige Zeit werden. Ich sehe nach derzeitigem Stand sogar eine langfristige Schädigung.

domradio.de: Können Sie in Zukunft noch solche Reisen mit gutem Gewissen anbieten?

Tramsen: Wir haben in den letzten zwei Wochen an unserem Türkei-Programm für 2017 gearbeitet. Wir haben schon reagiert bevor der Militärputsch sich ereignete und haben unser Programm auf nur noch drei Rundreisen eingedampft. Das sind alles Reisen, die thematisch zu uns passen. Wir bieten beispielsweise eine Paulus-Reise an, die von Antalya nach Ephesos führt oder eine Reise an der Westküste mit einem Abstecher nach Patmos sowie eine Reise nach Kappadokien.

Das sind alles Gebiete, die bisher verschont geblieben sind. Inwieweit wir dort noch mehr einsparen werden, kann ich momentan noch nicht sagen. Wir möchten eigentlich ganz gerne die Türkei nicht komplett von unserer Landkarte verschwinden lassen, sondern das Angebot beibehalten. Selbst wenn es letztendlich dazu kommen sollte, dass doch keine Reise durchgeführt wird.

domradio.de: Was sind denn die größten Sorgen Ihrer Kunden, die bei Ihnen anrufen?

Tramsen: Es gibt eigentlich wenige Anrufe von Menschen, die sich Sorgen machen. Es gibt recht wenig Anfragen bei uns, was ich fast schon ein bisschen erstaunlich finde, wegen Sicherheitsfragen. Da gibt es offenbar ein sehr großes Grundvertrauen in uns, dass wir als Reiseveranstalter uns darum kümmern, dass keine Gefährdungslage eintritt und dass wir uns auch vorher erkundigen, wo ein kritischer Ort sein könnte, den man nicht unbedingt besucht. Da halten wir uns auch strikt an die Weisungen des Auswärtigen Amtes und haben auch vor Ort unsere Informationsquellen.

Es geht eher darum, dass die politische Situation abgefragt wird und ob man in der Türkei etwas befürchten müsse. Eine häufige Frage ist die nach der Mitnahme eines Passes, was durch den verhängten Ausnahmezustand auf jeden Fall sein muss. Sicherheitsfragen kommen also eher nicht, sondern vielmehr technische Fragen. Es herrscht ein Unwohlsein, was die politische Situation und Richtung angeht. In dieser Beziehung sind unsere Kunden sehr angespannt. Es fing eigentlich mit der Armenien-Resolution an. Danach kamen durchaus sofort Anfragen.

Das Interview führte Silvia Ochlast.

(dr)

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