Mit "Pokemon Go" auf dem Friedhof
Mit "Pokemon Go" auf dem Friedhof

20.07.2016

EKD-Medienexperte zum Hype um Pokémon Go Monsterjagd in der Kirche

Monsterjagd mit dem Smartphone in Kirchen und auf Friedhöfen? Thomas Dörken-Kucharz empfiehlt Gelassenheit im Umgang mit dem Hype um Pokémon Go. Der Theologe und Medienexperte findet: Mit dem Spiel lässt sich die Umgebung entdecken.

Thomas Dörken-Kucharz vertritt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im Beirat der freiwilligen Selbstkontrolle der Computerspielewirtschaft, der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK).

Evangelischer Presse-Dienst (epd): Millionen Spieler sind im Pokémon-Go-Fieber. Auch in Kirchen und auf Friedhöfen wird Jagd auf die virtuellen Monster gemacht. Finden Sie das schlimm?

Thomas Dörken-Kucharz (Theologe und Medienexperte der EKD): Eher im Gegenteil, im Spiel sind viele Kirchen und Grabstätten berühmter Personen Orte mit Energie, sogenannte Pokéstops. Das Spiel lenkt die Aufmerksamkeit auf bedeutende Details in unserer Umgebung, die vor allem viele Jugendliche noch nie wahrgenommen haben. Mein Sohn erzählte mir zum Beispiel von Stolpersteinen in Frankfurt, über die er noch nie "gestolpert" ist, obwohl sie auf seinem Schulweg liegen. Jetzt hat er sie dank Pokémon Go entdeckt.

epd: Sind Kirchen, Gedenkstätten oder Konzertsäle wirklich geeignete Orte für das Handy-Spiel, das Spieler die reale Welt vielfach nur noch als Teil seiner Spielwelt wahrnehmen lässt?

Dörken-Kucharz: Das «Nur» würde ich nicht so stehen lassen. Bei der Entwicklung und Erkundung der sogenannten Augmented Reality stehen wir ja erst am Anfang. Mit diesem Spiel hat diese Technik den Durchbruch geschafft. Es ist aber nicht so, dass man nur noch über das Smartphone die Wirklichkeit wahrnimmt, auch wenn die Gefahr der Ablenkung groß ist. Bei den genannten Orten würde ich zunächst sagen, ja, kein Problem. Es ist ein Spiel. Natürlich kann es sein, dass manche Spiele pietätlos programmiert sind oder Spieler über die Stränge schlagen und die Würde eines Ortes beschädigt wird. Aber das sind eher Ausnahmen und es gibt ja die Möglichkeit, Orte als unangemessen zu melden und aus dem Spiel entfernen zu lassen.

epd: Können Pfarrer und Kirchengemeinden von dem ungewohnten Besuch profitieren?

Dörken-Kucharz: Pokémon Go führt Hunderte zu einer Kirche, auf einen Friedhof. Ob die Kirchengemeinden davon profitieren oder nicht, liegt auch an ihnen selbst. Ich würde zwar nicht so plump sein und Schilder aufstellen: «Hier findest Du nicht nur Pokémon, sondern wenn Du willst auch Jesus!» Aber wenn man sich einladend präsentiert und selber die besten Orte kennt, weil man selber auch spielt, ist das sicher von Vorteil.

epd: Pokémon Go hat echtes Suchtpotenzial - sollten Eltern sich Sorgen um ihre Kinder machen?

Dörken-Kucharz: Jedes gute Spiel hat Suchtpotential, oder es ist nicht gut! Das kann ja auch Skat oder Mensch ärgere Dich nicht sein. Erst einmal wird diese Sucht draußen und in Bewegung gelebt, da kenne ich deutlich ungesündere Abhängigkeiten. Außerdem ist es ein Spiel. Das ist ein Hype, es macht Spaß, alle reden darüber, probieren es aus, sind gefesselt oder auch nicht. Und nach einer Weile pendelt sich das ein. Wobei Nintendo es mit Pokémon immer schon gut geschafft hat, Aufmerksamkeit an sich zu binden. Da wird man auch sehen müssen, was in den höheren Spiel-Levels passiert, aber soweit bin ich noch längst nicht.

epd: Haben Sie die App selber schon runtergeladen?

Dörken-Kucharz: Ja, aber ich bin noch ziemlich am Anfang. Das ändert sich bestimmt in den nächsten Tagen.

Uwe Gepp
(epd)

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