Geiger und Dirigent Yehudi Menuhin
Geiger und Dirigent Yehudi Menuhin
Yehudi Menuhin besucht eine  Grundschule in Düsseldorf
Yehudi Menuhin besucht eine Grundschule in Düsseldorf

22.04.2016

Vor 100 Jahren wurde Yehudi Menuhin geboren Humanist mit Geige

Er war ein Musiker mit einer Mission. Yehudi Menuhin gilt nicht nur als der größte Geiger des 20. Jahrhunderts. Der Kosmopolit engagierte sich auch für junge Talente und für Versöhnung.

Marutha Menuhin war eine selbstbewusste Frau. Als ihr Hauswirt seiner jüdischen Mieterin mit antisemitischen Bemerkungen kam, reagierte sie auf ihre Weise: Sie nannte ihren Sohn Yehudi - der Jude. "Mit diesem Namen soll er siegen oder untergehen", schrieb die damals erst 20-Jährige in die Familienchronik. Ihr Sohn siegte. Vor 100 Jahren, am 22. April 1916, wurde der Geiger, Dirigent, Schulgründer und Humanist Yehudi Menuhin geboren.

Seine Eltern waren hochgebildet, musikalisch interessiert und verstanden schon früh, welch großes Talent ihre drei Kinder mitbekommen hatten. Vor allem die vier Jahre jüngere Schwester Hephzibah stand Yehudi sehr nahe. Die beiden bestritten schon als Jugendliche gemeinsam viele Konzerte und Schallplattenaufnahmen, sie am Klavier, er an der Geige. Später heirateten sie sogar ein Geschwisterpaar - beide Ehen scheiterten.

Internationaler Durchbruch mit 12 Jahren 

Die Förderung ihrer Kinder wurde zum Lebensprojekt von Marutha und Moshe Menuhin. Yehudi und seine Schwestern gingen nie zur Schule, die Eltern unterrichteten sie zu Hause und sorgten für den bestmöglichen Musikunterricht. Mit fünf Jahren bekam Yehudi seinen ersten Geigenunterricht. Seine natürliche, erstaunlich reife Musikalität und sein intuitives Spiel führten Yehudi von Erfolg zu Erfolg und 1926 bis nach Europa. Ein Konzert in Berlin brachte den internationalen Durchbruch - kurz vor seinem 13. Geburtstag.

Konzertagenturen in aller Welt rissen sich um das Wunderkind, die Zeitungen überschlugen sich - aber zunehmend mischten sich auch kritische Töne darunter. Denn der junge Erwachsene verlor die Sicherheit und Leichtigkeit seines Spiels, technische Mängel traten zutage. Der inzwischen 19-jährige Yehudi geriet in eine Krise. "Ich hatte Geige gespielt, ohne sie technisch zu beherrschen", schrieb er später. Über Jahre holte er nach, was andere Geiger in ihrer Jugend aufbauen.

Bach, Beethoven und Brahms

Der Musik seiner frühen Jahre blieb Menuhin treu. Zu seinem Repertoire gehörten natürlich "die drei großen B" - Bach, Beethoven und Brahms, dazu Max Bruch und immer wieder die Sonate für Violine und Klavier Nr. 2, die Bela Bartok 1944 für ihn komponierte. Menuhin war kein "Crossover"-Musiker, hatte aber keine Berührungsängste gegenüber Genres jenseits der klassischen Musik.

Nach dem Krieg gab er sein Debüt als Dirigent, gründete Musikfestivals und schrieb unzählige Leserbriefe an die britische «Times». Denn Menuhin verstand sich auch als Mahner und Versöhner. Er setzte sich für verfolgte Künstler in der Sowjetunion ein und kritisierte die Apartheid in Südafrika. 1947 spielte er mit dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler zusammen, der als Aushängeschild der Nazis gegolten hatte - und wurde dafür vor allem von jüdischen Musikern heftig kritisiert. Aber Menuhin verteidigte seine Entscheidung: Nach Zeiten des Elends müsse man wieder für das Gute arbeiten.

Förderung hochbegabter Kinder 

Zu dieser Haltung hatte wohl auch die Werteerziehung seiner Eltern beigetragen: Ehrenhaft solle er handeln und vom Leben mehr verlangen als Erfolg und Anerkennung. An seinem Erfolg hatten auch großzügige Mäzene teil. Solche Förderung wollte Menuhin weitergeben. 1963 gründete er im englischen Stoke d'Abernon eine Schule für musikalisch hochbegabte Kinder. Überzeugt von der positiven Wirkung von Musik gründete er "Live Music Now", eine Organisation, die Aufführungen für Menschen ermöglicht, die sich sonst keine Konzertbesuche leisten könnten.

Menuhin war Kosmopolit von Geburt und aus Berufung. Seine Eltern stammten beide aus Russland und waren über Palästina nach Amerika ausgewandert. Yehudi wurde in New York geboren, später nahm er die Schweizer und die englische Staatsbürgerschaft an. Er habe Zeit seines Lebens nie länger als fünf Wochen an einem Ort gelebt, sagte er einmal. Das ist zwar übertrieben - doch tatsächlich waren sein eigentliches Zuhause Konzertsäle und Hotels. Sein Familienleben wurde vor allem von seiner zweiten Frau, der Tänzerin Diana Gould, zusammengehalten.

Im Adelsstand 

Im Laufe seines Lebens wurde Menuhin mit Ehrungen überhäuft. Die Queen erhob ihn in den Adelsstand; in Deutschland erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Bis ins hohe Alter bewahrte er sich seinen jugendlichen Elan. Er starb am 12. März 1999, unerwartet in Berlin. Doch seine Musik lebt weiter: in unzähligen Aufnahmen und in seinen Stiftungen.

Birgitta Negel-Täuber
(KNA)

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