Der Berlinale-Palast reflektiert in einer Scheibe
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"Midnight Special"-Regisseur Nichols (l.) mit den Schauspielern Lieberher (M.) und Edgerton
"Midnight Special"-Regisseur Nichols (l.) mit den Schauspielern Lieberher (M.) und Edgerton

17.02.2016

Der heilige Joseph von Hollywood auf der Berlinale Die Sehnsucht nach der heiligen Familie

​Die Berlinale gilt als politisch engagiertes Filmfestival. Doch neben den großen Krisen geht es auch um die einfachen Fragen des menschlichen Zusammenlebens. Diesmal stand besonders die Vaterrolle auf dem Prüfstand.

Was hat der heilige Joseph bei einem Filmfestival verloren? Sicher ist der Zimmermann aus Nazareth, der neben Maria immer ein bisschen im Schatten steht, nicht gerade der glamouröseste Heilige. Trotzdem kam man bei "Midnight Special", einem Science-Fiction-Film von Regisseur Jeff Nichols, der im Wettbewerb der 66. Berlinale seine Premiere feierte, kaum umhin, an die Josephsfigur zu denken:

Michael Shannon spielt darin einen Vater, dessen kleiner, mit mysteriösen Kräften ausgestatteter Sohn im wahrsten Wortsinn nicht von dieser Welt ist; beide sind auf der Flucht vor der Staatsmacht, die in dem "göttlichen" Knirps eine potenzielle Gefahr vermutet - eine Art Pendant zur Flucht nach Ägypten also. Nicht unbedingt ein tiefsinniges Update der biblischen Geschichte, aber doch eine spannende Genre-Variation, die von der eindringlichen Darstellung der liebevollen Vater-Sohn-Beziehung lebt.

Nach biblischem Vorbild

Ganz explizit wurde Joseph in einem französischen Film herbeizitiert, der im "Internationalen Forum des jungen Films" präsentiert wurde und von der Sehnsucht eines vaterlosen Jungen nach einer hei(lig)en Familie erzählt: In "Le fils du Joseph" von Eugene Greene geht es um einen Teenager, der von seinem leiblichen Vater nie anerkannt wurde, aber in seinem Onkel Joseph nicht nur einen guten Ersatzvater, sondern auch einen Partner für seine Mutter Marie findet. Greene gliedert seinen Film in mehrere Kapitel, die explizit auf biblische Vorbilder zurückverweisen. Vor der Begegnung des Jungen mit dem freundlichen "Zimmermann" muss er sich zunächst am "Opfer des Abraham" abarbeiten:

Die alttestamentarische Geschichte darüber, wie Abraham seinen Sohn Isaak fast opfert, bevor ihn ein Engel zurückhält, fungiert als Spiegel für das Gefühl des Jungen, von seinem leiblichen Vater verraten worden zu sein. In seinem Jugendzimmer prangt ein riesiger Druck von Caravaggios Gemälde der biblischen Szene, in der der Künstler Isaaks Angst und Verzweiflung eindrücklich dargestellt hat.

Versagen innerhalb der Familie

Greene benutzt es als (etwas sperrige) Folie, um Kritik an typischen "Karrieremännern" zu üben, die alles und jeden für den Erfolg opfern: Der französische Superstar Mathieu Amalric spielt den leiblichen Vater des Jungen als überspitzte Karikatur eines großbürgerlichen, eitlen Egomanen mit kultivierter Fassade und rücksichtslosem Kern.

Mit diesem harschen Porträt eines als Familienmensch versagenden Mannes ist Greenes Film bei der Berlinale kein Einzelfall. Im kanadischen Wettbewerbsbeitrag "Boris sans Beatrice" lässt Regisseur Danis Cote einen Protagonisten einen mühsamen Läuterungsprozess durchleben, der sich als Ehemann und Vater nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Im französischen Film "L'avenir", einem der Kritiker-Favoriten für den "Goldenen Bären", verlässt ein Mann nach 25 Jahren Ehe seine Frau und zieht zu seiner Geliebten.

Suche nach Alternativen

Ob es da vielleicht besser ist, gleich ganz auf den Vater jenseits seiner Rolle als Samenspender zu verzichten und ein Kind allein groß zu ziehen? Diesen Plan hat jedenfalls Maggie (Greta Gerwig), die Heldin einer in der Sektion Panorama gezeigten US-Komödie von Rebecca Miller.

"Maggies Plan", so der Titel, scheitert dann allerdings doch an der Liebe, die sie in die Arme des Schriftstellers John (Ethan Hawke) treibt. Mit der neuen Beziehung fangen die emotionalen Turbulenzen, von denen der Film amüsant erzählt, zwar erst an; trotzdem zelebriert Miller hier die "Unkaputtbarkeit" der Sehnsucht nach einem Familienverband, auch wenn er nicht unbedingt dem traditionellen Mutter-Vater-Kind-Modell entsprechen muss.

Der "Traum, der Familie heißt": Während Papst Franziskus gerade bei seiner Mexiko-Reise seine bleibende Bedeutung betont hat, wird er auch auf den Kinoleinwänden in Berlin in unterschiedlichsten Variationen durchgespielt - nicht unbedingt heilig, dafür aber sehr menschlich.

Felicitas Kleiner
(KNA)

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