Salman Rushdie
Salman Rushdie
Frankfurter Buchmesse eröffnet
Frankfurter Buchmesse eröffnet

14.10.2015

Buchmesse startet mit Appellen "Die Welt ist in Aufruhr"

Mit eindringlichen Plädoyers für die Meinungsfreiheit ist die 67. Frankfurter Buchmesse eröffnet worden. Unermüdlich müsse man für sie eintreten, sagte der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie bei der Auftaktveranstaltung.

Weil er auf der Pressekonferenz zur Eröffnung sprach, hatte der Iran seinen geplanten Nationalstand bei der Messe abgesagt. Das iranische Kultusministerium führte zur Begründung an, Rushdies Werk sei "islambeleidigend". Eine Begrenzung der Meinungsfreiheit sei nicht nur Zensur, sondern ein Angriff auf die menschliche Natur, betonte Rushdie am Dienstag. Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, sagte: "Die Meinungs- und Publikationsfreiheit sind für uns keine verhandelbaren Werte."

Zunächst für Fachbesucher geöffnet

Zum Auftakt der Buchmesse beginnen am Mittwoch die Fachbesuchertage. Meinungsfreiheit gehört zu den zentralen Themen der Veranstaltung, die bis Sonntag andauert. In diesem Jahr ist Indonesien Ehrengast am Main. Rund 70 Autoren aus dem islamisch geprägten südostasiatischen Land werden dort unter dem Motto "17.000 Inseln der Imagination" erwartet.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters verwies darauf, dass auch in Frankfurt aus der überwiegend von Schriftstellerinnen geprägten Literaturszene hauptsächlich weibliche Autoren sein würden. Sie behandelten in ihren Büchern unter anderem Themen wie politische Verfolgung und Völkermord als Teil der indonesischen Geschichte.

Auch Rushdie äußerte sich zu Gewalt und Terrorismus: Er sehe Verleger und Schriftsteller dadurch zunehmend bedroht, aber auch durch eine die Meinungsfreiheit einschränkende "Political Correctness". Er unterstrich, es gelte, die Schriftsteller zu verteidigen, damit sie ihre Pflicht erfüllen könnten, frei zu schreiben.

"Für das Wort und die Freiheit - dieser Anspruch ist groß und ein weites Feld", betonte Riethmüller. "Wir sind in einer komfortablen Situation. Wir brauchen keine Sanktionen zu befürchten. Gerade deshalb kann man es uns zumuten, Verantwortung zu übernehmen. Als Verleger, als Buchhändler, als Publizist."

Besondere Situation der Branche

In diesem Jahr treffe sich die Branche in einer besonderen Situation. "Die Welt ist in Aufruhr. Der Kampf zwischen den Religionen und das Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich, verfolgt und geborgen, gefangen und frei, hungrig und satt findet derzeit in Europa seinen Ausdruck in Hunderttausenden von Flüchtlingen."

Aufgabe der Branche sei es, Toleranz zu vermitteln. "Bücher leisten hier einen zentralen Beitrag", betonte Riethmüller. "Literatur macht Verständigung möglich - zwischen Menschen, Ländern und Religionen." Grütters sagte, dass es Schriftsteller seien, "die hinschauen, wo andere wegschauen, die anschreiben gegen Gleichgültigkeit, Verdrängung und emotionale Abgestumpftheit". Grütters ergänzte: "Gerade jetzt, da so viele Menschen anderer kultureller und religiöser Herkunft hierher kommen, muss sich demokratische Kultur auch in Deutschland und Europa neu bewähren."

(KNA)

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