Ernesto Cardenal
Ernesto Cardenal

20.01.2015

Ernesto Cardenal feiert 90. Geburtstag Revolutionäres Dichten

Ernesto Cardenal ist Dichter, Befreiungstheologe und ehemaliger nicaraguanischer Kultusminister. Auch mit 90 Jahren nimmt er pointiert zu politischen und kirchlichen Fragen Stellung.

Cardenal ist eine der schillerndsten Figuren Lateinamerikas. Er nennt sich selbst "Sandinist, Marxist und Christ". Papst Johannes Paul II. hatte ihm 1985 die Ausübung des priesterlichen Dienstes verboten, weil er nach dem Umsturz gegen die Somoza-Diktatur ein Ministeramt in der Revolutionsregierung seines Heimatlandes bekleidet hatte. Für sein literarisches Werk erhielt Cardenal 1980 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2012 den spanischen Königin-Sofia-Preis für Iberoamerikanische Literatur.

Nach einem Literaturstudium in New York beteiligte sich Cardenal 1954 am ersten, gescheiterten Putsch gegen den Somoza-Clan. 1957 trat er in das Trappistenkloster Gethsemany im US-Bundesstaat Kentucky ein.Vor seiner Priesterweihe studierte Cardenal von 1961 bis 1965 in Mexiko und Kolumbien Theologie. 1966 gründete er auf der Insel Solentiname im Nicaragua-See eine an radikal-urchristlichen Idealen orientierte Gemeinschaft. Aus den dortigen Erfahrungen entstand sein wohl bekanntestes Buch, das "Evangelium der Bauern von Solentiname". Allein im deutschsprachigen Raum verkaufte der Wuppertaler Peter-Hammer-Verlag weit mehr als eine Millionen Bücher Cardenals.

"Mein Priesteramt ist von anderer Art"

1977 floh Cardenal nach Costa Rica und warb von dort um Unterstützung für die Sandinisten. Zwei Jahre später wurden er und zwei weitere Priester Minister unter Präsident Daniel Ortega. Gemeinsam mit dem im Vorjahr verstorbenen österreichischen Ex-Show-Master Dietmar Schönherr gründete Cardenal später in seiner Geburtsstadt Granada eine Einrichtung, die die europäischen, indianischen und afrikanischen Kulturelemente miteinander ins Gespräch bringen will.

2014 hatte der nicaraguanische Ex-Außenminister Miguel D'Escoto Papst Franziskus gebeten, wieder das Priesteramt ausüben zu dürfen. Der Papst entsprach dem Wunsch. Als Cardenal gefragt wurde, ob auch er ein Schreiben nach Rom schicken wollte, antwortete er wörtlich: "Mein Priesteramt ist von anderer Art, deshalb ist es nicht nötig, die Aufhebung der Sanktion zu betreiben." Zuvor hatte er große Sympathien für den ersten Papst aus Lateinamerika geäußert. "Er ist dabei, die Dinge im Vatikan auf den Kopf zu stellen. Nein, genauer ausgedrückt: Er stellt die Dinge, die verkehrt herum stehen, wieder auf die Füße."

(KNA)

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