Harald Lesch
Harald Lesch

03.12.2014

Astrophysiker Lesch warnt vor Überforderung "Ich glaube an Gott, und Gott glaubt an mich"

Der Astrophysiker Harald Lesch bemüht sich nach eigenen Worten hier auf Erden Gutes tun zu wollen. Er sei aber kein Pietist, der mit spitzem Mündchen über andere richte, sagt er. "Ich glaube an Gott, und Gott glaubt an mich."

Alle Regeln, die man für das Leben hier unten aufstellen könne, müssten sich nur daran orientieren, nämlich an dem, was der Mensch könne. Andernfalls gehe das Spiel nicht weiter. In diesem Punkt können die Naturwissenschaftler nach den Worten von Lesch ziemlich sicher sagen: "Da zockt einer. Er würfelt vielleicht nicht, aber er zockt", so Lesch in der aktuellen Beilage "Wohlfühlen" der "Süddeutschen Zeitung".

Das einzige intelligente Wesen in der Milchstraße?

Alle bisherigen Erkenntnisse sprächen dafür, dass das Sonnensystem entstanden sei, weil ein anderer Stern explodiert sei. Womöglich seien die Menschen auch die einzig intelligenten Wesen in der Milchstraße, so der bekennende Protestant. "Das Universum hat sich mit uns jedenfalls eine Menge Arbeit gemacht." Lesch beschäftigt sich auch immer wieder mit Gegensatz und Vereinbarkeit von Religion und Naturwissenschaften.

Als seine persönlichen Helden bezeichnete Lesch Johann Wolfgang von Goethe und Alexander von Humboldt. Diese Typen faszinierten ihn, weil sie große Weltbilder entworfen hätten. So würde der Astrophysiker an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität alles dafür tun, um an seiner Hochschule wieder das Studium generale verpflichtend einzuführen. Sinnvoll wäre seiner Ansicht nach ein einjähriges Propädeutikum, in dem sich die Studenten einmal die Geschichte des Wissens ansähen – "des gesamten Wissens, des geistes-, natur- und sozialwissenschaftlichen".

Radikaler Umgang mit elektronischer Post

Um mit der Flut von elektronischer Post umzugehen, hat der Astrophysiker seine ganz eigene Methode. Nur zweimal am Tag beschäftigt er sich mit den eingehenden E-Mails. "Sonst kann ich nicht arbeiten", sagte Lesch. Mit 54 Jahren sei er in einem Alter, in dem er dieses Ausmaß der "Online-isierung" einfach nicht mehr schaffe.

Ganz radikal geht der Wissenschaftler auch mit E-Mails um, die ihn während des Urlaubs erreichen. Die löscht er allesamt ungesehen: "Und danach springe ich durchs Haus, fühle mich 30 Kilo leichter und finde, ich bin ein richtig toller Typ, das einfach so zu machen."

Vernetzt und überfordert

Nach Ansicht von Lesch überfordert die ganze Vernetzung den Menschen. Ständig kämen neue Geschichten auf einen zu, ständig werde man verantwortlich gemacht für Veränderungen in anderen Teilen der Welt. Er sei deshalb überzeugt, dass weite Teile der psychischen Störungen der westlichen Welt, wie Hysterie, depressive Grundhaltung und Angst damit zu tun hätten, dass die Menschen gar nicht wüssten, wo sie anfangen sollten.

(KNA)

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