Deutsche Orden schrumpfen
Deutsche Orden schrumpfen

30.11.2014

"Jahr der Orden" hat begonnen Buntes Ordensleben

 Am ersten Adventswochenende hat das "Jahr der Orden" in der katholischen Kirche begonnen - das wollen Ordensleute nutzen, um für ihre Lebensweise zu werben.

Sie werden immer seltener in Deutschland, aber zu einer aussterbenden Art gehören sie deswegen nicht. Davon sind die etwa 22.000 Ordensleute in Deutschland überzeugt. Seit mit Papst Franziskus einer der ihren erstmals an der Spitze der katholischen Kirche steht, verspüren sie Rückenwind. Auch wenn sich der "Franziskus-Effekt" noch nicht in massenhaften Eintritten niederschlägt. Nun aber hat der Papst ein "Jahr der Orden" ausgerufen, das auch die Schwestern und Brüder in Deutschland nutzen wollen - um für ihre Lebensweise zu werben und um ihren Ort in der Gesellschaft zu suchen.

Die Statistik hält zunächst wenig Angenehmes bereit: Die Zahl der Frauen und Männer, die sich einem "geweihten Leben" in Armut, Keuschheit und Gehorsam verschrieben haben, sinkt in Deutschland stetig. In den Frauengemeinschaften hat sich die Mitgliederzahl innerhalb von 20 Jahren halbiert. Auf 1.000 Todesfälle kommen pro Jahr gegenwärtig gerade einmal 60 Neueintritte. 84 Prozent der Schwestern befinden sich im Rentenalter. Manche Gemeinschaft hat seit Jahrzehnten keine Novizin mehr aufnehmen können. Bei den Männern sieht es nicht viel anders aus.

Hohe Erwartungen an Orden

Papst Franziskus erwartet dennoch viel von den Orden. Er fordert von ihnen nicht weniger als "wagemutige große Visionen". Sie sollen die Türen ihrer Klöster öffnen, hinausgehen zu den Menschen, insbesondere zu den Notleidenden. Und sie sollen in ihrem Gemeinschaftsleben ein Beispiel von Kommunikation und echten Beziehungen geben.

In Deutschland machen Ordensleute vor allem Schlagzeilen, wenn sie - oft nach einer über Jahrhunderte währenden, prägenden Präsenz - einen Standort verlassen wie unlängst das traditionsreiche Wallfahrtskloster Käppele in Würzburg. Krankenhäuser und Schulen werden abgegeben, dafür müssen für die Altgedienten Pflegestationen eröffnet werden. Einige Klöster nehmen inzwischen bewusst keine Neuen mehr auf, weil sie wissen, dass ihre Gemeinschaft angesichts der fortgeschrittenen Überalterung keine Zukunft mehr hat. Sich dies einzugestehen, ist oft schmerzhaft.

WG's und Flüchtlingshilfe

Doch es gibt auch Aufbrüche. Franziskanische Brüder ziehen in einen sozialen Brennpunkt und machen dort eine WG auf - die Tür zu den Nachbarn immer offen. Jesuiten engagieren sich für Kirchenasyle und helfen Flüchtlingen, einen Aufenthaltstitel vor Gericht zu erstreiten, indem sie ihre Anwaltskosten bezahlen. Es waren Ordensfrauen, die 1998 im westfälischen Olpe Deutschlands erstes Kinderhospiz errichteten.

Das Ordensleben in Deutschland ist auch heute noch bunt und vielfältig. "Es gibt nicht nur den Mönch mit der Kapuze und die Nonne mit dem Schleier", sagt der Windberger Prämonstratenser-Abt Hermann-Josef Kugler, Vorsitzender der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK). Manche Ordensleute tragen heute zivil oder überlegen sich bewusst, zu welchem Anlass sie in welche Kleidung schlüpfen.

Tagsüber in Schule und Krankenhaus

Wer strenge Abgeschiedenheit hinter hohen Klostermauern sucht, wird in Deutschland auch heute noch genauso fündig wie die moderne junge Frau, der Karriere, Kinder und Küche nicht genügen zu einem sinnerfüllten Leben. In der Münchner Benediktinerinnen-Abtei Venio leben eine Ärztin, eine Restauratorin, eine Lehrerin miteinander - mitten in der Stadt. Tagsüber gehen sie ihren Berufen außerhalb ihrer Kommunität nach. Die Äbtissin ist Professorin für Soziologie.

Einige Entwicklungen zeichnen sich ab. Die Zeit der großen Kongregationen, die große Einrichtungen tragen, neigt sich dem Ende zu. Die Zukunft gehört kleinen, überschaubaren Gemeinschaften, deren intensives Zusammenleben auch nach außen ausstrahlt, und denen sich Interessenten künftig möglicherweise nicht mehr lebenslang anschließen, sondern für eine begrenzte Zeit.

Die Franziskusschwestern von Vierzehnheiligen haben drei der ihren nach Nürnberg ziehen lassen. Alle um die 40 Jahre alt. Manchmal ist die Neugierde auf sie so drängend, dass sie zu bestimmten Zeiten das Telefon ausschalten müssen.

 

Christoph Renzikowski
(KNA)

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