Siegfried Lenz
Siegfried Lenz

07.10.2014

Weihbischof Jaschke würdigt verstorbenen Siegfried Lenz "Der Mann der Deutschstunde"

Trauer um einen großen Nachkriegs-Schriftsteller: Siegfried Lenz ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Weihbischof Jaschke würdigte den Verstorbenen. Lenz habe immer ein feines Gespür für das konkrete Leben gehabt.

Hamburgs Weihbischof Hans-Jochen Jaschke hat den verstorbenen Schriftsteller Siegfried Lenz gewürdigt. Dieser bleibe unvergessen als "der Mann der Deutschstunde, der mit kluger Ironie die Freude an der Pflicht aufs Korn genommen hat, der Mensch, der uns wunderbare Geschichten aus Masuren und dem Osten erzählen konnte", schreibt Jaschke am Dienstag in Hamburg. Siegfried Lenz habe mit großem Herzen und in eindringlicher Sprache von Menschen in komplexen Lebenssituationen erzählt. Der Autor war am Dienstagmorgen im Alter von 88 Jahren in Hamburg gestorben.

Lenz habe immer ein feines Gespür für das konkrete Leben gehabt, so Jaschke in seiner Würdigung. Der Weihbischof erinnert darin auch an persönliche Begegnungen mit dem Schriftsteller. Dabei habe er ihn als "den sympathischen und liebenswürdigen Menschen erfahren, der uns in seinen Büchern begegnet und bin sehr dankbar dafür, dass er unter uns gelebt hat". Lenz lebe in der Erinnerung ungezählter Menschen. "Als Christenmensch will ich darauf trauen, dass er in der Erinnerung des Unendlichen Gottes, der keinen vergisst, für immer zu Hause bleibt", so Jaschke.

Siegfried Lenz starb am Dienstag im Alter von 88 Jahren im Kreis seiner Familie in Hamburg, wie der Verlag Hoffmann & Campe mitteilte. Vertreter aus Politik und Kultur würdigten Lenz als bedeutenden Chronisten der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte und Gegenwart. Zu seinen bekanntesten Werken zählten die Romane "Deutschstunde" (1968), "Heimatmuseum" (1978) und "Arnes Nachlass" (1990), die auch verfilmt wurden. Seine Bücher wurden in 20 Sprachen übersetzt.

Gauck: Deutschland hat einen der ganz Großen verloren

Nach den Worten von Bundespräsident Joachim Gauck hat Deutschland "einen der ganz Großen" der Literatur verloren. "Mit seinen Büchern hat er die Menschen bewegt, begeistert und zum Nachdenken gebracht", schrieb Gauck in einem Kondolenzbrief an die Witwe Ulla Lenz. Zudem habe er seiner ostpreußischen Heimat in seinen Büchern wundervolle Denkmäler gesetzt.

Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) äußerte sich betroffen. Lenz habe in seinen Büchern "nach der Not, nach der Mitschuld und Mitverantwortung des Einzelnen in der Zeit des Nationalsozialismus" gefragt. "Eine große literarische Stimme ist verstummt, seine Werke aber bleiben", sagte Lammert.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte: "Mit Siegfried Lenz ist heute auch ein Stück Deutschland von uns gegangen." Lenz habe wie kein Zweiter das gesellschaftliche Leben der Bundesrepublik Deutschland beobachtet und mit seinen Werken geprägt.

Vizekanzler Sigmar Gabriel betonte die Verbundenheit des Autors mit der SPD: "Er war ein Sozialdemokrat im Herzen."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) unterstrich, dass es Lenz "mit großer Meisterschaft" gelungen sei, das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte literarisch wach zu halten und für die nachfolgenden Generationen verständlich zu machen.

"Er hat Geschichte durch Geschichten lebendig werden lassen"

Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, verwies auf "wichtige Zeichen der Versöhnung und Verständigung", die Lenz gesetzt habe. "Er hat Geschichte durch Geschichten lebendig werden lassen und durch die klare Menschlichkeit und Wahrhaftigkeit seiner Prosa überzeugt."

Lenz, einer meistgelesenen Schriftsteller Deutschlands, wurde 1926 in Lyck in der Region Masuren geboren, die seit 1945 zu Polen gehört.

Nach einem Einsatz bei der Kriegsmarine 1944/45 studierte er in Hamburg Philosophie, Anglistik und Literaturwissenschaft. 1951 erschien sein erster Roman "Es waren Habichte in der Luft". Sein Werk umfasst 14 Romane, 120 Erzählungen sowie Novellen, Hörspiele und Dramen, darunter Welterfolge wie "So zärtlich war Suleyken" (1955), "Die Klangprobe" (1990) und "Schweigeminute" (2008).

Jüngstes Werk ist das Buch "Schmidt-Lenz. Geschichte einer Freundschaft" über die langjährige Freundschaft zwischen Lenz und Altkanzler Helmut Schmidt. Am 8. Oktober wird zudem eine Auswahl von Lenz' wichtigsten Essays aus fünf Jahrzehnten mit dem Titel "Gelegenheit zum Staunen" erscheinen.

Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt, dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und mit dem Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte.

57 Jahre lang war er mit Ehefrau Lilo verheiratet, die 2006 im Alter von 87 Jahren starb. Im Juni 2010 heiratete er seine langjährige Hamburger Nachbarin Ulla Reimer.

(epd, KNA)

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