Zwei Regalkilometer mit Archivgut sind restauriert
Zwei Regalkilometer mit Archivgut sind restauriert
Bettina Schmidt-Czaia
Bettina Schmidt-Czaia
Zwei Menschen starben
Zwei Menschen starben

02.01.2014

Kölner Stadtarchiv-Direktorin: Kein Stück darf aufgegeben werden "Unsere Gegenwart ist morgen Geschichte"

Vor knapp fünf Jahren stürzte das Kölner Stadtarchiv ein. Fast das gesamte Archivgut konnte geborgen werden - doch die Restaurierung ist langwierig. Die Archivdirektorin schildert den Stand der Restaurierungsarbeiten.

dpa: Wie weit ist die Restaurierung der Archivalien inzwischen gediehen?

Bettina Schmidt-Czaia: Es ist so: 95 Prozent des ursprünglichen Archivguts konnten geborgen werden, 5 Prozent gelten als verloren. Das gesamte geborgene Archivgut muss gereinigt werden, weil sich beim Einsturz Staub und Schmutz darauf abgelagert haben. Das ist bereits bei zwei Kilometern Archivgut geschehen. Insgesamt haben wir aber 30 Kilometer Regalbestände.

dpa: Dann stehen Sie also erst am Anfang.

Schmidt-Czaia: Ja, und dazu kommt noch, dass 10 Prozent unserer Bestände bei dem Einsturz nicht nur schmutzig, sondern auch noch nass geworden sind. Das ist besonders schädlich. Dieses Archivgut haben wir nach dem Einsturz zunächst einmal tiefgefroren, weil man so eine weitere Schädigung aufhalten kann. Jetzt sind wir schon lange mit dem Auftauen beschäftigt.

dpa: Wie weit sind Sie damit?

Schmidt-Czaia: Wir hatten ursprünglich mal 668 große Gitterboxen, jetzt haben wir noch 9. Alles andere wurde getrocknet.

dpa: Haben Sie mittlerweile den gesamten Bestand erfasst - wissen Sie wieder, wo was ist?

Schmidt-Czaia: Das wissen wir bei etwa 60 Prozent, wir sind also noch nicht fertig damit.

dpa: Sind die Archivalien immer noch auf 20 Archivstandorte im ganzen Bundesgebiet verstreut?

Schmidt-Czaia: Nein, das sind jetzt 12. Aber bis 2016 müssen wir diese Standorte geräumt haben. Da unser Archivneubau hier in Köln bis dahin noch nicht fertig sein wird, verhandeln wir zurzeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen darüber, ob wir einen Teil der Bestände im alten Landesarchiv in Düsseldorf zwischenlagern können.

dpa: Wird die Kölner Geschichte jetzt kaum noch erforscht, weil den Historikern das Arbeitsmaterial fehlt?

Schmidt-Czaia: Das ist sehr unterschiedlich. Bei den Dokumenten von vor 1815 haben wir sehr viel digitalisiert, da kann man sogar Forschung von Kanada aus betreiben. Für das 19. und 20. Jahrhundert sind aber die wenigsten Bestände mikroverfilmt gewesen, da ist die Situation katastrophal. Im Übrigen habe ich den Eindruck, dass die Menschen von außen sehr viel unbefangener damit umgehen als die Forscher von der Kölner Universität. Offenbar gibt es da ein Einsturztrauma. Das finden wir natürlich bedauerlich. Es ist viel mehr möglich, als man in Köln denkt.

dpa: Sie haben ja des Öfteren gesagt, es wird 30 bis 40 Jahre dauern, ehe alles restauriert ist. Könnte man denn nicht auch gewisse Abstriche machen? Muss man sich nicht auf die besten Stücke beschränken?

Schmidt-Czaia: Was sind die besten Stücke? Das ist für den Mittelalter-Experten etwas anderes als für den Familienforscher. Das Archiv soll für die gesamte Bevölkerung da sein.

dpa: Dass man aus dem Mittelalter nichts wegwerfen darf, darüber herrscht sicherlich Einigkeit. Aber muss aus der heutigen Zeit denn wirklich so viel aufgehoben werden?

Schmidt-Czaia: Unsere Gegenwart ist morgen Geschichte, und dann sind Forscher auf das Material angewiesen, das wir ihnen hinterlassen haben. Archivare arbeiten für die Zukunft. Ein Beispiel: Wir haben gerade eine Ausstellung mit Plakaten von Veranstaltungen aus der Kölner Sporthalle, das war hier früher die größte Mehrzweckhalle. Die Plakate sind sehr wichtig, damit man in 50 oder 100 Jahren rekonstruieren kann, was die Leute in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in ihrer Freizeit gemacht haben.

Das Interview führte Christoph Driessen

(dpa)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Tageskalender

Radioprogramm

 25.01.2021
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Der Rosenmontagszug im Mini-Format
  • FFP2-Maske schlägt Barterlass der Passionsspiele Oberammergau
  • Anno Domini: Pauli Bekehrung
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Der Rosenmontagszug im Mini-Format
  • FFP2-Maske schlägt Barterlass der Passionsspiele Oberammergau
  • Anno Domini: Pauli Bekehrung
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Himmelklar Podcast

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Die ganze Bibel im Ohr! Jetzt spenden!