Das Kloster Corvey in Höxter
Das Kloster Corvey in Höxter

23.06.2013

Die frühere Benediktinerabtei will in einem Jahr Welterbe werden Countdown für Corvey

Ein international bedeutendes Machtzentrum mitten in der ostwestfälischen Provinz? Im Mittelalter wurde vom Kloster Corvey aus Weltpolitik betrieben. Jetzt soll es Weltkulturerbe werden.

Schon von weitem zieht das monumentale Gebäude mit den beiden flankierenden Türmen die Blicke auf sich. Von allen Seiten weithin sichtbar, überragt das rötliche Mauerwerk die langgestreckten weißen Gebäude der übrigen Klosteranlage. Wie ein himmelwärts gerichteter Fingerzeig erinnert das Corveyer Westwerk an die karolingischen Ursprünge der ehemaligen Abtei.

Es war die Zeit der Christianisierung Europas, als Ludwig der Fromme 822, gemäß dem Wunsch seines Vaters Karl dem Großen, im soeben eroberten Sachsenland an der Weser eine mächtige Reichsabtei errichten ließ. Als Außenposten des karolingischen Herrschergebietes sollte es den Machtanspruch der Franken festigen und ausbauen helfen. Ausgestattet mit einträglichen Ländereien, berühmt für seine Bibliothek und bekannt für seine Schule, aus der bedeutende Äbte hervorgingen, stieg das Kloster schnell auf zu einem der wichtigsten politischen und geistlichen Zentren des Frankenlandes.

"Sogar viele Anwohner wussten bis vor wenigen Jahren nicht, dass im Mittelalter von hier aus Weltpolitik betrieben wurde", sagt Claudia Konrad vom Museum Corvey. "Von hier aus erfolgte die Missionierung ganz Norddeutschlands bis hin nach Skandinavien. Und hier kamen die Kaiser zusammen, um die Geschicke des Landes zu leiten", fasst die Museumsleiterin zusammen.

"Das einzige erhaltene Westwerk aus der Zeit der Karolinger"

Sie hat den Welterbe-Antrag zusammen mit Wissenschaftlern erarbeitet und ist überzeugt, dass das Westwerk ebenso wie die gesamte Klosteranlage dem Unesco-Anspruch des "außergewöhnlich universellen Wertes" gerecht wird.

Davon ist auch Birgitta Ringbeck vom Auswärtigen Amt in Berlin überzeugt. "Es ist das einzige erhaltene Westwerk aus der Zeit der Karolinger. Damit ist es ein wichtiger Baustein für die Kenntnis der Architektur dieser Zeit." Als Vertreterin Deutschlands im Welterbekomitee reicht sie den Antrag der Bundesrepublik Deutschland an diesem Donnerstag beim Welterbezentrum in Paris ein.

Die Abstimmung über den Antrag ist für Juni 2014 in Algier geplant. Bis dahin nehmen Gutachter der Unesco die Klosteranlage genau unter die Lupe. Denn nur einmalige Bauwerke oder Naturstätten erhalten die Auszeichnung.

Bei Kunsthistorikern steht diese Einschätzung außer Frage, bestätigt Joachim Poeschke von der Universität Münster: "Das Corveyer Westwerk ist eines der bedeutendsten frühmittelalterlichen Denkmäler der europäischen Kunstgeschichte und als eines der wenigen original erhaltenen Bauwerke der karolingischen Renaissance durchaus vergleichbar mit der bereits als Welterbe anerkannten Torhalle desKlosters Lorsch", erklärt der Experte für mittelalterliche Kunstgeschichte.

Jährlich kommen 80.000 Touristen

Den Antrag von Anfang an unterstützt hat auch Viktor Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey. Als aktueller Besitzer der ehemaligen Klosteranlage fühlt er eine besondere Verpflichtung, die historischen Gebäude und die noch im Untergrund verborgenen Überreste einer mittelalterlichen Stadt, die ebenfalls zum Kloster gehörte, für künftige Generationen zu erhalten. "Meine Familie setzt sich seit 200 Jahren für die Anlage ein. Und ich denke, es ist der richtige Weg, ein solches Haus nicht rein privat zu betrachten, sondern mit den Menschen zu teilen."

Heute besuchen jährlich 80.000 Touristen die Klosteranlage mit ihrem Museum, der aufwendig sanierten Bibliothek und der ehemaligen Abteikirche samt Westwerk. Auf dem Friedhof neben der Kirche ist August Heinrich Hoffmann von Fallersleben begraben, der Dichter der deutschen Nationalhymne. Sollte Corvey als Welterbe anerkannt werden, dürfte die Zahl der Besucher sprunghaft in die Höhe schnellen.

Beate Depping
(dpa)

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