02.03.2013

Forschungsprojekt untersucht Grabmäler von Kardinälen und Päpsten "Ein Bilderkrieg"

Macht und Einfluss - die Grabmäler der Kardinäle und Päpste aus der Frühen Neuzeit sind mehr als nur eine Erinnerung an den Toten. Dahinter verbergen sich politische Botschaften und der Wunsch, Einfluss zu sichern.

Wenn die Kardinäle aus aller Welt in den kommenden Tagen zum Konklave in Rom zusammenkommen, wird die Ewige Stadt wieder zur großen Bühne der katholischen Welt. Nur ja keine Machtspiele, Fraktionsbildungen und Parteikämpfe, heißt es im Vorfeld beschwörend bei manchen Papstwählern. Fest steht, dass frühere Papstwahlen mit ganz anderen Bandagen ausgefochten wurden. Darauf weist jedenfalls ein umfangreiches Forschungsprojekt hin, das seit 2001 von Historikern und Kunsthistorikern der Humboldt-Universität in Berlin geleitet wird.

Ablesen lässt sich das ausgerechnet an den Grabmälern von Kardinälen und Päpsten der frühen Neuzeit. Vordergründig erinnern sie an den Verstorbenen. Doch oft haben sie auch noch eine andere Botschaft: Sie sollen die gesellschaftliche Stellung der jeweiligen Familie, des jeweiligen Ordens oder der Nation des Verstorbenen dokumentieren und Prestige, Einfluss und Macht auch für die Zukunft sichern.

Propaganda-Instrumente

"Grabdenkmäler sind eine höchst lebendige Angelegenheit", sagt der Kunsthistoriker Arne Karsten, der das Projekt mit leitet, und lacht. Rund 1.260 Kardinäle und 44 Päpste aus der Zeit zwischen 1417 und 1800 haben die am Projekt "Requiem" beteiligten Forscher ausgemacht.

Deren Grabmäler, die inzwischen vollständig in einer Datenbank katalogisiert sind, sind nach den Worten von Karsten vielfach Musterbeispiele für in Kunst verpackten "Willen zur Macht". Es handle sich um "Stellungnahmen der Nachwelt", analysiert Karsten. Sie waren Positionsbestimmung zu politischen Streitfragen und Propaganda-Instrumente in einem. Karsten spricht bei manchen Grabdenkmälern sogar von einem "Bilderkrieg".

"Aggressives politisches Manifest"

Die Grablege von Papst Gregor XV. (1621-1623) in der römischen Kirche Sant Ignazio beispielsweise wurde erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts von den Jesuiten in Auftrag gegeben. Mit Hilfe ihrer triumphalen Formensprache habe der gerade unter päpstlicher Kritik stehende Orden an seine glorreiche Vergangenheit erinnern und von aktuellen Problemen ablenken wollen, erläutern die Berliner Kunsthistoriker.

Als "aggressives politisches Manifest" werten die Wissenschaftler auch das Monument von Papst Leo XI. aus der Familie der Medici, der 1605 regierte. Als dessen Neffe nach 1632 ein Grabdenkmal in Auftrag gab, setzte es die Glaubenstreue Leos ins Bild und prangerte damit gleichzeitig an, dass Leos Nachfolger Urban VIII. (1623-1644) im 30-jährigen Krieg indirekt die schwedischen Lutheraner gegen die katholischen Spanier unterstützt habe.

Keine Dynastie - dafür ein kostbares Grabmal

Von Michelangelo bis Bernini und von Algardi bis della Porta: Viele der bedeutendsten Künstler der Renaissance und des Barock zeichneten für die Monumente verantwortlich. Vielfalt und Qualität dieser römischen Grabkultur gelten als einzigartig. Karsten führt das auf die besondere politische Verfassung des Kirchenstaates zurück: Die Päpste, die gleichzeitig geistliches Oberhaupt der Katholiken und Lenker einer europäischen Großmacht waren, konnten wegen des Zölibats keine Dynastien ausbilden. So wechselten die Herrscherfamilien in Rom in schnellem Rhythmus - und mit ihnen ihre Anhängerschaft. Wer da auf lange Sicht zu den Gewinnern gehören wollte, musste sich angesichts der großen Konkurrenz durch aufwändige Kunst und kostbare Grabdenkmäler beweisen.

Dabei bezieht das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt auch Grabmäler außerhalb Roms und Italiens ein. Die Wissenschaftler beschränken sich bei ihrer Arbeit auch nicht auf die Grabmäler. Gleichzeitig entsteht eine für jedermann zugängliche Personen-Datenbank aller Kardinäle und Päpste der frühen Neuzeit.

Nicht nur die Lebensdaten und familiäre Herkunft werden dokumentiert. Ziel ist es auch, Karrieresprünge, Einnahmen, Ämter, Freunde und Feinde zu dokumentieren. Eine Herkules-Arbeit, die auch nach 12 Jahren noch nicht beendet ist. Gerade haben die Wissenschaftler bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft deshalb einen Antrag auf weitere Förderung gestellt.

Christoph Arens
(KNA, dr)

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