In Rom endete vor 150 Jahren die weltliche Macht der Päpste
Blick über die Dächer von Rom
Heutige Fassade des Petersdoms mit Glockenkammer (links)
Heutige Fassade des Petersdoms mit Glockenkammer (links)
Klappern, Rappeln, Ratschen - Laute Erinnerung an Gebetszeiten
Karfreitagsratschen

22.03.2021

Das kürzeste Pontifikat der Geschichte dauerte nur wenige Tage Der Papst, der nicht in den Listen auftaucht

Stephan (II.) wurde zum Papst gewählt und starb kurz darauf, ohne die Bischofsweihe erhalten zu haben. Er ist entweder der Papst mit der kürzesten Amtszeit oder eben wegen der fehlenden Bischofsweihe gar kein Papst gewesen.

Eine Woche nach dem Tod von Papst Zacharias sind das Volk und der Klerus der Stadt Rom im Jahr 752 zur Wahl eines Nachfolgers versammelt. Wenig später, am 22. oder am 23. März, geht aus der Wahl der älteste Presbyter Roms als neuer Papst Stephan II. hervor.

Doch bereits drei Tage später, bevor er überhaupt zum Bischof geweiht werden kann, erleidet Stephan einen Schlaganfall, an dem er tags darauf stirbt. Es ist das kürzeste Pontifikat in der Kirchengeschichte und der Ursprung einiger Verwirrung um den Titel "Papst Stephan II.". Denn Stephan II. bleibt in den Listen der Päpste unerwähnt.

Kein Papst ohne Bischofsweihe

Im Mittelalter galt die Bischofsweihe als Voraussetzung für ein Pontifikat. Auch das heutige Kirchenrecht sieht ohne Wenn und Aber in der Bischofsweihe eine zwingende Voraussetzung für die volle Amtsgewalt des Papstes:

"Volle und höchste Gewalt in der Kirche erhält der Papst durch die Annahme der rechtmäßig erfolgten Wahl zusammen mit der Bischofsweihe. Deshalb besitzt ein zum Papst Gewählter, der schon die Bischofsweihe empfangen hat, diese Gewalt vom Augenblick der Wahlannahme an. Wenn der Gewählte noch nicht Bischof ist, ist er sofort zum Bischof zu weihen." (Can. 332, § 1 CIC)

Todesfälle zwischen Wahl und Bischofsweihe sind hier nicht eingeplant. Und so bleibt Stephan posthum nicht nur die Bischofswürde versagt, sondern auch die Ausübung des höchsten Amtes in der katholischen Kirche. Doch damit ist es der Verwirrung noch nicht genug. Bereits einen Tag nach seinem Tod wird der Nachfolger gewählt, der denselben Namen wie sein so abrupt verstorbener Vorgänger annimmt. So gibt es ihn also doch in den Listen: Stephan II., der in der Zählung die Stelle seines Vorgängers einnimmt.

Bündnis mit der westlichen Welt

Dieser neue Stephan II. sollte mehr Glück haben. Aufgezogen wurde er als Waisenkind im Lateran. So kam er schon früh in Berührung mit dem Päpstlichen Hof. Papst Zacharias ernannte ihn zum Diakon und übertrug ihm wichtige Aufgaben. Politisch steht sein Amt allerdings auf wackeligen Beinen. Die Langobarden bedrohen die Stadt und aufgrund des Bilderstreits mit dem byzantinischen Kaiser Konstantinos V. kann Rom auf keine militärische Unterstützung aus dem Ostreich hoffen.

Stephan II. stärkt den durch Bonifatius vermittelten, bereits gefestigten päpstlich-fränkischen Bund. Als erster Papst reist er über die Alpen, um am Hof des fränkischen Königs Pippin dem Jüngeren die Hilfe zu erbitten, die Byzanz nicht mehr gibt. So wird durch Papst Stephan die Hinwendung des Papsttums zur westlich-fränkischen Welt endgültig besiegelt.

Wie die Glocken nach Rom kamen

Aber noch etwas ändert sich für die Stadt Rom durch die Alpenüberquerung des Papstes. Der Metzer Bischof Amalar schreibt 80 Jahre später in einem Brief an Abt Hilduin von Saint-Denis, dass er anlässlich eines Besuchs in Rom verwundert in Erfahrung gebracht habe, vor wenigen Generationen sei in der Ewigen Stadt noch mit Klanghölzern zum Gottesdienst gerufen worden, ähnlich wie es am Balkan oder in Griechenland üblich sei. Papst Stephan II. beendete diese Tradition in der Stadt, indem er für die Petersbasilika einen Turm errichten ließ, um dort drei Glocken aufzuhängen.

Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als nördlich der Alpen der Gebrauch von Kirchenglocken schon lange üblich war. Das muss Stephan gefallen haben, weshalb er die Glocken nach Rom brachte. Heute sind Glocken aus dem Leben der Kirche nicht mehr wegzudenken. Lediglich an den Kartagen schweigen sie und werden mancherorts durch den Gebrauch von Holzklappern und Ratschen ersetzt. Ohne die Stiftung von Papst Stephan II. für Sankt Peter wäre die Stadt Rom womöglich noch lange Zeit, vielleicht sogar bis heute glockenlos geblieben.

Jan Hendrik Stens
(DR)

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