14.03.2013

Ein Kommentar von Ingo Brüggenjürgen Der Name ist Programm!

domradio.de-Chefredakteur war gestern in Rom vor Ort, als der neue Papst verkündet wurde. Eine gute Wahl, die beste Wahl, schreibt er in seinem Kommentar.

Donnerwetter – die Kardinäle haben Mut bewiesen, als sie diesen Auftrag des Heiligen Geistes Wirklichkeit werden ließen. Einen aus ihren Reihen, den viele längst abgeschrieben hatten. Einen aus der Societas Jesu, der Gesellschaft Jesu – einen richtig schlauen Jungen, SJ – den ersten Jesuiten überhaupt im päpstlichen Amt. Die 115 wahlberechtigten Kardinäle wählten einen neuen Papst, der schon beim letzten Konklave „gut im Rennen war“, O-Ton Kardinal Meisner. Der Kölner Erzbischof denkt, dass Benedikt XVI. über diese Entscheidung schmunzeln wird – denn so habe "der liebe Gott doch noch sein Ziel erreicht".

Aber auch Jorge Mario Bergoglio hat sein Ziel erreicht – obwohl er sich bestimmt nicht in dieses Amt gedrängt hat. Aber er hat auch nicht gekniffen und in einer schwierigen Zeit „Ja“ gesagt. Ja zu Gott, Ja zur Wahl und Ja zu einem Amt, das größte Herausforderungen mit sich bringt und um das die meisten lieber einen großen Bogen gemacht hätten. Damit hat er Mut bewiesen.

Schon als er in der Sixtina gefragt wurde, welchen Namen er sich als Papst wünsche, bewies er aber nicht nur Mut, sondern auch das nötige Selbstbewusstsein. Mit diesem Namen setzte er einen starkes, unüberhörbares Signal: „Franziskus möchte ich heißen, in Erinnerung an den Heiligen von Assisi!“

Donnerwetter, dieser Sohn italienischer Einwanderer beweist bewundernswerten Mut. Er hätte eine Fülle von päpstlichen Namen zur Auswahl gehabt – und entscheidet sich für einen Namen, der nie zuvor von einem Papst gewählt wurde. Papst-Namen sind quasi das Programm, so etwas wie das Lebensmotto und die Regierungserklärung in einem. Franzikus, wie Franz von Assisi!

Franz, der Sohn reicher Eltern, der ihnen seine Kleidung vor die Füße warf, als er seine väterlichen Schulden bezahlen sollte, und nur noch seinem himmlischen Vater gehorchen wollte. Franz, der in nie dagewesener Enthaltsamkeit und Armut lebte und das Wenige, das er zum Leben hatte, konsequent mit seinen Brüdern teilte. Franz, der sich den Ausgestoßenen und Kranken zuwandte und eine tiefe Liebe zu Clara empfand. Franz, der angeblich sogar den Tieren predigen konnte und zum Lob der göttlichen Schöpfung den Sonnengesang dichte. Franz, für den der Friede Gottes nicht nur eine leere Absichtserklärung war und der am Ende sogar liebevoll seinen „Bruder Tod“ begrüßte. Dieser Ordensgründer, der nicht von seiner Kirche lassen wollte, auch wenn ihm viele Dinge in Rom fremd und zuwider waren. Franz, der von Gott den Auftrag hörte:"Bau Du meine Kirche neu auf!" Wer sich so einen Namenspatron aussucht, der beweist Mut und den Willen zur Veränderung.

Alle, die jetzt sagen, alles gut und schön aber mit 76 Jahren sei doch nicht mehr viel zu reißen, dürfen an dieser Stelle an Johannes XXIII. erinnert werden. Dem traute man beim Dienstantritt im Alter von 78 Jahren auch bestenfalls eine Übergangszeit zu. Sein eingefordertes „Aggiornamento“ aber bewegt die katholische Kirche bis heute. Wetten, dass dieser neue Papst auch zukünftig Zeichen setzt? Leise – aber dafür umso wirkungsvoller. Schon sein erster Auftritt auf dem Balkon im schlichten Weiß war so ein Zeichen. Ein Papst, der die vielen Menschen auf dem Petersplatz zum Gebet für sich bat und sich vor ihnen still verneigte. Hier wurde es so still auf dem dichtgefüllten Collonadenrund, dass man plötzlich das Wasser der Brunnen plätschern hörte. Dann spendete er seinen ersten päpstlichen Segen. Dieser Papst kann für die Kirche und Welt wirklich selber ein Segen werden. Wer sich als Jorge Mario Bergoglio in Lateinamerika den Titel „Kardinal der Armen“ verdiente und auf bischöflichen Prunk jeder Art verzichtete und öffentliche Verkehrsmittel benutzt, ist in Zeiten, in denen von der Kirche eine prophetische Kraft ausgehen muss, bestimmt nicht die schlechteste Wahl. Nein – Franziskus ist die allerbeste und allererste Wahl!

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