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Sixtina: Schwarzer Rauch
Sixtina: Schwarzer Rauch
Kardinal Meisner leistet Eid vor dem Konklave
Kardinal Meisner leistet Eid vor dem Konklave

13.03.2013

Ingo Brüggenjürgen blickt hinter die Kulissen Post aus Rom: Schwarzer Rauch

Konklave in Rom? Natürlich haben wir wieder unseren Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen in die Heilige Stadt geschickt. Er kommentiert nun täglich die Ereignisse - mit Video!

Der frühe Vogel fängt den Wurm? Pustekuchen, am Tag, an dem das große Konklave eigentlich mit dem Einzug der Kardinäle in das Gästehaus St. Martha ab sieben Uhr beginnen sollte, ist am frühen Morgen überhaupt kein Papstwähler zu sehen. Das himmlische Bodenpersonal niedriger Rangstufen nimmt allerdings im Vatikan wie gewohnt die Arbeit auf und zeigt sich bestenfalls belustigt angesichts der aufgebauten Kameras und der noch nicht ganz ausgeschlafenen Medienmeute. Später am Tag erfährt man dann, dass zum Beispiel die deutschen Bischöfe, sofern sie im Gästehaus der Bischofskonferenz in der Viale delle Mura in direkter Nachbarschaft zum Vatikan wohnen, ihr Domizil um 8:20 Uhr verlassen haben. Einige Kardinäle lassen sich auch mit dem Taxi erst gegen 9:30 Uhr vor dem Vatikan absetzen. Gott schuf die Zeit, von Eile hat er nichts gesagt, und die Messe im Petersdom über dem Grab des Apostel Petrus fängt ja erst in einer halben Stunde an ... Die Herren haben wirklich die Ruhe weg. Da bleibt sogar noch genügend Zeit für ein Schwätzchen mit der buntgekleideten Schweizer Garde, die artig und gehorsam die Hacken zusammenschlägt und salutiert.

Im Petersdom selber ist es bei der "Santa Messa per l´elezione del Romano Pontefice“ mit der sich die Kardinäle auf das bevorstehende Wahlereignis einstimmen, picke-packe voll. Soviel Kardinalspurpur auf einem Haufen sieht man auch in der ewigen Stadt nicht alle Tage. Draußen auf dem Petersplatz leuchtet das Rot der Martyrer ganz besonders hell auf den großen elektronischen Bildschirmen, die auch denen, die nicht mehr in den Petersdom hineinpassen, die Möglichkeit bieten, live dabei zu sein. Wortgewaltig und unüberhörbar, weil ein wenig zu laut, kommt die Stimme von Kardinal Sodano aus den riesigen Boxen. Als er dem "geliebten und ehrwürdigen Papst Benedikt XVI." noch mal ausdrücklich dankt, kommt spontaner Beifall – lang anhaltend. Draußen donnert es genau in diesem Moment, und Regen und Hagel kommen vom Himmel. Früher hätte man so etwas als himmlisches Zeichen gewertet, die Menschen im 21. Jahrhundert nehmen es mit einem Lächeln oder Schmunzeln zur Kenntnis.

Gottesbeweise braucht man im Handyzeitalter nicht. Viel eher schon einen Fotobeweis, dass man an diesem Tag wirklich dabei war. Und so lichten sich die Besucher draußen auf dem Petersplatz vor den großen Bildschirmen ab – mit den roten Kardinälen im Hintergrund. Überhaupt geht es hier draußen lange nicht so andächtig zu, wie drinnen im Gotteshaus. Medienvertreter ziehen mit ihren Mikros und Kameras durch die Menge, um schöne Bilder einzufangen. Als dann drei Nonnen passend zur Austeilung der Kommunion, die man auf den Bildschirmen verfolgen kann, ihre Bananen aus der Handtasche ziehen, klicken die digitalen Fotomaschinen, so wie einst ihre alten analogen Vorgänger. Das Foto lässt sich bestimmt verkaufen.

Zwei Welten

Wer später am Nachmittag auf den gleichen Bildschirmen den Einzug der Kardinäle in die Sixtina verfolgt, wird den Eindruck nicht ganz los, dass hier Welten aufeinander treffen. Während draußen quietschlebendige Jugendliche, die kaugummikauend mit ihren Smartphones daddeln, stimmen drinnen die meist doch schon sehr altehrwürdigen Kardinäle ihr "Veni Creator Spiritus" an. Auf engstem Raum - nur wenige Meter trennen hier drinnen und draußen – und trotz aller digitalen Verbundenheit durch die Medien: Zwischen den Menschen auf dem Petersplatz und den Würdenträgern im Petersdom liegen Welten.

Aber irgendwie spüren auch die Jugendlichen auf dem Petersplatz, dass heute Geschichte geschrieben wird, auch wenn der neue Papst noch auf sich warten lässt. Unter dem Jüngsten Gericht von Michelangelo legen die Kardinäle ihre Hände auf die Bibel und legen ihren Eid ab. Die meisten sind sichtbar angespannt. Wer die deutschen Kardinäle genauer kennt und jetzt beobachtet, kann nicht übersehen, dass auch sie sich ihrer Verantwortung bewusst werden. Man kann erahnen, welche Last der Geschichte sie in diesem Moment auf ihren Schultern tragen. Gerne würde man beobachten, ob sich das mit der Dauer des Konklaves verändert. Aber das lässt sich nicht prüfen, mit dem traditionellen „Extra omnes“ müssen alle draußen bleiben, die nicht mitwählen dürfen.

Endlich: Der erste Rauch

Jetzt bleiben nur noch die Rauchzeichen. Gut gefüllt ist das Kolonadenrund des Petersplatzes schon beim ersten Wahlgang am Abend. Lange warten viele Schaulustige und Interessierte im kalten Nieselregen. Dann endlich, um 19:41 Uhr: Der erste Rauch – sichtbar gemacht durch die Kameras und Scheinwerfer. Aber auch vor dem tiefdunklen Regenhimmel Roms ist dieser Qualm nicht zu übersehen. Offenbar haben die Pyrotechniker dazugelernt und wissen jetzt, wie man schwarzen Rauch macht. Anders als bei der Wahl Benedikts, wo man unsicher war, erkennt diesmal jedes Kind: Diese Rauchschwaden sind so schwarz wie die Nacht. "Erster Wahlgang im Vatikan gescheitert", meldet eine Tagesschau-Eilmeldung auf meinem Handy. Donnerwetter, das ist hier doch keine Kanzlerwahl – wer ist hier denn heute Abend gescheitert? Nein, liebe Kollegen: Der Heilige Geist und die Kardinäle, durch die sich die Geisteskraft erst entfalten soll, sind nicht gescheitert. Sie werden auch zukünftig nicht scheitern, sondern bald einen würdigen Nachfolger auf dem Stuhl Petri präsentieren. Gut Ding will Weile haben – auf diese Lebenserfahrung darf man sich ruhig verlassen. Und dass der frühe Vogel nicht immer den Wurm fängt, haben wir am frühen Morgen doch schon gelernt ...

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