Kardinal Marx (3.v.l.): Einer von 115 wahlberechtigten Kardinälen
Kardinal Marx (3.v.l.): Einer von 115 wahlberechtigten Kardinälen

10.03.2013

Kardinal Marx zur Papstwahl "Wir brauchen Eure Gebete"

Kardinal Reinhard Marx bittet die Christen in Deutschland und in aller Welt um Hilfe bei der bevorstehenden Papstwahl. "Wir brauchen Eure Gebete für das Konklave", betont der Erzbischof von München und Freising.

"Das ganze Volk Gottes betet, die Kardinäle wählen und Gott entscheidet", so Kardinal Reinhard Marx. Zugleich betonte er, wie richtungsweisend die Wahl des neuen Papstes in diesen schwierigen Zeiten sei. Die Kirche dürfe sich nicht in der Welt einrichten in bequemer Selbstzufriedenheit, sondern müsse immer wieder einen neuen Aufbruch wagen und sich auf den Weg machen. Marx äußerte sich  am Sonntag in seiner vollbesetzten Titelkirche "San Corbiniano" im römischen Stadtteil Infernetto.

"Je näher der Tag der Entscheidung heranrückt, umso mehr spüre ich die Verantwortung und auch die vielen Erwartungen", betonte Marx nach dem Gottesdienst. Und so wie ihm gehe es auch den anderen Kardinälen. Auch wenn er beim Konklave ganz stark auf das Wirken Gottes vertraue, würde dieser ihnen nicht die Arbeit abnehmen: "Sonst könnte man ja auch losen". Der Heilige Geist wolle auch wirken "durch unsere Gespräche, durch unser Suchen und unsere Diskussionen". 

"Gegenseitige Bereicherung" im Vorkonklave

Der Austausch und die "gegenseitige Bereicherung" im Vorkonklave seien sehr wichtig bei der Suche nach dem richtigen Weg, betonte Marx: "Der Heilige Geist wirkt ja nicht neben uns, sondern hoffentlich durch uns. Und wir müssen uns für ihn öffnen und großes Zutrauen haben, dass er dann in einer großen Einmütigkeit der Kardinäle der Kirche den richtigen Nachfolger des heiligen Petrus schenkt."

Er sei sich der großen Herausforderung und Verantwortung sehr deutlich bewusst, ergänzte der Kardinal. "Das spüre ich auch, es ist ja für mich das erste Mal, und ich hoffe auch, dass es für lange Zeit für mich das letzte Mal ist, aber das kann man ja nie wissen." 

Ruhetag für die Kardinäle

Die zur Papstwahl versammelten Kardinäle hatten am Sonntag eine Auszeit genommen. Viele von ihnen besuchten ihre römischen Titelkirchen und feierten, belagert von Medien und TV-Kameras, mit ihren Gemeinden eine Messe. Besonders groß war der Andrang bei Kardinal Angelo Scola aus Mailand. "Beten wir, dass der Heilige Geist seiner Kirche den Mann schenkt, der sie auf den Spuren der großen Päpste der letzten 150 Jahre leiten kann", sagte er in seiner Santi-Apostoli-Kirche nahe der zentralen Piazza Venezia.

Natürlich spielten Nationalität und Hautfarbe für die am Dienstag beginnende Papstwahl keine Rolle, hörte man in den vergangenen Tagen immer wieder aus dem Kreis der 115 wahlberechtigten Purpurträger. Dennoch mehren sich Stimmen von Italienern, die das Papstamt - nach zwei Ausländern - wieder für einen Landsmann einfordern.

Reformer vs. Kuriale?

Unterdessen glauben Beobachter vor dem Konklave zwei große Lager ausgemacht zu haben: Eine stärker auf Reformen - insbesondere in der Kurie - ausgerichtete Gruppe, zu der neben Scola auch der kanadische Kurienkardinal Marc Ouellet gerechnet wird. Sie soll derzeit leicht im Vorteil gegenüber der Gruppe der "Kurialen" sein, der konservativere Kirchenmänner zugerechnet werden, die vor allem an der Kirchenspitze wenig ändern möchten.

Zu dieser Gruppe zählt man den Italo-Argentinier Leonardo Sandri oder den Srilankesen Malcolm Ranjith, aber auch den Brasilianer Odilo Pedro Scherer. Wobei unklar ist, ob letzterer tatsächlich (nur) ein Mann der Kurie ist. Immerhin hat er sich neben seiner langjährigen Tätigkeit in der Glaubenskongregation seit vielen Jahren in der Millionen-Metropole Sao Paulo bewährt. 

Scherer gilt als eigenständig, offen und durchsetzungsfähig und scheint auch für Reformorientierte interessant zu sein. Denn nach den Kurien-Pannen der vergangenen Jahre um "Vatileaks" und Williamson wollen die Kardinäle offenbar einen Charismatiker, einen pastoralen Hirten, der aber zugleich durchsetzungsfähig und zu unbequemen Reformen bereit ist.

Chance für Außenseiter bei Patt

Das Nebeneinander zweier fast gleichstarker Lager erinnert an das zweite Konklave von 1978. Auch damals gab es mit Giovanni Benelli und Giuseppe Siri zwei ähnlichstarke Protagonisten. Und nach einem Patt schlug die Stunde für einen "Außenseiter", den Polen Karol Wojtyla.

So scheint auch jetzt ein "Überraschungskandidat" keinesfalls ausgeschlossen. Italienische Sonntagszeitungen nennen den Ungarn Peter Erdö, den Österreicher Christoph Schönborn oder den Mexikaner Francisco Robles Ortega.

Johannes Schidelko
(KNA)

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