Papstwahl: Indirekt mischen auch die Medien mit
Papstwahl: Indirekt mischen auch die Medien mit

08.03.2013

Die subtile Rolle der Medien im Vorkonklave Zwischen Geheimhaltung und Geraune

Nachdem das Kardinalskollegium die US-amerikanischen Kardinäle zum Schweigen gebracht hat, geben in Rom wieder die italienischen "Vaticanisti" den Ton an. Elegant und routiniert unterlaufen sie die Verschwiegenheits-Appelle und nutzen ihre Kontakte.

So wusste der meist gut informierte Vatikanist der Turiner "Stampa", Andrea Tornielli, am Donnerstag zu berichten, welche italienischen Kardinäle am Mittwoch hinter verschlossenen Türen das Wort ergriffen und was sie gesagt hatten. Und die "Repubblica" befeuerte die beim Vorkonklave schwelende Debatte um die "Vatileaks"-Affäre mit dem alten Kunstgriff italienischer Vatikankorrespondenten, unüberprüfbare Äußerungen eines namentlich nicht genannten Kurienmitarbeiters als "Interview" zu veröffentlichen.

Noch in den ersten beiden Tagen des Vorkonklaves hatten die amerikanischen Kardinäle mit eigenen Presse-Briefings im "North American College" in Vatikannähe die Medienberichterstattung teilweise dominiert. Dieses Auftreten wiederum brachte neben den Kurialen und den Italienern auch einige lateinamerikanische Kardinäle in Rage. Denn mit ihren gut organisierten Sonder-Briefings hatten sich vor allem der New Yorker Kardinal Timothy Dolan und der Bostoner Sean O'Malley in den Vordergrund geschoben und die Herzen vieler Journalisten erobert. Dies wiederum hatte sich in Medienberichten niedergeschlagen, die auch von den konkurrierenden Kardinälen gelesen wurden.

Seit dem "Maulkorb" für die Amerikaner ist nun wieder das vatikanische Pressebriefing die offizielle Bühne des Vorkonklaves. Detailliert und geduldig antwortet hier täglich Vatikansprecher Federico Lombardi auf die Fragen der internationalen Journalisten und setzt damit neue Maßstäbe an Transparenz in der kirchlichen Medienarbeit. Zugleich achtet er strikt darauf, keine inhaltlichen Details der Kardinalsversammlungen preiszugeben.

2005: Frühe Signale für Ratzinger-Wahl

Mit dieser "diskreten Information" folgt der Vatikan auch im digitalen Zeitalter einer Linie, die er seit Beginn des 20. Jahrhunderts eingeschlagen hat. Zentrales Anliegen ist es, die Papstwahl von äußeren, insbesondere politischen Einflüssen freizuhalten.

Solche Einflüsse waren vom 16. bis ins späte 19. Jahrhundert an der Tagesordnung. Noch 1903 hatte Österreich-Ungarn ganz offiziell ein Veto gegen einen Papstkandidaten eingelegt, der als zu frankreichfreundlich galt. Als Reaktion darauf verfügte Pius X., dass ein Kardinal, der sich im Konklave zum Handlanger fremder Mächte macht, sofort exkommuniziert ist. Seither hat es zumindest offiziell keine staatliche Einflussnahme mehr gegeben.

Trotzdem spielen politische, gesellschaftliche und mediale Gegebenheiten bei jedem Konklave im Vorfeld eine wichtige Rolle. Denn anders als beim Konklave selbst, wo den Wählern sowohl Mediennutzung als auch Journalistenkontakte strikt untersagt sind, ist beides im Vorkonklave fast unvermeidbar. So konnten etwa 2005 die Teilnehmer der Generalkongregationen den am Vatikan lauernden Journalisten schon frühzeitig signalisieren, dass es eine starke Stimmung für den damaligen Kardinaldekan Joseph Ratzinger gab. Über dieses Geraune berichteten Zeitungen, die wiederum von den Kardinälen gelesen wurden. Die Wahlchancen Ratzingers hat dies damals positiv verstärkt.

Alle Papstwähler in Rom

Einen weiteren Kontakt mit der Außenwelt haben die Kardinäle auch dann, wenn sie die Tage in Rom nutzen, um ihre sogenannten Titelkirchen besuchen. Die meisten sind zugleich normale Pfarrkirchen, und so haben die Papstwähler Gelegenheit, dort die "vox populi" (Stimme des Volkes) zu hören, die ihrerseits mehr oder weniger stark von den Informationen der Medien beeinflusst ist.

Im Vatikan ist inzwischen der letzte der erwarteten 115 Papstwähler eingetroffen. Wie Vatikansprecher Federico Lombardi mitteilte, wurde der vietnamesische Kardinal Jean-Baptiste Pham Minh Man zu Beginn der sechsten Generalkongregation vereidigt. Die Abstimmung über den Beginn des Konklaves zur Wahl des nächsten Papstes soll am Freitagnachmittag stattfinden. Das kündigte Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitag an. Das Datum werde im Anschluss an die Nachmittagskonferenz gegen 19.00 Uhr bekanntgegeben.

Ludwig Ring-Eifel
(KNA)

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