Tarcisio Bertone und Angelo Sodano
Tarcisio Bertone und Angelo Sodano

03.03.2013

Zwei ungleiche Kirchenfürsten an der Spitze Sodano und Bertone

Zwei ungleiche Kirchenfürsten an der Spitze Sodano und Bertone haben Schlüsselpositionen in der Sedisvakanz. Die Kardinäle Angelo Sodano und Tarcisio Bertone gelten im Vatikan eher als Rivalen denn als Freunde.

Der Zufall wie auch die Voraussicht von Benedikt XVI. haben dafür gesorgt, dass die beiden nun in der Sedisvakanz gemeinsam die Kirche leiten müssen: der behäbige und großgewachsene Sodano als Kardinaldekan, der die Kardinalsversammlungen einberuft und eine repräsentative Leitungsfunktion innehat. Und der schlanke Fußballfan Bertone als von Benedikt XVI. ernannter Camerlengo, der bis zur Papstwahl besonders für organisatorische Belange zuständig ist.

Sodano und Bertone stammen aus der norditalienischen Region Piemont, und beide bekleideten das Amt des Kardinalsstaatssekretärs: Sodano bis Mitte 2006 und Bertone als dessen Nachfolger bis zu diesem Freitagabend 20 Uhr, als er mit dem Amtsverzicht des Papstes auch sein Amt verlor.

Unterschiedliche Lebensläufe, Ausbildung und Werdegang

Damit sind zwei Kirchenmänner zur Zusammenarbeit angehalten, die recht unterschiedliche Lebensläufe, Ausbildung und Werdegang aufweisen. Sodano ist Sohn einer Landbesitzerfamilie; sein Vater saß von 1948 bis 1963 für die Christdemokraten im Parlament. Sodano war 50 Jahre als Diplomat im Dienst des Heiligen Stuhls. Er war Botschafter in Chile, vatikanischer Außenminister in den Tagen des Mauerfalls 1989 und wurde ein Jahr später Kardinalstaatssekretär unter Johannes Paul II. (1978-2005). Unter ihm lief im polnischen Pontifikat Vieles rund und glatt - Kritiker meinten mitunter auch: allzu glatt.

Benedikt XVI. übernahm ihn nach seiner Wahl, jedoch nur noch für ein Jahr. Dann besetzte er die Stelle mit einem Mann seines Vertrauens: mit Bertone, der ihm bereits in der Glaubenskongregation als Sekretär zur Seite gestanden hatte. Benedikt XVI. wählte in dieses Amt bewusst keinen Diplomaten, sondern einen Theologen mit diözesaner Leitungserfahrung.

Bertone trat früh in den Salesianerorden ein, promovierte in Kirchenrecht und war anschließend Theologieprofessor an der Lateran- wie an der Salesianer-Universität in Rom. 1991 wurde er Erzbischof von Vercelli, bevor er als Sekretär in die Glaubenskongregation wechselte. 2002 übernahm er die Leitung des Erzbistums Genua, von wo Benedikt XVI. ihn 2007 zu seinem Staatssekretär machte.

In diesem Amt holte Bertone seinerseits rasch Vertrauensleute in seine Umgebung. Die alte Garde der Gefolgsleute Sodanos verlor Ämter und Einfluss. Und sie erlebte, wie es im Kurienapparat immer wieder knirschte, wie immer wieder handwerkliche und mediale Pannen passierten. Erschwerend kam hinzu, dass Bertone in seiner ersten Amtsphase häufiger auf Reisen im Ausland war und den wenig reisefreudigen Papst von Kroatien bis Kasachstan vertrat.

Versteckte und auch offene Attacken
Bald aber wurde deutlich, dass seine Präsenz in der römischen Zentrale noch wichtiger gewesen wäre. Denn zunehmend richteten sich versteckte und auch offene Attacken gegen ihn. Nicht wenige sahen vor allem Bertone im Visier der «Vatileaks»-Affäre. Aber Benedikt XVI. stärkte ihm demonstrativ den Rücken - auch als hochrangige Kardinäle der Weltkirche seinen Rücktritt forderten.

Jetzt müssen Sodano und Bertone gemeinsam die Vorbereitungen für die Papstwahl leiten. Es wird sich zeigen, wie diese Kooperation funktioniert, wie sehr sie an einem Strang ziehen. Wenn es in den nächsten Tagen auch um die Kurie geht, die manche Vertreter der Weltkirche für reformbedürftig halten, müssen beide Ex-Kurienchefs mit unverhohlener Kritik ihrer Amtsbrüder rechnen.

Johannes Schidelko
(KNA)

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