Festakademie des Internationalen Kolpingwerkes im Februar in Köln
Festakademie des Internationalen Kolpingwerkes im Februar in Köln
Internationale Gäste bei der Festakademie
Internationale Gäste bei der Festakademie
Festakademie zu Ehren Hubert Tintelotts
Festakademie zu Ehren Hubert Tintelotts
Tintelott: von 1973 bis 2012 Generalsekretär von Kolping INternational
Tintelott: von 1973 bis 2012 Generalsekretär von Kolping INternational

12.02.2018

Zivilgesellschaft unter Druck "Kirche muss Widerstand leisten"

Weltweit geraten immer mehr Bürger, die sich zivilgesellschaftlich engagieren, ins Visier staatlicher oder privater Gewalt. Sie werden Zielscheibe von Repression oder Kriminalisierung. Ein Problem, das auch kirchlichen Verbänden und Hilfswerken Sorgen macht.

Berta Cáceres wurde nur 44 Jahre alt. Sie wurde am 3. März 2016 ermordet, weil sie sich in ihrer Heimat Honduras für die Umwelt engagiert hatte. In Russland wurde Anfang des Jahres der Putin-Kritiker Alexej Nawalny festgenommen worden und Ägyptens Präsident Al-Sisi droht Nichtregierungsorganisationen, die keine Zulassung der Behörden haben, mit Haft- und Geldstrafen: Weltweit wird die Arbeit von NGOs und zivilgesellschaftlichen Akteuren zunehmend eingeschränkt. Nur zwei Prozent der Weltbevölkerung haben eine uneingeschränkte Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Zu diesem Ergebnis kam erst kürzlich der "Atlas der Zivilgesellschaft", der unter anderem von der Hilfsorganisation "Brot für die Welt" erstellt wurde.

Kirchliche Verbände und Hilfswerke betrachten diese Entwicklung mit Sorge: "Wir bemerken, dass der Raum für Zivilgesellschaft kleiner wird", so Markus Demele, Generalsekretär des Internationalen Kolpingwerkes. Das Kolpingwerk als Organisation, die an der Schnittstelle von Kirche und Gesellschaft tätig ist, bekomme diesen Druck auch in vielen Regionen und Ländern zu spüren, sagt er. So sei beispielsweise noch bis vor wenigen Jahren der Vorsitzende des vietnamesischen Nationalverbandes von den Behörden regelmäßig zum Rapport einbestellt worden. "Da musste er einige Zeit verbringen, mal Stunden, mal Tage", so Demele, "und die Botschaft war klar: 'Wir wissen genau, was Ihr macht!'". Von Druck und Einschüchterungsversuchen berichten auch Kolpingmitglieder aus Ruanda, Indien und der Ukraine.

Angst vor mündigen Bürgern?

Eine Festakademie des Internationalen Kolpingwerkes Anfang Februar in Köln beschäftigte sich mit dem Thema "Zivilgesellschaften unter Druck". Kolpingmitglieder aus dem In- und Ausland diskutierten über Auftrag und Rolle der Weltkirche in diesem Zusammenhang: "Die Möglichkeiten für Akteure, die Regierungspolitiken kritisieren, Demokratie und Menschenrechte einfordern oder soziale Missstände, Landraub und Umweltzerstörung kritisieren, werden kleiner. Diese Regierungen haben Angst vor mündigen Bürgern", so der Generalsekretär. Viele beriefen sich bei der Einschränkung von Rechten auf Terrorbekämpfung und innere Sicherheit. Dies geschieht mit Gesetzen, bürokratischen und steuerlichen Auflagen oder Hetzkampagnen. Aktivisten werden verhaftet, Konten eingefroren, Lizenzen entzogen, Internetseiten blockiert und Büros geschlossen.

Monsignore Ottmar Dillenburg, Generalpräses des internationalen Kolpingwerkes, kritisiert diese Entwicklung, denn eine funktionierende Zivilgesellschaft sei ein Ausdruck von "Lebendigkeit von Gesellschaften", sagt er. "Es geht nicht darum, nur von oben nach unten ein Gemeinwesen  zu organisieren, sondern darum, dass alle Menschen mit anpacken, sich verantwortlich fühlen und auch die Möglichkeit haben, sich zu beteiligen"

"Shrinking Spaces"

Für diese Entwicklung wurde der Fachbegriff "Shrinking Spaces" geschaffen: "schrumpfende Spielräume“. Auch das Kolpingwerk als Teil der Zivilgesellschaft sei mancherorts davon betroffen, beobachtet Dillenburg: "Ich merke das daran, dass sich manche Kolpingmitglieder nicht mehr trauen, so zu agieren, wie sie es noch vor ein paar Jahren getan haben, weil sie Repressionen von außen erfahren oder befürchten. Das ist eine verheerende Entwicklung!"

Ehrengast der Festakademie war Erzbischof Ludwig Schick, Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Er nannte das Internationale Kolpingwerk einen "global Player" der katholischen Kirche, der in vielen Ländern aktiv sei: "Das Werk tut viel für den Aufbau der Zivilgesellschaft, indem es beispielsweise Berufschancen und Ausbildung ermöglicht, aber auch indem es Kurse veranstaltet, um junge Menschen für zivilgesellschaftliches Engagement zu interessieren und zu bilden. Da geschieht ganz viel!"

Schick, selbst seit über 50 Jahren Kolpingbruder, forderte, dass Kirche dort "Widerstand leisten" müsse, wo die Zivilgesellschaften eingeschränkt würden.  Dabei solle sie nicht die Rolle von Politikern übernehmen, sagt er, aber: "Jesus hat gesagt: Ich bin gekommen, damit Ihr ein Leben in Fülle habt und das ist unser Auftrag!". Er ist überzeugt: Christen müssen sich für gerechte Strukturen und ein Leben in Fülle einsetzen: "Der selige Adolph Kolping war für mich immer ein Vorbild in seinem Engagement für andere und heute ist er auch ein Vorbild für das weltweite Engagement, das mir sehr am Herzen liegt und ich für sehr wichtig halte!"

Immer mehr Ehrenamtler

Die Festakademie wurde zu Ehren des langjährigen Generalsekretärs Hubert Tintelott veranstaltet. Er feierte im  vergangenen Jahr seinen 70. Geburtstag. Von 1973 bis 2012 stand er dem katholischen Verband vor. In der Zeit hat sich die Idee einer Kolpingfamilie, die füreinander einsteht und da anpackt, wo Not ist, rund um den Globus verbreitet. "Die Bedeutung der Zivilgesellschaft ist deutlich gewachsen, es gibt heute mehr ehrenamtliches Engagement, die Strukturen haben sich verbessert", sagt er. "Und es gibt auf internationaler Ebene Fragen, die durch den Nationalstaat nicht mehr gelöst werden können und dafür braucht es internationale zivilgesellschaftliche Strukturen."

Und trotz der Einschüchterungsversuche, die engagierte Bürger oftmals erfahren, ist Generalsekretär Demele überzeugt: "Freiheit und der Wunsch nach Selbstverwirklichung und Entwicklung lassen sich nicht dauerhaft unterdrücken." Er beobachte viele Gegenbewegungen, die sich überall auf der Welt bildeten, auch durch den Einsatz sozialer Netzwerke. "Ich glaube, Freiheitsbestrebungen werden sich immer ihren Bann brechen!"

Ina Rottscheidt
(DR)

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