Porträt von Adolph Kolping
Porträt von Adolph Kolping

27.10.2016

Jubiläum der Seligsprechung von Adolph Kolping "Besessen von einer Liebe zu den Kaputtgemachten"

Am 27. Oktober 2016 jährt sich die Seligsprechung Adolph Kolpings zum 25. Mal. Für hunderttausende Kolpingmitglieder rund um den Globus ein wichtiger Tag, verbunden mit der Frage: Und wie steht es um die Heiligsprechung?

Ein orange-schwarzes Fahnenmehr wehte am  27.Oktober 1991 auf dem Petersplatz: Rund 60.000 Kolpingmitglieder waren nach Rom gereist, um an der Seligsprechung ihres Gesellenvaters Adolph Kolpings teilzunehmen. Auch Martin Grünewald war dabei, heute Pressesprecher des Kolpingwerkes Deutschland: "Ein buntes Treiben, ein vollgefüllter Petersplatz und eine riesen Begeisterung, denn auf diesen Moment hatten wir ja lange gewartet und wir waren alle so stolz darauf, dabei zu sein", erzählt er.

Mit der Seligsprechung erkannte die Kirche an, was hunderttausende Kolpingmitglieder rund um den Globus schon längst wussten: dass ihr Gesellenvater mit seinem Einsatz für Ärmsten ein Vorbild ist und dass seine Botschaften auch nach über 150 Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Schuhmacherlehre und Theologiestudium

Adolph Kolping wurde am 8. Dezember 1813 in Kerpen bei Köln geboren. In der beginnenden Industrialisierung erkannte er früh den wirtschaftlichen und sozialen Umbruch seiner Zeit. Als Kind eines Schäfers besuchte er die Volksschule, wurde Schuhmacher. Doch der junge Handwerker war ehrgeizig, machte in Köln das Abitur nach, studierte Theologie und wurde schließlich 1845 zum Priester geweiht.

Als Kaplan wurde er nach Elberfeld geschickt, heute ein Vorort von Wuppertal. In der Textilstadt beobachtete er die Schattenseiten der Industrialisierung: "Der größte Teil der Arbeiter verdient gegenwärtig, auch wenn er Arbeit hat, kaum oft nicht mal das tägliche Brot", notierte er bereits im Jahr 1848. "Der Arbeitslohn ist seit Jahr und Tag immer tiefer gesunken; wie die Konkurrenz stieg, wurden die Preise gedrückt, die Last fiel auf den Fabrikanten, der legte sich mit seiner ganzen Schwere auf die Arbeiter."

Auf der Seite der Ärmsten

Kolping prangerte diese Verhältnisse an, ergriff Partei für die Ärmsten: "Er war besessen von einer Liebe zu den Kaputtgemachten, zu den Kleinen", sagt sein Biograph Christian Feldmann. "Er wollte das Christentum aus den Betkammern rausholen!" Erstmals stellte er die kirchliche Trennung zwischen irdischer Not und himmlischem Heil in Frage. Geradezu revolutionär sei das damals gewesen, erklärt Feldmann. Und auch gefährlich.

Kolping gründete Gesellenvereine, die der Verarmung entgegenwirken und die Bildung der Handwerker und Arbeiter verbessern sollten. "Die preußischen Behörden haben den jungen Verband bespitzelt und in jedem Treffen von Handwerkern sofort eine Revolution gewittert. Kolping wurde bei der Polizei angezeigt, weil er einen Handwerkerverband gründete", erzählt Feldmann. "Er hatte übrigens auch kaum Rückhalt im christlichen Bürgertum und beim Klerus."

An die Ränder der Gesellschaft

Kolping ging an die Ränder der Gesellschaft, lange bevor Papst Franziskus seine Kirche dazu ermahnte. Seine Vision, dass Christen sich den sozialen Herausforderungen und Nöten ihrer Zeit stellen müssen, ist bis heute gültig: auf der Grundlage von Gesinnungsreform, Eigenverantwortung und Gemeinschaftshilfe hat sich das Kolpingwerk in über 50 Nationen auf allen Kontinenten der Erde ausgebreitet. Seine Mitglieder sind überzeugt, dass Christen sich in Familie und Arbeitswelt, Kirche und Gesellschaft engagieren und verantwortlich an einer besseren Zukunft mitwirken müssen.

Seligsprechung im Jahr 1991

Dieses Vermächtnis würdigte auch Papst Johannes Paul II, als er am 27.Oktober 1991 Adolph Kolping selig sprach. "Kolping versuchte, die Christen aus ihrer Trägheit aufzurütteln und sie an ihre Verantwortung für die Welt zu erinnern", sagte er in seiner Predigt. "Für ihn war das Christentum nicht bloß ‚für die Betkammern‘ gedacht, sondern für den Alltag und für die Gestaltung der gesellschaftlichen Wirklichkeit!"

Auch Monsignore Ottmar Dillenburg erinnert sich heute noch gerne an diesen Tag: Der Generalpräses des Internationalen Kolpingwerkes war damals ebenfalls in Rom dabei, jedoch damals als Kaplan aus der Diözese Trier und eher zufällig, denn sein Chef, der Pfarrer und Präses der Kolpingfamilie war verhindert und schickte ihn als Vertretung. "Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, es war ein unglaubliches Erlebnis", erinnert sich Ottmar Dillenburg.

"Es war spürbar, wie die Menschen ein herbeigesehntes, herbeigebetetes Ereignis endlich erleben durften. Wie sehr sie auf die Seligsprechung ihres Gesellenvaters gewartet hatten, weil er ihnen Stärke und Kraft gibt, weil sie ihn für sich als Fürsprecher bei Gott wissen!" Auch er hat das schwarz-orange Fahnenmeer auf den Petersplatz bis heute vor Augen: "Und dann der Moment, als das Bild des frisch ernannten Seligen enthüllt wurde: Das ist für mich heute noch ein ergreifender Moment des Erinnerns!"

Weltgebetstag für Adolph Kolping

Bis heute begehen die Mitglieder des Kolpingwerkes den 27. Oktober rund um den Globus mit einem Weltgebetstag. In Köln feiern Ge­ne­ral­prä­ses Ott­mar Dil­len­burg und Bun­des­prä­ses Jo­sef Holt­kot­te ge­mein­sam ei­nen Got­tes­dienst in der Minoritenkirche, wo der selige Adolph Kolping begraben liegt.

Für Monsignore Dillenburg ist dieser Tag in zweifacher Hinsicht ein besonderer, denn 20 Jahre später, am 27. Oktober 2011 wurde er – ebenfalls im Rom - zum Generalpräses des internationalen Kolpingwerkes gewählt und damit zum neunten Nachfolger von Adolph Kolping. "Das ist natürlich emotional für mich ein ganz wichtiges Datum und war bei der Seligsprechung natürlich überhaupt nicht vorauszusehen", sagt er. Für ihn ein Anlass zur Dankbarkeit: "Ein stilles Danke für die zurückliegenden fünf Jahre geht an diesem Tag an Gott. Und ein ganz lautes Danke an die vielen engagierten Mitarbeiter und Mitglieder weltweit."

Wann kommt die Heiligsprechung?

Und was die besonders interessiert: Wann wird Adolph Kolping denn nun endlich heiliggesprochen? Dillenburg lacht, denn das wird er ständig gefragt. "Wir sind im Vorbereitungsprozess, wir warten und beten, dass Gott uns das Wunder schenkt." Für eine Heiligsprechung bedarf es eines medizinischen Wunders, einer Heilung, die medizinisch nicht erklärbar ist und auf die Fürsprache Kolpings bei Gott zurückzuführen ist. "Dieses Wunder haben wir noch nicht", stellt er klar.

Vor allem im internationalen Kontext sei das sicher wichtig, sagt Kolping-Pressesprecher Grünewald. In Lateinamerika, Asien oder Afrika habe die Verehrung von Heiligen eine weitaus größere Bedeutung als in Deutschland. "Ich persönlich würde mich sehr über die Heiligsprechung freuen", sagt er, "wenngleich es an meiner Grundeinstellung nichts ändert. Aber international gesehen würde uns das noch mehr Möglichkeiten geben, die Botschaften Kolpings, die auch nach fast 200 Jahren nichts an ihrer Aktualität verloren haben, zu verbreiten."

Ina Rottscheidt
(DR)

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