Touristin vor dem Kölner Dom
Touristin vor dem Kölner Dom
Der Dreikönigenschrein im Kölner Dom, davor der Hochaltar
Der Dreikönigenschrein im Kölner Dom, davor der Hochaltar
Impressionen vom Gerüstabbau am Kölner Dom.
Impressionen vom Gerüstabbau am Kölner Dom.

22.10.2021

Buch erzählt Anekdoten zu 111 Orten im Kölner Dom Wie der liebe Gott den Dreikönigenschrein rettete

Zwei Kunsthistoriker haben ein Buch über den Kölner Dom geschrieben. Ein Karnevalsnarr und ein König zu viel kommen darin vor - und an einer Stelle geht es gar mit dem Teufel zu.

Wann ist der Kölner Dom endlich fertig? Wer zahlt, wenn die Kathedrale nachts leuchtet? Wer trägt im Dom eine Narrenkappe? Diese und weitere Fragen beantworten die Kunsthistoriker Petra Sophia Zimmermann und Klaus Hardering in ihrem Buch "111 Orte im und am Kölner Dom, die man gesehen haben muss", das am Donnerstag erschienen ist.

Die Veröffentlichung aus dem Emons-Verlag reiht sich ein in eine ganze Serie an Büchern über Orte, die "man gesehen haben muss" - ob in Köln, in München oder auf Spiekeroog. 111 Orte auf der vergleichsweise kleinen Fläche des Doms zu finden, klingt nach einer Herausforderung - war es aber nicht, wie die Autoren sagen. "Im Gegenteil. Manche Sachen haben wir aussortiert und gesagt: eigentlich schade", sagte Hardering während der Buchvorstellung in Köln. "Nach nur zwei Rundgängen durch den Dom hatten wir unsere Lieblingsstücke schon parat", ergänzte Zimmermann. "Das lief wie geschmiert."

Ein kleines Wunder

Kein Wunder: Der Kölner Dom, Wahrzeichen der Stadt und Weltkulturerbe, war im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Gegenstand unzähliger Anekdoten im geschichtenverliebten Rheinland. Zum Beispiel dieser hier: 1434 stürzte wegen eines Orkans ein Teil einer Fiale durch das Dach in die Tiefe. Wie durch ein Wunder blieb der wertvolle Dreikönigenschrein mit den Reliquien der Weisen aus dem Morgenland unbeschadet. Lange habe sich der Glaube gehalten, der Teufel sei für das Unglück verantwortlich, so Hardering und Zimmermann. Laut einer anderen Version hat Gott den Schrein im letzten Moment ein wenig zur Wand hin verschoben. An den Vorfall erinnert im Dom eine schwarzumrundete Inschrift - Nummer 101 im Buch.

Ein König zu viel

Die Autoren legten bei der Auswahl Wert auf eine Mischung aus witzigen Anekdoten und kunsthistorischen sowie politischen Hintergründen, wie sie erklärten. Das zeige sich zum Beispiel am mittelalterlichen Dreikönigenschrein, Ort Nummer 30. Dargestellt ist darauf neben den biblischen Königen auch Otto IV. aus dem Hause der Welfen - also quasi ein König zu viel.

Er habe Gold und Edelsteine für die Vorderseite des Schreins gestiftet. Obwohl seine Rechtmäßigkeit als Herrscher schon zu Lebzeiten umstritten gewesen sei, habe sich Otto IV. "in die Tradition der Könige gestellt und demonstriert: 'Ich bin der wahre deutsche Herrscher'", erklärte Hardering. Ein Beispiel dafür, dass es sich bei dem Reliquienschrein nicht nur um ein sakrales Objekt handle, sondern auch um ein Kunstwerk mit handfester machtpolitischer Aussage.

Kosten für die Außenbeleuchtung

Sozusagen um moderne Politik - nämlich um Klima- und Energiepolitik - geht es bei Ort Nummer 7: Das sind die 33 Scheinwerfer und 189 Strahler, die den Dom auch nachts leuchten lassen. Die Kosten für die Außenbeleuchtung trägt laut Buch bis ein Uhr nachts die Stadt Köln. Anschließend komme ein privater Verein dafür auf.

Wer den Dom trotzdem nicht finden sollte, wäre bis 1811 an die Hausnummer 2.583 ½ verwiesen worden. Die Bruchzahl habe angezeigt, dass der Dom keine Steuern zu entrichten hatte. Als die Häuser nicht mehr durchlaufend, sondern straßenweise nummeriert worden seien, habe auch der Dom eine neue Anschrift erhalten. Die offizielle Adresse lautet heute Domkloster 4 - im Buch Ort Nummer 44. Das ist ein passender Zufall, denn die Orte tauchen in der Veröffentlichung in alphabetischer Reihenfolge auf.

"Mer losse d'r Dom en Kölle"

Die Schwalbennestorgel im Innenraum der Kathedrale ist Ort Nummer 96. Wenn der Organist zur Karnevalszeit das Register "Loss jonn" ("Mach voran") zieht, öffnet sich unten eine Klappe. Zum Vorschein kommt eine Figur mit einer Narrenkappe, und es erklingt das kölsche Lied "Mer losse d'r Dom en Kölle" ("Wir lassen den Dom in Köln").

Dem "normalen Dombesucher" werde viele Dingen zum ersten Mal begegnen, zeigte sich Hardering überzeugt. Er und seine Co-Autorin hätten sich bemüht, Details und Aspekte zu beleuchten, "auf die man vielleicht erst einmal nicht guckt". Das ist ein hoher Anspruch, denn über den Kölner Dom sind schon zahlreiche Bücher erschienen. Aber vielleicht finden sogar eingefleischte Kölner unter den 111 Orten die ein oder andere neue Anekdote.

Beate Laurenti
(KNA)

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