11.09.2001, New York: Eine staubbedeckte Krankentrage und ein Feuerwehrmann
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11.09.2021

Domdechant Kleine ruft an 9/11 zum Kampf für den Frieden auf "Vielleicht sind die Hoffenden die Einzigen, die nicht hilflos sind"

Menschen stürzen sich aus Fenstern. Rettungskräfte laufen in den Rauch hinein. Diese Bilder von 9/11 haben sich Domdechant Robert Kleine ins Gedächtnis eingebrannt. Im Kölner Dom hat er über die Hoffnung gepredigt, die "wegführt von Terror und Hass."

"Vielleicht sind wir Hoffenden die Einzigen, die nicht ganz hilflos sind", zitierte Stadtdechant Msgr. Robert Kleine in seiner Predigt im Kölner Dom am Samstagmorgen einen Schüler, der dies nach dem Amoklauf am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt im April 2002 gesagt hatte. Vielleicht, so Kleine, könne das auch über dem 11. September stehen, über allen Katastrophen, vor allem über allen Anschlägen, bei denen Menschen andere Menschen töten und ihnen ganz bewusst Leid zufügen.

"Vielleicht sind die Hoffenden die Einzigen, die nicht ganz hilflos sind. Die Hoffenden, die Menschen, die tief in sich ein Bild des Lebens haben, für sich und für andere. Die einen Blickwinkel haben, der wegführt von Terror und Tod", so Kleine. Er spricht von Menschen, die daran glauben, dass die Welt "von Gott gut geschaffen ist, dass sie eigentlich ein Raum des Lebens sein möchte, der die unterschiedlichen Menschen miteinander leben lassen kann, ohne sie alle gleich zu machen". Davon, dass die Welt Platz hat für "Glaubensüberzeugungen, ohne dass ich dem Anderen das Daseinsrecht absprechen "muss". Dass die Welt eigentlich ein Raum ist, der der Liebe und der Versöhnung Raum und Zeit gewährt".

Erinnerung an Hilfskräfte

Die Hoffenden seien Menschen, die nicht aufhören wollen, an das Gute im Menschen zu glauben, "obwohl – wenn wir nach Afghanistan und in viele andere Länder schauen – das doch ganz anders aussieht und so vieles dagegenspricht", sagte der Stadt- und Domdechant.

Die Hoffenden vor 20 Jahren seien vor allem auch die Hilfskräfte gewesen. "Zum Beispiel die elf Feuerwehrmänner, die als erstes Einsatzteam am Ort der Katastrophe waren, eingriffen, beistanden, sich durch die Staubwolke kämpften, Menschen herausbrachten – und am Ende alle umkamen" , erinnerte Kleine. Ihr zerstörtes Feuerwehrauto ist im Gedenkmuseum am Ground Zero zu sehen. "Eine Erinnerung, dass Menschen Hoffnung haben und anderen Hoffnung schenken wollen."

Aufforderung zum Einsatz für den Frieden

Nicht allein in seiner Erinnerung seien die schrecklichen Bilder dieses Tages vor 20 Jahren eingebrannt, so Kleine: "Die Bilder der Menschen, die in ihrer Verzweiflung und Not aus den oberen Stockwerken der glühenden und schmelzenden Hochhäuser in den Tod sprangen. Menschen, auf deren Gesichtern der Staub und die Asche lagen und sie zu Masken werden ließen und von denen viele in den Folgejahren an Krebs gestorben sind."

In der Folge des Dramas von New York und der anderen Orte des 11. Septembers seien Kriege geführt worden, erinnerte der Stadt- und Domdechant. "Jetzt, vor einigen Wochen in Afghanistan, sollte ein Schluss-Strich gezogen werden – aber es ist kein Schluss-Strich." Der 11. September sei deshalb nicht nur ein Tag der Erinnerung, sondern zugleich eine Aufforderung, im Kleinen, nach seinen Möglichkeiten, für den Frieden zu kämpfen. Kleine zitierte aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser. "Seid demütig, friedfertig, geduldig, ertragt einander in Liebe, bemüht euch die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält." Und Msgr. Robert Kleine betonte abschließend: "Ich vertraue darauf: Wenn wir diese Hoffnung haben, wenn wir Hoffende sind, dass das auch der Welt helfen kann."

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