Domorganist Bönig gestaltet drei der Konzerte bei den Orgefeierstunden
Der Kölner Domorganist Prof. Dr. Winfried Böng
Kölner Domorgel
Kölner Domorgel
Blick von Westen: Die Schwalbennestorgel der Firma Klais hängt in 20 Metern Höhe.
Blick von Westen: Die Schwalbennestorgel der Firma Klais hängt in 20 Metern Höhe.

31.08.2021

Letztes Konzert der diesjährigen Orgelfeierstunden Domorganist Bönig bildet den Abschluss

Zwölf Konzerte mit namhaften Organistinnen und Organisten: Die Orgelfeierstunden haben über den Sommer zahlreiche Orgelfans begeistert. Domorganist WInfried Bönig spielt als künstlerischer Leiter traditionell das letzte Konzert.

Auch in diesem Jahr hat die traditionsreiche Konzertreihe der Corona-Pandemie getrotzt und an 12 Abenden den Kölner Dom mit vorzüglicher Orgelmusik erklingen lassen - immer in Ton und Bild übetragen von DOMRADIO.DE. Die Anzahl der Zuhörerinnen und Zuhörer im Dom war im Vergleich zu den Jahren vor Corona stark reduziert. Die Karten wurden jeweils verlost, weil das Interesse größer war als das Kartenkontigent. 

Konzertprogramm passt perfekt zu den Domorgeln

Prof. Winfried Bönig präsentiert beim letzten Konzert ein Programm, bei dem er das Klangpotential der Domorgeln voll ausschöpfen kann. Den Auftakt macht die Komposition "Festval Procession" von Gordon Balch Nevin, bei der vor allem das grandiose Hochdruckwerk im Westen des Domes klangvoll zur Geltuntg kommt. Bei der Orgelbearbeitung zu Alexander Borodins "Eine Steppenskizze aus Mittelasien" von Marcel Dupré steht der französische Komponist im Fokus, dessen 50. Todestag in diesem Jahr begangen wird.

Beim Abschluss des Konzertes mit Louis Viernes 6. Orgelsinfonie ist Bönig froh, dass er mit der Domorgel eine große Orgel zur Verfügung hat, wie er bei der Werkeinführung vorab erklärt, da Viernes Sinfonie eben einen großen musikalischen Farbenreichtum verlangt, um als sinfonische Musik für die Orgel auch voll Wirkung zu entfalten.

Harry Potter im Dom?

Vorher spielt er noch ein Werk, mit dem er ein besondere Anekdote verbindet. Es die Komposition "Roulade" von Seth Bingham, die der Domorganist schon länger im Konzert aufführen wollte. "Ich habe das jemandem vorab vorgespielt und die Person meinte dann, das klänge eigentlich wie die Filmmusik zu einem Harry Potter Film. Und zuerst habe ich ein bisschen gestaunt." Aber dann konnte Bönig den Eindruck bestätigen, denn das Stück sei schon ein bisschen skurril, ein bisschen quirlig: "Es hat auch dann Momente des Innehaltens, wo es ganz geheimnisvoll klingt. Und ich finde, es ist keine Schande oder nicht unkünstlerisch oder eine kulturelle Schandtat, wenn man beim Musikhören Bilder im Kopf hat und wenn man eben ein Bild hat, das einem hilft, diese Musik zu erschließen oder das einem Freude gibt es zu hören, dann kann es auch Harry Potter sein."

Höller als prominenter Komponist der Nachkriegszeit

Einen völlig anderen Charakter hat dann die Musik von Karl Höller (1907-1987). Der stammt aus einer traditionsreichen Bamberger Musikerfamilie. Berühmte Dirigenten wie Wilhelm Furtwängler oder Herbert von Karajan führten seine Werke auf, heute werde Höllers Musik nicht mehr soviel gespielt - doch Bönig glaubt, dass die Zeit von Höller wieder komme. Beim Abschlusskonzert spielt Bönig das Werk "Ciacona".

Auch wenn der Kölner Domorganist bedauert, dass auch in diesem Jahr nicht so viele Menschen in den Dom kommen konnten wie vor Corona, zieht er vor seinem letzten Konzert eine positive Bilanz: "Die vielen Zuschriften, Mails und Reaktionen auf das Streaming, auf die Übertragungen haben uns gezeigt, dass es das wirklich wert war, dass wir viele Menschen gewonnen haben, auch wenn sie nicht in den Dom kommen konnten und trotzdem die Atmosphäre und die Musik genießen konnten."

Programm am 31. August

Gordon Balch Nevin (1892-1943)
Festival Procession

Charles Villiers Stanford (1852-1924)
aus der Sonate für Orgel Nr. 3, op. 152:
Larghetto

Alexander Borodin (1833-1887)
Eine Steppenskizze aus Mittelasien
(Bearbeitung für die Orgel: Marcel Dupré)

Seth Bingham (1882-1972)
Roulade

Karl Höller (1907-1987)
Ciacona

Louis Vierne (1870-1937)
aus der VI. Symphonie:
1. Scherzo
2. Adagio
3. Final

(DR)

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